Kultur - Literatur


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Erika Mann Kabarett im Exil

1933 emigriert Erika Mann in die Schweiz. Dort führt sie ihr Anti-Nazi-Kabarett "Die Pfeffermühle" fort - eine Arbeit, die sie später rückblickend als wichtigste Tätigkeit ihres Lebens bezeichnet.

Stand: 02.11.2011 | Archiv

Erika Mann 1955

Nach der Weltreise gab Erika Mann das extravagant-abenteuerliche Leben auf. Hitlers Machtübernahme 1933 politisierte ihr Denken zunehmend. Schon 1932 hatte sie nach der Teilnahme an einer Friedensveranstaltung Berufsverbot erhalten. Sie erkannte nun auch die Gefahr, in der ihr Vater - von den Nazis als "Geistesjude" bezeichnet - schwebte. Zusammen mit Klaus veranlasste sie Thomas Mann, der sich mit Katia im März 1933 auf einer Vortragsreise im Ausland befand, nicht nach Deutschland zurückzukehren, sondern in der Schweiz zu bleiben.

Mit der "Pfeffermühle" gegen Hitler

Therese Giehse

Als Jüdin emigrierte Therese Giehse zusammen mit Erika Mann im März 1933 aus München in die Schweiz. In der 70er-Jahren setzte sie sich als Oma Häusler in den "Münchner Geschichten" ihr eigenes Denkmal.

Erika Mann zog ebenfalls noch im März in das unfreiwillige Schweizer Exil der Eltern um, nach Küsnacht bei Zürich. Dort führte sie ihr politisch-literarisches Kabarett "Die Pfeffermühle" fort, das sie zusammen mit der Schauspielerin Therese Giehse 1932 in München ausgearbeitet hatte.

Erika Mann auf der "Pfeffermühlen"-Bühne

Von 1933 bis 1937 gab das Kabarett mehr als 1.000 Vorstellungen in sieben Ländern. Wegen des Anti-Nazi-Programms der "Pfeffermühle" wurde Erika Mann 1935 aus Deutschland ausgebürgert. 1936 heiratete sie den englischen Lyriker Wystan H. Auden, um die britische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Klaus Mann beschrieb "Die Pfeffermühle" als das "erfolgreichste und wirkungsvollste theatralische Unternehmen der Emigration". Rückblickend bezeichnete Erika Mann "Die Pfeffermühle" als die wichtigste Tätigkeit ihres Lebens.

Politische "Nachhilfe" für den Vater

Thomas und Erika Mann

1936 kam es zu einem schweren Konflikt zwischen Thomas Mann und seiner Lieblingstocher. Erika Mann warf dem politisch einst stramm konservativen Schriftsteller, der sich während der Weimarer Republik zu einer demokratischen Haltung durchgerungen hatte, vor, in der Öffentlichkeit nicht entschieden genug Abstand von den Nazis genommen zu haben. Per Briefwechsel startete sie einen regelrechten Frontalangriff auf ihren Vater.

Sie kritisierte, dass er sich von der "Sammlung", der Exil-Zeitschrift Klaus Manns, distanziert habe und forderte ihn auf, seine Bücher nicht mehr in Deutschland, sondern von einem holländischen Exil-Verlag herausgeben zu lassen. Generell solle er als Repräsentant eines anderen Deutschlands auftreten. Kurz darauf erteilte Thomas Mann in einem offenen Brief dem nationalsozialistischen Deutschland eine unmissverständliche Absage. Der Familienfriede war wieder hergestellt.


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