Kultur

Oscar-Preisträgerin, Hanoi-Jane und Aerobic-Queen US-Schauspielerin Jane Fonda wird 80

Sexsymbol, Charakterdarstellerin, Aerobic-Queen, Oscar-Preisträgerin (1972 "Klute" und 1979 "Coming Home") und engagierte Vietnam-Demonstrantin: Mit fast 80 ließ sie sich noch in ein schwarz-rotes Abendkleid einnähen und sah grandios aus!

Von: Kirsten Martins

Stand: 21.12.2017

"Alter ist eine Frage der Haltung, und wenn man Leidenschaft für etwas hat, dann bleibt man jung und vital," sagt Jane Fonda, die heute 80 wird. Aufrecht, klein und gewappnet gegen alle mediale Neugierde, strahlte Jane Fonda im hellen Kleid bei den Filmfestspielen von Cannes 2015. Haltung und Leidenschaft hat diese kämpferische Frau in ihren vielen unterschiedlichen Leben immer gezeigt. "Warum filmst Du Dich nicht als ein Chamäleon", wurde sie von ihrer Tochter Vanessa gefragt, als Jane Fonda ein eigenes Video zu ihrem 60.Geburtstag drehen wollte.

Laszive Kindsfrau in "Barbarella"

In den 60er-Jahren war sie eine laszive Kindsfrau. Im frivol-poppigen Science-fiction-märchen „Barbarella“ strampelte sie sich, schwerelos schwebend, in einem Striptease aus ihrem silbernen Raumanzug. Beschoss rotblondgelockt aus den Armen eines fliegenden, blinden Engels galaktische Bösewichte und brachte die Drähte einer tödlichen Lustorgel, des Orgasmatrons, zum Schmoren – und unterspielte alle Albernheiten mit selbstironischer Grandezza.

"Stellt Fragen, seid interessiert, das ist wichtiger, als interessant sein zu wollen," sagte sie, als sie 2014 vom American Film Institute den Lifelong Achievement-Award erhielt. Mit noch unbekannten Regisseuren arbeitete sie schon als junge Schauspielerin. Drehte 1970 mit Alan Pakula den Thriller "Klute". Für ihre Darstellung eines New Yorker Callgirls, das in einen Mordfall gerät, bekam sie 1972 ihren ersten Oscar. Minutenlang zeigt die Kamera ihr Gesicht, als sie einer Tonbandaufzeichnung von der Ermordung einer Kollegin zuhören muss.

"Hanoi-Jane" und Aerobic-Queen

In den 70er-Jahren wurde Jane Fonda zu Hanoi-Jane, sie demonstrierte gegen den Vietnamkrieg. Nachdem sie auf einer nordvietnamesischen Kanone rittlings sitzend fotografiert worden war, durften sie Hollywoodregisseure nicht mehr engagieren. Dennoch bekam die kontroverse Actrice 1979 ihren zweiten Oscar für die unvergessliche Darstellung einer Ehefrau, die sich in dem Drama "Coming Home" in einen kriegsversehrten Vietnamveteranen verliebt.

Und dann war die Schauspielerin, die inzwischen auch Filme produzierte, in den 80er-Jahren plötzlich wieder eine ganz andere: mit Frotteestirnband und in rosa gestreiftem Body brachte sie als Aerobic-Vorturnerin weltweit den Fitnesswahn ins Rollen. Erst 2005 erzählte sie in ihrer Autobiografie "My Life so far", dass sie damals, trotz allen Ruhms, noch immer an einer Essstörung litt - und an den Folgen einer traumatischen Kindheit bei ihrem kalten herrischen Vater, dem Hollywoodstar Henry Fonda. Als 12jährige hatte Jane Fonda aus der Zeitung erfahren, daß sich ihre bipolare Mutter, die Schauspielerin Frances Ford Seymour, die Kehle durchschnitten hatte. Für den Vater produzierte sie 1981 den Schmachtfetzen "On golden pond", in dem sie neben ihm auch eine Rolle spielte. Ihre Kollegen schätzten sie als großzügig, solidarisch und präsent. Doch der Vater kritisierte sie immer noch. Disziplin, Haltung und schauspielerische Leidenschaft retteten Jane Fonda auch bei diesen emotional anstrengenden Dreharbeiten. 1991 zog sie sich mit ihrem dritten Ehemann, dem Medienmogul Ted Turner, vom Filmbusiness zurück. Mit ihm züchtete sie in Georgia Bisons, spielte die Hausfrau mit Grillbesteck und Schürze und gründete eine Stiftung zur Bekämpfung von Teenagerschwangerschaften.

Eingenäht in ein schwarzrotes Abendkleid

"Ich sage was ich will, vielleicht nicht mehr so scharf wie während des Vietnamkriegs, aber ich sage, was ich meine. Und ich finde alles, was die augenblicklichen US-Regierung tut, erschreckend." Eine Qualität, die Jane Fonda bei all ihren Metamorphosen erhalten hat: bis heute spricht sie ohne Scheu aus, was sie denkt und fühlt. 2005 schrieb sie sich in ihrer Autobiografie alles von der Seele, nicht nur die Affären ihrer drei Ehemänner. Und spielt seitdem wieder mit ihrer beeindruckender Energie und Präsenz  die unterschiedlichsten Rollen:  schrullige, lesbische, zickige, verliebte Frauen. Freimütig redet sie über Sex und ihre Schönheits-ops,ließ sich als fast 80jährige noch in ein hautenges, schwarzrotes Abendkleid einnähen und sah grandios aus! Was für eine Frau!