Kultur - Kunst

Fiese Karikaturen Zu böse für den New Yorker

Was der New Yorker nicht druckt , wird im Amerika Haus München erst recht gezeigt. Bis 27. Juli sind dort Cartoons aus der "Rejection Collection" zu sehen - Bilder, die das Magazin abwies. Eine Kostprobe der Tabubrüche.

Stand: 14.06.2012

Zu zynisch, zu viel Sex, zu viel Religionskritik! So urteilte das Magazin New Yorker und lehnte die Cartoons ab. Hunderte von Zeichnungen sichtet der zuständige Redakteur Robert Mankoff jede Woche. Ins Heft schaffen es davon lediglich 15 bis 20. Matthew Diffee ist einer der Stammzeichner. Über hundert seiner Cartoons hat der New Yorker in den vergangenen zwölf Jahren bereits gedruckt. Zahlreiche andere wanderten dennoch in die Schublade - oft ohne Erklärung.

Diffee wollte nicht länger für die Schublade zeichnen

Der Cartoonist Matthew Diffee

Das ließ sich Diffee, der eigentlich Missionar werden wollte, nicht länger gefallen. 2006 erschien der erste Band der "Rejection Collection" - ein Buch mit Cartoons unterschiedlicher Zeichner, die der New Yorker nicht drucken wollte. Mittlerweile gibt es einen Nachfolgeband, beide Bände sind auch auf Deutsch erschienen. Und Diffee hat seine Mission gefunden: Er bringt die Schätze aus der Schublade in die Öffentlichkeit. Ein paar Erklärungen für nicht gedruckte Cartoons hat er sich mittlerweile auch zusammengereimt. In der Schau präsentiert er sie hübsch aufgereiht in einer Vitrine, freilich nicht ohne ein ironisches Augenzwinkern.

Zehn Gründe für abgelehnte Cartoons

1

Elefant hinter Gittern, hinter einem Schild: "Bitte die Tiere nicht mit Chili füttern" | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 1: zu niveaulos

"Sie schrecken vor allem in dieser Art zurück", schreibt Matthew Diffee. "Furzwitze, sturzbachartiges Erbrechen" oder was "in oder aus Nasen kommt" haben es schwer, gedruckt zu werden

2

Indianer mit "Go Indians" auf der Stirn | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 2: politisch unkorrekt

Der New Yorker ist Diffee zufolge sehr auf "political correctness" bedacht. Witze mit oder über amerikanische Ureinwohner, Afroamerikaner oder Homosexuelle kommen nicht ins Blatt.

3

Kind kommt zu Halloween-Party, Mutter macht Tür auf und sagt: "Komm rein, die Kinder sind im Garten und holen sich eine Bindehautentzündung" | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 3: zu düster

"Kommt rein, die Kinder sind im Garten und holen sich eine Bindehautentzündung" steht unter dieser nicht gedruckten Zeichnung. Cartoons, die sich mit dem Tod, Verstümmelung von Tieren oder Kindern oder Drogenmissbrauch beschäftigen - ein No-Go für das Magazin, vermutet Diffee. Vom Zeichnen hält ihn das aber trotzdem nicht ab.

4

Siamesische Zwillinge mit Schulranzen. Darunter steht: In der Schule nennen sie uns Achtauge | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 4: zu seltsam

Unter den siamesischen Zwillinge steht: "Die Kinder in der Schule nennen uns Achtauge". Matthew Diffee erklärt die Ablehnung seiner Zeichnung so: "Ich hab ja gesagt, es ist seltsam."

5

Grund 5: zu politisch

Aus diesem Grund wurde keiner von Diffees Cartoons abgelehnt. Er kennt aber einige Kollegen, die großartige politische Cartoons machen würden und trotzdem nicht gedruckt wurden. Er selbst habe nur einmal CNN geschaut. Jedoch lediglich deshalb, weil er nicht an die Fernbedienung gekommen sei, ohne seinen Katheter zu entfernen, erklärt er nicht ohne Augenzwinkern.

6

Cartoon: Zwei Enten starren auf ein Nike-Zeichen am Himmel, drunter steht "Ausverkauf"  | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 6: zu wenig verständlich

Zwei Enten starren auf ein Nike-Zeichen am Himmel. Darunter steht: "Sie haben uns verkauft." Matthew Diffee meint dazu: "Ja, es ist ein Nike-Zeichen ... und nein, da ist sonst nichts." Allein deshalb findet er den Cartoon schon komisch.

7

Cartoon von Matthew Diffee zeigt eine Karre, darunter steht krakelig "Horse drawn carriage" (Vom Pferd gemalter Wagen) | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 7: zu dumm

Einer seiner Favoriten - "the horse drawn carriage" wurde mit dieser Begründung abgelehnt.

8

Auf dem Cartoon von Matthew Diffee hält ein Mann einem anderen einen löchrigen Geldschein hin mit dem Kommentar: "Das ist von meinem Schweizer Konto" | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 8: zu schlecht

"Das ist von meinem Schweizer Konto" ist unter dem Cartoon zu lesen. Der Zeichner Diffee meint dazu: "Ich hoffe, mir wird angerechnet, dass ich die Courage habe, schlechte Arbeiten zu veröffentlichen. Nicht viele Menschen haben diesen Mut."

9

Paar streitet, er sagt zu ihr: Du sagst Sex-Perversling, ich sage Pferdeliebhaber. | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 9: zu schmutzig

"Du sagst Sex-Perversling, ich sage Pferdeliebhaber" ist unter dem Cartoon zu lesen. Matthew Diffee sagt dazu: "Der New Yorker bringt eine Menge sexbezogene Cartoons, aber es gibt da einige Dinge, die das Magazin einfach nicht anfassen würde ... Ich vermute, es gibt gute Gründe dafür, dass Sie niemals 'Das New Yorker Buch der Vergewaltigungscartoons' gesehen haben."

10

Cartoon von Matthew Diffee auf dem ein Mann "Ballon-Genitalien" verkauft | Bild: Matthew Diffee/ Rejection Collection

Grund 10: alles zusammen

Der Mann am Stand verkauft Genitalienballons. Unter den Cartoon hat Matthew Diffee ein kleines "Sorry, Mama" hinzugefügt.

Die Ausstellung im Amerika Haus München

Die Ausstellung "The Rejection Collection. Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte" bedient sich aus den beiden gleichnamigen Bänden. In Deutschland sind sie im Liebeskind-Verlag erschienen. Erstmals war die Ausstellung im März 2012 bei der Caricatura in Kassel zu sehen. München ist die zweite Station. Ende des Jahres soll sie in Berlin gezeigt werden. Insgesamt gibt es Werke von 39 Cartoonisten des New Yorker zu sehen.


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