Kultur


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Amanda Sthers neuer Film "Madame" Rossy de Palma brilliert als Dienstmädchen

Pedro Almodóvar hat sie entdeckt, nun bekommt sie endlich ihre erste Hauptrolle: Rossy de Palma. Als Dienstmädchen, das eine Dame geben soll, lässt sie in Amanda Sthers Filmkomödie Toni Collette und Harvey Keitel blass aussehen.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 29.11.2017

Feiern wir Rossy de Palma: Endlich ist sie in einer Hauptrolle zu sehen! Einen ganzen Film lang! Rossy de Palma, die Muse des spanischen Starregisseurs Pedro Almodóvar, ist eine Stilikone – vermutlich, weil sie ihre schiefe Nase und eine keineswegs makellose Zahnreihe mit so viel Esprit und Eleganz präsentiert, dass man kaum anders kann, als sie dauernd anzuschauen. Zumindest ergeht es dem britischen Kunsthändler David in der französischen Komödie "Madame" so. Er verliebt sich in de Palma bzw. in die von ihr gespielte Hausangestellte Maria.

Rossy de Palma spielt die spanische Haushälterin eines reichen amerikanischen Paares, das in der Nähe von Paris ein nobles Anwesen unterhält. Toni Colette und Harvey Keitel geben die beiden Eheleute Anne und Bob. Gelegentliche Dinner-Partys gehören zum guten Ton des sozialen Austauschs mit anderen Gutbetuchten. Als eines Abends plötzlich ein 13. Gedeck auf dem Tisch steht, weil sich der Sohn des Hausherren überraschend selbst eingeladen hat, bittet die abergläubische Gastgeberin ihre Dienstmagd, in die Rolle des 14. Gastes zu schlüpfen, einer mysteriösen Spanierin, deren Herkunft am besten geheim bleibt. Maria, so wird ihr eingeschärft, soll den Mund halten, ein nettes Gesicht aufsetzen und vor allem – bitte, bitte! – nichts trinken. Doch dann leert sie ihr Rotweinglas vor lauter Aufregung besonders schnell, und bald unterhält sie die ganze Tisch-Gesellschaft mit schlüpfrigen Witzen.

Aschenputtel-Stoff ohne Happy End

Man sieht: Rossy de Palma findet als Maria größten Spaß an ihrer Rolle – und ist zunehmend beseelt von der sozialen Utopie, dass es doch möglich sein muss, alle Klassenschranken zu überwinden. Sie verliebt sich in den superreichen David (Michael Smiley) – und er in sie. Die französische Bestsellerautorin Amanda Stehrs variiert in ihrer zweiten Regiearbeit das Märchen von Aschenputtel mit bitterer Ironie, und lässt keinen Zweifel daran, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Filmszene aus "Madame"

So geht die Schere zwischen Arm und Reich verhängnisvoll weit auf. Der soziale Aufstieg wird verhindert, der Lift nach oben bleibt stecken. "Madame" hätte dabei noch mehr Fallhöhe entwickeln können, bisweilen ist die Kamera zu sehr in die luxuriösen Oberflächen verliebt, wirkt die Machart zu glatt.

Eine Rolle, wie gemacht für Rossy de Palma

Aber Rossy de Palma erdet das wieder, in ihrem Spiel mischen sich Demut und Rebellion auf eine ganz eigenwillige Art und Weise. Toni Collette und Harvey Keitel bleiben blass neben ihr. Der Spanierin sieht und hört man einfach gerne zu – am besten in der englischen Originalfassung, de Palma spricht in "Madame" nämlich ein wunderbar schräges Englisch. Sie ist prinzipiell gegen die Synchronisation von Filmen, sagt sie im Interview, weil die Stimme doch zum Körper gehöre: Für ihre Art des Schauspiels mache die Sprache 75% aus, das Bild sei für sie nicht so wichtig.

Rossy de Palma, die gerne dadaistische Gedichte rezitiert und den Surrealismus immer wieder als ihre liebste Kunstrichtung bezeichnet, lässt sich auch mal mit Schuhen auf dem Kopf fotografieren oder modelt für ihren Freund, den Modedesigner Jean Paul Gaultier. Aus Maria, dem Hausmädchen, macht sie in ihrer ersten Kino-Hauptrolle eine Frau, die bisweilen etwas verunsichert wirkt, dann aber sehr selbstbewusst ihren eigenen Weg findet. So wie de Palma selbst auch, seitdem sie vor 30 Jahren in Almodóvars Film "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" das erste Mal aufgefallen ist.


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