Ratgeber - Digitales Leben


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Roaming im EU-Ausland Gespräche und Surfen werden billiger, aber...

Die EU hat im Juli die Preisobergrenzen für Telefonieren, SMS und Internet-Surfen im EU-Ausland gesenkt. Dennoch lauern Kostenfallen und Sicherheitsrisiken - vor allem bei der Internetnutzung.

Von: Florian Regensburger Stand: 31.07.2014
Junge Frau telefoniert am Strand mit einem Smartphone | Bild: picture-alliance/dpa

Seit Anfang Juli sind mobiles Telefonieren, SMS Schreiben und das Surfen im EU-Ausland wieder günstiger. Die EU senkte die Preisobergrenzen für die Netzanbieter ein Jahr nach der letzten Reduzierung damit weiter. Doch wer glaubt, jetzt im Strandcafé völlig unbekümmert mit dem Smartphone Musik runterladen zu können, der irrt. Denn trotz Preisgrenze sind erstens vor allem die Datentarife immer noch gepfeffert. Zweitens surft oder telefoniert man möglicherweise gar nicht zum günstigen EU-Tarif.

EU-Tarife sind nicht immer automatisch aktiviert

Die Netzanbieter dürfen nämlich zusätzlich teurere Tarife anbieten - und der EU-Tarif ist nicht bei allen Anbietern automatisch voreingestellt. Es gilt also, vor Reiseantritt das günstigste Angebot zu erfragen. Einen Wechsel in einen günstigeren Tarif muss der Anbieter kostenlos und innerhalb eines Tages durchführen. Außerdem empfiehlt es sich, nach speziellen Datenpaket-Tarifen fürs Ausland zu fragen.

Bei diesen Paket-Angeboten kauft man ein festes Datenkontingent - zum Beispiel 10, 50 oder 100 Megabyte (MB) -, welches man dann innerhalb eines bestimmten Zeitraums verbrauchen kann, bevor es verfällt. Bei diesen Angeboten, die man speziell nach den eigenen Bedürfnissen wählen kann und die sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden, fährt man in der Regel noch einmal deutlich günstiger, als zum normalen EU-Roaming-Tarif.

Die neuen EU-Roamingtarife (Nettopreise zzgl. 19 % Mehrwertsteuer)
DienstPreis ab 1.7.2013Preis ab 1.7.2014
Ausgehende Anrufe / Minute24 Cent / Minute19 Cent / Minute
Angenommene Anrufe / Minute7 Cent / Minute5 Cent / Minute
Ausgehende SMS (Empfang kostenlos)8 Cent6 Cent
Datennutzung45 Cent / MB20 Cent / MB

Telefonieren: Vorsicht außerhalb der EU - und auf Schiffen

Ein kurzes Telefonat am (EU-)Strand macht heute niemanden mehr arm.

Im Urlaub ein schnelles Telefonat zu führen, ist mittlerweile tatsächlich weitgehend unbedenklich. Ruft man aus dem EU-Ausland jemanden an, dürfen die Mobilfunkanbieter seit 1. Juli 2014 höchstens 19 Cent pro Minute (alle hier genannten Preise sind aus Gründen der Genauigkeit Nettopreise, tatsächliche Preise zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer) verlangen. Für angenommene Anrufe werden noch maximal 5 Cent fällig. In den meisten Fällen kann man davon ausgehen, dass die Anbieter diese Preisgrenzen auch ausreizen.

Vorsicht ist in Nicht-EU-Ländern geboten: Nicht nur in der Südsee oder in der Karibik kann es weiterhin richtig teuer werden, auch zum Beispiel die Türkei oder die Schweiz gehören bekanntlich nicht zur EU. Hier haben Netzanbieter alle Freiheiten bei der Preisgestaltung, in jedem Fall sollte man sich also vor Reiseantritt über die Preise informieren, damit keine böse Überraschung auf der Handyrechnung droht. Vorsicht ist auch auf Schiffen geboten: An Bord etwa eines Kreuzfahrtschiffes kann mitunter ein eigener Schiffsnetzbetreiber, der nicht an die EU-Roaming-Verordnung gebunden ist, ein Mobilfunknetz über Satellit bereitstellen. Die Preise für Telefonate können dann bis zu 10 Euro pro Gesprächsminute betragen, warnt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland. Vor Schiffsreisen sollte man sich also vorher beim Reiseanbieter über die Mobilfunkversorgung informieren.

Spartipps fürs Telefonieren im Ausland

Urlaubs-SIM

Häufig ist es günstiger, im Urlaubsland eine SIM-Karte zu kaufen. Das gilt vor allem für Telefonate mit Mitreisenden innerhalb des Landes. Erfragen Sie vor Reisenantritt die Kosten bei ihrem Mobilfunkanbieter (vor allem im Nicht-EU-Ausland!) und informieren Sie sich über Angebote vor Ort. Ab 1. Juli 2014 schreibt die EU-Roaming-Verordnung außerdem vor, dass Handy-Nutzer für die Dauer ihres Auslandsaufenthalts einen anderen Mobilfunkanbieter wählen können, ohne ihre Telefonnummer wechseln zu müssen. Auskünfte zu entsprechenden Kooperationspartnern im Ausland geben die Mobilnetzanbieter.

Grenznahes Netz suchen

Befinden Sie sich in der Schweiz oder einem anderen direkt an Deutschland angrenzenden Land nicht allzu weit von der deutschen Grenze entfernt, können Sie oft ein deutsches Netz erreichen. Bis zu einer Entfernung von 30 Kilometern lohnt es sich auf jeden Fall, in den Einstellungen des Handys bei der Netzauswahl zu suchen, ob ein Netz mit ausreichender Signalstärke erreichbar ist.

Mailboxansage ändern

Wenn Sie einem schlechten Gewissen wegen nicht beantworteter Anrufe von Freunden oder Kollegen vorbeugen möchten, ändern Sie Ihre Mailboxansage entsprechend. Sprechen Sie aufs Band, dass Sie bis zu einem bestimmten Datum nicht erreichbar sind und ihre Mailbox nicht abhören können. So sparen Sie sich Rückrufe und das Abhören der Mailbox - vor allem im telefonmäßig teuren Nicht-EU-Ausland kann das sinnvoll sein. Und in besonders wichtigen Fällen sehen Sie trotzdem, wer angerufen hat.

Surfen: Kostenfalle mobiles Internet

Vor allem die mobile Internetnutzung kann im Ausland nach wie vor zur Kostenfalle werden.

Mobiles Surfen kann im Urlaub praktisch sein. Landkartendienste, Reiseführer, Wetterbericht und mit den richtigen Apps auch Wörterbuch oder Navigationsgerät - all das ist heute das Smartphone oder der Tablet-PC, sofern man eine mobile Datenverbindung hat. Auch dafür hat die EU die Preise gedeckelt, auf 20 Cent (zuzüglich Mehrwertsteuer) pro MB übertragener Daten.

Doch 1 MB ist schnell verbraucht: Zwar kann man damit durchaus 300 E-Mails (ohne Anhang!) herunterladen, was viel erscheinen mag. Nutzt man aber etwa Google Maps, schaut sich die Umgebung des Urlaubsorts oder das Tauchrevier aus der Luft an und zoomt ein bisschen hinein und heraus, kann schon nach einer Minute mehr als 1 MB beisammen sein. Auch das Herunterladen oder Streamen eines Musikstücks im mp3-Format (ca. 3 MB) oder von Videos (abhängig von Format und Länge, gängig sind 5 bis 10 MB je Minute Laufzeit) kann schnell richtig ins Geld gehen.

Spartipps fürs Surfen im Ausland

Updates deaktivieren

Viele Smartphone-Apps, zum Beispiel standortbezogene Wetter-Apps oder Podcast-Reader aber auch die Apps von Facebook oder E-Maildiensten, stellen regelmäßig selbstständig eine Internetverbindung her, um ihre Daten zu aktualisieren - was jedes Mal Datenvolumen verbraucht. Dies können Sie meist in den Einstellungen der App unterbinden oder das Intervall, in dem aktualisiert wird, verlängern, um den Datendurchsatz zu verringern. Noch mehr kann man sparen, wenn man die Datenverbindung des Smartphones in den Einstellungen generell deaktiviert und nur dann einschaltet, wenn man sie tatsächlich nutzen möchte. Auch automatische Versions-Updates von Apps kann man im Urlaub deaktivieren.

Urlaubs-SIM

Wie beim Telefonieren lohnt es sich oft, auch zum Surfen eine SIM-Karte im Urlaubsland anzuschaffen. Häufig sind die Tarife im Nicht-EU-Ausland, aber auch innerhalb der EU, günstiger als in Deutschland. Das gilt erst recht im Vergleich zur Nutzung einer deutschen SIM im Ausland. Hat man ein Notebook oder einen Tablet-PC zusätzlich zum Telefon dabei, kann man diesen mit der Urlaubs-SIM zum Surfen nutzen und bleibt auf dem Handy unter gewohnter Nummer erreichbar. Setzt man die SIM-Karte in ein UMTS-WLAN-Modem ein, können auch mehrere Personen darüber per WLAN aufs Internet zugreifen.

Datenmenge im Blick

Viele Smartphones bieten die Möglichkeit, die Menge übertragener Daten ab einem frei zu wählenden Zeitpunkt - zum Beispiel dem Urlaubsbeginn - zu überwachen. Meist finden Sie die entsprechende Option in den Einstellungen. Fragen Sie zur Not beim Hersteller nach.

Hotel-WLAN nutzen - aber mit Vorsicht

Viele Hotels bieten für ihre Gäste mittlerweile kostenlosen WLAN-Zugang an, den man problemlos mit Smartphone, Tablet oder Notebook nutzen kann. Dies empfiehlt sich vor allem bei der Nutzung datenintensiver Dienste wie Downloads oder von Kartendiensten, aber auch zur Aktualisierung von Apps. Doch Vorsicht: Tätigen Sie niemals Online-Überweisungen oder Kreditkartenzahlungen und vermeiden Sie wenn möglich generell die Eingabe von Passwörtern. Denn zum Beispiel mit sogenannter Sniffer-Software können Kriminelle Ihren Datenverkehr an solchen öffentlichen Hotspots relativ einfach mitschneiden und mit erbeuteten Zugangsdaten Schindluder treiben.

Ihre E-Mails rufen Sie also am besten über die mobile Netzverbindung Ihres Smartphones oder Tabet-PCs ab, denn die ist besser vor Hackerangriffen geschützt als jedes öffentliche WLAN. Ob Sie auch einen 5 MB großen Video-Anhang - für rund 1,20 Euro - mit downloaden, können Sie dann selbst entscheiden.

Roaminggebühren sollen ganz wegfallen

Mittelfristig sollen die Roaminggebühren innerhalb der EU ganz wegfallen. Einen genauen Zeitpunkt dafür gibt es noch nicht, von der EU-Kommission anvisiert ist aber Ende 2015. So könnte die Handynutzung also ab 2016 im EU-Ausland grundsätzlich nicht mehr teurer sein als in Deutschland.


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