Ratgeber - Netzwelt


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CeBIT Preview 2016 Die Dinge werden immer schlauer

Das Internet der Dinge, englisch Internet of Things, abgekürzt IoT ist ein neuer Schritt in der digitalen Revolution. Es wird unser aller Leben stark beeinflussen und verändern. Das ist eine der Thesen auf der CeBIT-Preview in München, die wenige Wochen vor der Messe in Hannover Neuheiten und Trends vorstellt.

Von: Wolfgang Zehentmeier

Stand: 21.01.2016

Eröffnung der CeBIT Preview 2016 | Bild: BR / Wolfgang Zehentmeier

Das Besondere am Internet der Dinge ist, dass nicht mehr nur Menschen über das Internet miteinander kommunizieren, sondern die Dinge selbst. So ist das IoT zum Beispiel eine Voraussetzung dafür, dass sich Autos künftig autonom – also fahrerlos – bewegen. Der Kontakt und die Kommunikation mit den anderen Fahrzeugen soll Kollisionen ausschließen oder Gefahren, an denen ein vorausfahrendes Auto vorbeifährt, an die nachfolgenden Autos weitermelden. Der Mensch kontrolliert am Ende nur noch, ob das Auto auch wirklich alles richtig macht.

Der lernende Computer

Symbol des cognitiven Computerprogramms Watson

Doch nicht nur die Dinge, auch der Computer selbst steht vor einer gravierenden Weiterentwicklung. Denn aus der tumben Rechenkiste soll der selbst denkende, lernende, vorausschauend planende Computer werden. CC nennt IBM diese Technologie, eine Abkürzung für "Cognitive Computing".

Das Programm Watson von IBM schafft es, dass Computer nicht nur in Echtzeit und sinnvoll mit Menschen und anderen Computern sprechen, sondern auch eigene Schlüsse ziehen und aufgrund dieser Hypothesen und gespeicherten Vorerfahrungen eigene Vorschläge machen und Entscheidungen treffen.

"Die Assistenten Siri, Cortana oder Google Talk sind sehr gut gemachte, aber nach Regeln programmierte Programme. Watson hat auch Grundregeln, lernt aber durch die Interaktion mit dem Menschen immer weiter dazu."

Stefan Riedel von IBM

Watson, so Stefan Riedel von IBM, kombiniert die Stärken von Computer und Mensch: Ein Big Data-Bestand, den ein Computer wesentlich besser verwalten kann, wird mit menschlicher Intuition zusammengebracht.

So kann Watson beispielsweise Millionen von Textdokumenten in Sekunden lesen und – das ist das Neue im Vergleich zum reinen Rechenknecht – auch verstehen und anschließend bewerten. Watson präsentiert Lösungsvorschläge und anhand der Zielvorgaben und Antworten, die er vom Menschen zurückbekommt, optimiert er das Ergebnis immer mehr. So kommen Antworten selbst auf komplizierte Fragen überhaupt erst oder mindestens schneller zustande.

Wachstumssegment "Cognitive Computing"

Der Branchenverband BITKOM rechnet damit, dass CC eine der Wachstumssegmente in der Computerbranche wird. Noch bewegen sich die Umsätze in diesem Segment bei einer Milliarde Euro, aber bereits 2020 sollen rund 13 Milliarden Euro mit CC umgesetzt werden. Von der Versicherungsbranche über die Medizin bis hin zur Ermittlung von Verbrechern ist Watson bereits im Einsatz.

Datenkompass ermittelt den Europameister

Alexander Thamm

Ebenfalls eine Big-Data-Analyse ist Grundlage für die erste Data-Sience-Beratung in Deutschland. Alexander Thamm hat sein Start-up 2012 in München gegründet. Der von ihm entwickelte Datenkompass liefert seinen Kunden durch Problemanalyse, die exakte Definition von Fragen, die Bestandaufnahme vorhandener Daten und die anschließende Datenanalyse Vorhersagen zum Beispiel über das Kaufverhalten von Kunden. Aber auch der kommende Fußball-Europameister kann so mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit errechnet werden.

Cloud ja, aber daheim

Mehrere Varianten der My-Clou-Geräte von Western Digital

Daten immer und überall verfügbar zu haben ist der Sinn und Zweck von Cloud-Computing. Doch eine Umfrage zeigt: Gerade in Deutschland fühlen sich viele Nutzer unbehaglich, weil ihre Daten in der Cloud nicht mehr Zuhause, sondern auf irgendeinem Server in den Weiten des WWW liegen. Diesem Unbehagen trägt der Festplattenhersteller Western Digital jetzt mit My Cloud Rechnung und bringt Speichergeräte für Zuhause auf den Markt, die aber über WLAN oder Internet die Daten ständig bereithalten.

Nach Hause teleportieren

Umfangreiche Sicherheitsprotokolle sollen eine sichere Direktverbindung zum Beispiel zwischen dem Smartphone des Nutzers und seiner Cloud zuhause herstellen. Innerhalb der Wohnung oder des Hauses werden Daten per WLAN übertragen und können auch automatisch abgeglichen werden. Möglicher Nachteil: Der Nutzer muss sich selbst um die Speichersicherheit seiner Daten kümmern.

"Elementare" Sicherheit

Elemente des Smart-Home-Programms "Gigaset Elements"

Der deutsche Telefonhersteller Gigaset steigt in den Smart-Home-Markt ein. Mit Gigaset Elements soll die eigene Wohnung für einen vergleichsweise günstigen Preis sicherer werden. Eine Basistation steht dabei in Kontakt mit verschiedenen Elementen, die zum Beispiel eine Bewegung an der Tür erkennen oder ein gekipptes Fenster. Auch eine Kamera oder eine Sirene sollen Einbrecher abschrecken. Über eine steuerbare Steckdose können zusätzlich Lampen ein- und ausgeschaltet werden. Das besondere an der Lösung ist, dass man die Elemente alle einzeln kaufen kann. Dennoch können sie leicht über den Telefonstandart DECT drahtlos mit der Basis-Station verbunden werden.

Intelligente Lagerroboter

Prototyp des Lagerroboters der Firma Magazino

Aus München kommt das Start-up Magazino, das Roboter im Warenlager von Firmen intelligenter machen will. Das 2014 gegründete und ausgezeichnete Start-up, eine Ausgründung der TU München, entwickelt Roboter, die zusammen mit Menschen in einem Lager arbeiten und selbstständig Dinge aus Regelen holen können. Dazu wurde zum einen ein Algorithmus entwickelt, der die Lagerdichte erhöht. Zudem haben die Roboter durch einfache Mittel gelernt, Dinge, zum Beispiel Bücher, aber auch Teddybären zu erkennen und anschließend sicher zu greifen. So werden nicht nur die Dinge im IoT immer intelligenter, sondern auch die Roboter, die sie aus dem Lager holen.


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