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O.R.pheus in München Im Bunker der verbotenen Träume
Wie fühlt es sich an, den Traum von ewiger Schönheit zu realisieren? Das alte Gesicht auszutauschen gegen ein frisches? Und dann beim Einschlafen das Skalpell des Chirurgen kreisen zu spüren ... Ein ungewöhnliches Kunstprojekt im Münchner Untergrund zeigt es.
"Willkommen bei Hermes", sagt die freundliche Dame im Schwesternkostüm. "Entspannen Sie sich. Sie werden jetzt lange schlafen." Der Operationsstuhl ist erstaunlich bequem. Trotzdem will man nicht schlafen und auch nicht in die mit rosa Flüssigkeit gefüllte Badewanne eintauchen, seit man beobachtet hat, wie die Dame prall gefüllte Leichensäcke durch die gekachelten Gänge schleift.
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Die Dame ist plastisch, aber nicht greifbar und noch weniger echt als die Brüste eines Supermodels - ein 3D-Hologramm. Die Gänge sind real: Ein alter Tiefbunker im Münchner Bahnhofsviertel. Evelyn Hribersek hat ihn frisch gekachelt und mit Badewanne, OP-Gerätschaften und diversen retroschicken Möbeln ausstaffiert.
"Wir sind an einem Unort - einer Mischung aus Labor, Krankenhaus und Psychiatrie. Die Einrichtung stammt aus den 50er-Jahren, als man in den USA die plastische Chirurgie entwickelte. Vieles ist auch futuristisch. Ein Ort der Grenzüberschreitung", erklärt Hribersek. Benannt ist die Installation nach dem bekannten Sänger aus der griechischen Mythologie, einem Wandler zwischen Leben und Tod, wobei die ersten zwei Buchstaben zugleich für "Operation Room" stehen - und nebenbei an Orlan erinnern, eine Body-Art-Künstlerin, die den eigenen Körper chirurgisch in eine Skulptur verwandelt hat.
So funktioniert O.R.pheus
Kunst-Environment, Musiktheater, Videospiel - so aufwändig wie das Projekt ist seine Präsentation. Immer nur zwei Personen erkunden einzeln und auf eigene Faust die beiden Sektionen der Kunstwelt - von Hribersek ausgestattet mit einem Smartphone, dessen QR-Code-Leser ihnen dreidimensionale Hologrammfiguren und Erzählstimmen einspielt. Spielzeit ist vom 12. Oktober bis zum 11. November 2012 täglich zwischen 13 und 23 Uhr. Die Eintrittskarten für 15 Euro sind bei München Ticket erhältlich.
Ein Projekt mit mehr als einer Schnittstelle: Der Lärm des Bahnhofsviertel trifft auf die dumpf tönende Stille der Unterwelt. Kunst auf Schnitzeljagd. Werberosa auf Totenschwarz. Der reale Raum auf den virtuellen - und den der eigenen Imagination.
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Ein einschneidendes Erlebnis? "Die Leute reagieren völlig unterschiedlich. Eine alte Dame war begeistert, weil sie einen Zahnarztstuhl ihrer Jugend wiederentdeckt hat. Andere begegnen hier ihren Träumen und Traumen und brauchen nach der Tour mindestens eine Zigarette. Manche trauen sich kaum, etwas zu berühren. Und einer hat sich tatsächlich in die Badewanne gesetzt, da mussten wir dann erstmal aufwischen."
Der Luftschutzbunker mit seiner in der Tat schutzwürdigen Luftmischung aus kaltem Stein, Gummi und Arznei tut das seine, die Wirkung zu erhöhen. Aber auch die Stadt drumrum - findet die Stuttgarterin Hribersek - ist irgendwie Teil der Installation.
"München ist schön - oft aber auch künstlich. Es ist wie auf dem Oktoberfest - das Auge fällt in ein jugendschönes Dekolleté, schaut auf und sieht ein altes Gesicht."
Evelyn Hribersek

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