"Ich bin mit der Blonden zusammen."
Politisch inkorrekt? Mort Gerbergs Burka-Cartoon
Fiese Karikaturen Zu böse für den New Yorker
Was der New Yorker nicht druckt , wird im Amerika Haus München erst recht gezeigt. Bis 27. Juli sind dort Cartoons aus der "Rejection Collection" zu sehen - Bilder, die das Magazin abwies. Eine Kostprobe der Tabubrüche.
Zu zynisch, zu viel Sex, zu viel Religionskritik! So urteilte das Magazin New Yorker und lehnte die Cartoons ab. Hunderte von Zeichnungen sichtet der zuständige Redakteur Robert Mankoff jede Woche. Ins Heft schaffen es davon lediglich 15 bis 20. Matthew Diffee ist einer der Stammzeichner. Über hundert seiner Cartoons hat der New Yorker in den vergangenen zwölf Jahren bereits gedruckt. Zahlreiche andere wanderten dennoch in die Schublade - oft ohne Erklärung.
Diffee wollte nicht länger für die Schublade zeichnen
Das ließ sich Diffee, der eigentlich Missionar werden wollte, nicht länger gefallen. 2006 erschien der erste Band der "Rejection Collection" - ein Buch mit Cartoons unterschiedlicher Zeichner, die der New Yorker nicht drucken wollte. Mittlerweile gibt es einen Nachfolgeband, beide Bände sind auch auf Deutsch erschienen. Und Diffee hat seine Mission gefunden: Er bringt die Schätze aus der Schublade in die Öffentlichkeit. Ein paar Erklärungen für nicht gedruckte Cartoons hat er sich mittlerweile auch zusammengereimt. In der Schau präsentiert er sie hübsch aufgereiht in einer Vitrine, freilich nicht ohne ein ironisches Augenzwinkern.
Zehn Gründe für abgelehnte Cartoons
1
Grund 1: zu niveaulos
"Sie schrecken vor allem in dieser Art zurück", schreibt Matthew Diffee. "Furzwitze, sturzbachartiges Erbrechen" oder was "in oder aus Nasen kommt" haben es schwer, gedruckt zu werden
2
Grund 2: politisch unkorrekt
Der New Yorker ist Diffee zufolge sehr auf "political correctness" bedacht. Witze mit oder über amerikanische Ureinwohner, Afroamerikaner oder Homosexuelle kommen nicht ins Blatt.
3
Grund 3: zu düster
"Kommt rein, die Kinder sind im Garten und holen sich eine Bindehautentzündung" steht unter dieser nicht gedruckten Zeichnung. Cartoons, die sich mit dem Tod, Verstümmelung von Tieren oder Kindern oder Drogenmissbrauch beschäftigen - ein No-Go für das Magazin, vermutet Diffee. Vom Zeichnen hält ihn das aber trotzdem nicht ab.
4
Grund 4: zu seltsam
Unter den siamesischen Zwillinge steht: "Die Kinder in der Schule nennen uns Achtauge". Matthew Diffee erklärt die Ablehnung seiner Zeichnung so: "Ich hab ja gesagt, es ist seltsam."
5
Grund 5: zu politisch
Aus diesem Grund wurde keiner von Diffees Cartoons abgelehnt. Er kennt aber einige Kollegen, die großartige politische Cartoons machen würden und trotzdem nicht gedruckt wurden. Er selbst habe nur einmal CNN geschaut. Jedoch lediglich deshalb, weil er nicht an die Fernbedienung gekommen sei, ohne seinen Katheter zu entfernen, erklärt er nicht ohne Augenzwinkern.
6
Grund 6: zu wenig verständlich
Zwei Enten starren auf ein Nike-Zeichen am Himmel. Darunter steht: "Sie haben uns verkauft." Matthew Diffee meint dazu: "Ja, es ist ein Nike-Zeichen ... und nein, da ist sonst nichts." Allein deshalb findet er den Cartoon schon komisch.
7
Grund 7: zu dumm
Einer seiner Favoriten - "the horse drawn carriage" wurde mit dieser Begründung abgelehnt.
8
Grund 8: zu schlecht
"Das ist von meinem Schweizer Konto" ist unter dem Cartoon zu lesen. Der Zeichner Diffee meint dazu: "Ich hoffe, mir wird angerechnet, dass ich die Courage habe, schlechte Arbeiten zu veröffentlichen. Nicht viele Menschen haben diesen Mut."
9
Grund 9: zu schmutzig
"Du sagst Sex-Perversling, ich sage Pferdeliebhaber" ist unter dem Cartoon zu lesen. Matthew Diffee sagt dazu: "Der New Yorker bringt eine Menge sexbezogene Cartoons, aber es gibt da einige Dinge, die das Magazin einfach nicht anfassen würde ... Ich vermute, es gibt gute Gründe dafür, dass Sie niemals 'Das New Yorker Buch der Vergewaltigungscartoons' gesehen haben."
10
Grund 10: alles zusammen
Der Mann am Stand verkauft Genitalienballons. Unter den Cartoon hat Matthew Diffee ein kleines "Sorry, Mama" hinzugefügt.
Die Ausstellung im Amerika Haus München
Die Ausstellung "The Rejection Collection. Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte" bedient sich aus den beiden gleichnamigen Bänden. In Deutschland sind sie im Liebeskind-Verlag erschienen. Erstmals war die Ausstellung im März 2012 bei der Caricatura in Kassel zu sehen. München ist die zweite Station. Ende des Jahres soll sie in Berlin gezeigt werden. Insgesamt gibt es Werke von 39 Cartoonisten des New Yorker zu sehen.

Wetter

