Paul Maar "Maar" muss von "Märchen" kommen
Für viele Erwachsene gehören die Geschichten von Paul Maar zu ihrer Kindheit wie Sahne zum Erdbeerkuchen. Viele haben mit Lippel geträumt, auf das Sams gewartet und im Gras Opodeldoks gesucht.
Dafür, dass Paul Maar statt der geplanten drei schon sieben Sams-Bücher geschrieben hat, kann es eigentlich nur eine Erklärung geben: Irgendein Kind da draußen hat ein Sams. Und jedes Mal, wenn Maar wieder steif und fest behauptet, nun aber wirklich kein Sams-Buch mehr zu schreiben, wünscht sich das Kind eine neue Geschichte. Wie jeder Sams-Leser weiß, geht das so lange, bis das Sams keine blauen Wunschpunkte mehr im Gesicht hat.
Werte vermitteln ohne erhobenen Zeigefinger
Aber vielleicht ist das Sams auch deshalb so beliebt, weil es nicht nur Wünsche erfüllen kann, sondern selber ein Wunschwesen ist, dessen konsequent gelebter Eigensinn vielen imponiert. Als freies Radikal muss sich das Sams an keine Regeln halten, denn es ist kein Mitglied der Gesellschaft, wenn auch ein Teil der Familie Taschenbier. Es spricht alles, was es denkt, laut aus. Gereimt, laut und gnadenlos logisch. Gnadenlos deshalb, weil das Sams nicht anders kann, als alles wortwörtlich zu nehmen. Dadurch zwingt es die Figuren, die sich gerne gedankenlos irgendwelcher Redensarten oder Floskeln bedienen, zu sprachlicher Aufmerksamkeit und größerer Genauigkeit.
Ebendiese sprachlichen Mittel sind es, die das Lesevergnügen steigern. Für Kinder, hat Maar einmal gesagt, schreibt er so, wie er normalerweise sprechen würde. Er verwendet so häufig es geht wörtliche Rede, baut lustige Lieder und Gedichte in die Texte ein und erreicht dadurch, dass die Kinder sich ganze Passagen einprägen und auswendig hersagen können. Und seine starken identitätsstiftenden Hauptfiguren vermitteln mit Sprachwitz und Lebensfreude Werte wie Freundschaft und Mut, ohne dazu den Zeigefinger heben zu müssen.
Tun, was man am besten kann
Das Sams hat den Kinderbuchautor in den 70er-Jahren so berühmt gemacht, dass Maar für die meisten und für alle Zeiten "der mit dem Sams" bleiben wird, obwohl sein Figurenkosmos weit mehr zu bieten hat als rothaarige blaugepunktete Wesen. Wäre es nach Maar gegangen, hätte er nach seinem ersten Kinderbuch "Der tätowierte Hund" nur noch Literatur für Erwachsene geschrieben. Aber der Verleger wollte es anders, und schließlich fand Maar selbst, dass Bücher für Kinder und Jugendliche zu schreiben, das ist, was er richtig gut kann. Maar, der in Schweinfurt geboren und aufgewachsen ist und jetzt mit seiner Frau in Bamberg lebt, hat inzwischen zwei Enkelkinder, schreibt und illustriert weiter - in Zukunft ohne den kleinen frechen Anarchisten, wie er sagt. Aber wer weiß, ob er da nicht die Rechnung ohne sein Sams gemacht hat.
Biografische Daten und Werke in Auswahl
1937 Paul Maar wird am 13. Dezember in Schweinfurt geboren
Kunststudium in Stuttgart
Arbeit als Kunsterzieher
1968 "Der tätowierte Hund"
1973 "Eine Woche voller Samstage"
seit 1976 freier Autor und Illustrator
1980 "Am Samstag kam das Sams zurück"
1984 "Lippels Traum"
1990 "Kartoffelkäferzeiten"
1992 "Neue Punkte für das Sams"
1996 "Ein Sams für Martin Taschenbier"
2002 "Sams in Gefahr"
2005 "Herr Bello und das blaue Wunder"
2006 "Neues von Herrn Bello"
2008 "Wiedersehen mit Herrn Bello"
2009 "Jaguar und Neinguar", Gedichte für Kinder
2009 "Onkel Alwin und das Sams"
2011 "Sams im Glück"
Paul Maar ist dreifacher Vater und zweifacher Großvater und lebt mit seiner Frau Nele in Bamberg

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