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Komfort und Datenschutz So gehen Sie im Netz bewusst mit Daten um

Soziale Netzwerke, Medien, Shops: Internet-Dienste sammeln immer mehr persönliche Daten. Das nützt nicht nur den Unternehmen, es bringt auch Komfort für die Nutzer. Welche Daten man wo abliefert, kann man aber zumindest steuern.

Von: Florian Regensburger

Stand: 16.02.2016

Frau mit Laptop auf einer Couch (Symbolbild) | Bild: picture-alliance/dpa

Facebook will wissen, was uns gefällt. Google interessiert sich bei Suchanfragen für unseren Standort. Und Apps wollen am liebsten unser Adressbuch und unsere Nachrichten lesen. Vor allem Letzteres ist mit Vorsicht zu genießen. Doch viele Datenabfragen von Internetdiensten sind auch unbedenklich und ermöglichen erst so manchen Komfort - zum Beispiel Empfehlungen von Presse-Artikeln, Videos oder Produkten, die uns interessieren oder Suchergebnisse zu Geschäften und Restaurants in unserer Nähe.

Kostenlos, aber nicht umsonst

Viele Internet-Angebote wie das soziale Netzwerk Facebook kosten kein Geld. Stattdessen nehmen sie persönliche Daten der Nutzer.

Die meisten dieser Dienste von Suchmaschinen, sozialen Medien und auch journalistischen Medien sind kostenlos. Oder besser gesagt: Sie kosten kein Geld. Da die Angebote trotzdem finanziert werden müssen, machen die Unternehmen Nutzerdaten zu Geld. Den Hauptteil ihrer Einnahmen erzielen Google, Facebook und Twitter, aber auch kostenlose journalistische Angebote, dabei mit Werbung. Die Anzeigen oder "Ads" sind dabei häufig auf persönliche Interessen der Nutzer zugeschnitten.

Die Nutzerdaten sind für die Unternehmen außerdem wichtig, um ihre Angebote weiterzuentwickeln und an die Interessen und Vorlieben der Nutzer anzupassen - gegebenenfalls auch individualisiert: News oder Videos zu Themengebieten, die einen Nutzer in der Vergangenheit interessiert haben, werden ihm aufgrund der über ihn vorliegenden Daten empfohlen.

Eine Webseite ist viele Webseiten

Social Plugins - hier am Beispiel einer Webseite von focus.de - bieten Surf-Komfort und sammeln Nutzerdaten.

Die Erhebung der Daten erfolgt auf verschiedenen Wegen. So installieren Websites über den Internet-Browser Cookies auf dem Smartphone, Tablet oder PC des Nutzers. Diese kleinen Dateien sammeln Informationen über unser Surfverhalten im Netz und können von ihrem Urheber ausgelesen werden. Da die Zeiten des Familien-PCs lange vorbei sind, lässt sich ein Gerät in den allermeisten Fällen auch einer bestimmten Person zuordnen.

Dabei muss man wissen, dass längst nicht nur die eine Webseite, die man jeweils aufgerufen hat, Cookies installiert. Auf vielen Medien-, Blog-, Shopping- und sonstigen Webseiten finden sich heute zahlreiche Elemente, die von anderen Websites beziehungsweise Webservern bereitgestellt und in Fenstern angezeigt werden: etwa Werbeanzeigen und sogenannte Social Plugins. Prinzipiell sind dies kleine Webseiten innerhalb der Webseite, die man im Browser aufgerufen hat. Ähnlich verhält es sich etwa mit Werbe-Fenstern, die in Apps auf dem Smartphone oder Tablet angezeigt werden.

Soziale Netzwerke und Werbenetzwerke als Datensammmler

Ausschnitt aus dem Cookie-Verzeichnis eines Web-Browsers: Viele verschiedene Werbenetzwerke haben Cookies abgelegt.

Die bekanntesten Social Plugins sind die verschiedenen "Gefällt mir"- und "Teilen"-Buttons von sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Google+. Diese sogenannten Widgets erlauben uns, Artikel, Videos oder Bilder mit nur einem Klick in einem sozialen Netzwerk zu teilen. Großformatigere Social Plugins lassen uns die Artikel oder Videos direkt kommentieren und die Kommentare anderer Nutzer lesen. Gleichzeitig können diese Elemente aber auch Cookies auf dem jeweiligen PC, Tablet oder Smartphone installieren und zum Beispiel über die IP-Adresse seinen ungefähren geografischen Standort ermitteln.

Ähnlich verhält es sich mit den Werbeanzeigen: Wer das Cookie-Verzeichnis in seinem Browser nach dem Wort "Ad" durchsucht, wird erstaunt sein, wie viele Cookies von verschiedensten Werbenetzwerken sich dort finden. Werbenetzwerke sind Vermarkter, die Online-Werbung - häufig auf der Grundlage von personen- oder zielgruppenbezogenen Daten - dynamisch auf den Webseiten ihrer Vertragspartner auf ihnen dort zur Verfügung stehenden Flächen anzeigen. Etwa mit den Anzeigen aus Googles Werbenetzwerk AdWords funktioniert das so, dass beispielsweise auf einer journalistischen Webseite passend zu den Interessen des Nutzers ein Produkt beworben wird. Ausschlaggebend sind dabei nicht die Daten, die der Betreiber der journalistischen Webseite über den Nutzer hat, sondern der Datenbestand von Google - in den zum Beispiel auch Anfragen aus der Google-Suche mit einfließen.

Webseiten, die Social Plugins einsetzen, haben meist gleich mehrere soziale Plattformen integriert. Wenn dazu noch mehrere Werbenetzwerke eingebunden sind, kann es durchaus vorkommen, dass von einer einzigen Webseite auf einmal eine zweistellige Anzahl Cookies auf dem Gerät eines Nutzers gespeichert wird.

Einstellungen für einen bewussten Umgang mit persönlichen Daten

Wer personalisierte Empfehlungen als Fremdbestimmung oder als lästige Werbung und die zugrundeliegende Datensammlung als Verletzung seiner Privatsphäre ansieht, kann den Fluss seiner persönlichen Daten zu den Anbietern von Internetdiensten immerhin steuern. Das geht zwar nicht zu 100 Prozent, doch ein paar Kniffe in den Browser- und Betriebssystemeinstellungen machen einen bewussteren Umgang mit Informationen möglich. Einige Praxistipps hierzu finden Sie in der Bildergalerie oben auf dieser Seite.


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