Auf den ersten Blick ein unscheinbares Treppenhaus. Doch dies ist ein heutiges Foto des Aufgangs, der von der Garage in die Wohnung der israelischen Sportler führt.
Fotoschau Olympia 1972 Ein neuer Blick auf bekannte Orte
Was erinnert an den Orten der Olympischen Spiele von 1972 heute noch an die Ereignisse von vor 40 Jahren? Der Fotograf Malte Wandel wollte genau das wissen und hat sich auf Spurensuche in den Olympiapark begeben. Eine Ausstellung im Stadtmuseum München zeigt das Ergebnis.
Alles begann auf dem Dachboden seines Elternhauses: Dort entdeckte der in München geborene Fotograf Malte Wandel alte Diaaufnahmen, die seine Mutter als Hostess bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München gemacht hatte. Die Bilder beschäftigten den Künstler: Sie zeigten die sorglose und fröhliche Stimmung im Olympischen Dorf in satten Farben, ein starker Kontrast zu dem dramatischen Attentat, das die angestrebte Fröhlichkeit des sportlichen Großereignisses am 5. September 1972 jäh zerstörte: der brutale Überfall auf die israelische Mannschaft, die Geiselnahme und die missglückte Rettungsaktion. Elf Sportler, fünf Terroristen und ein bayerischer Polizist wurden dabei getötet. Der Fotograf wollte einen Kontrast zu den damaligen Bildern aus dem Familienbesitz schaffen, begab sich dafür auf Spurensuche im Olympischen Dorf und machte Aufnahmen vom Haus in der Connollystraße 31, in dem die Geiseln festgehalten wurden, vom Balkon des Gebäudes und vom Militärflughafen Fürstenfeldbruck.
Beklemmende Melancholie
Wandels Fotos sind unbevölkert, anonym, kalt, leer, von beklemmender Melancholie und karger Schönheit. Spannend werden sie, wenn man sie in Bezug zu den medial omnipräsenten Bildern setzt, die immer wieder von der Geiselnahme im Olympischen Dorf und dem Blutbad auf dem Militärflughafen Fürstenfeldbruck gezeigt werden und im kollektiven Gedächtnis verankert sind: der palästinensische Terrorist, der mit einer Strumpfmaske getarnt auf dem Balkon, steht. Hinter ihm befindet sich die Wohnung, in der die Geiseln unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten wurden. Oder etwa das prägnante Foto des Hubschraubers, der nach der missglückten Rettungsaktion der bayerischen Polizei auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck in Flammen aufging und in dem die israelischen Geiseln starben.
Wandels Fotos symbolisieren die Trauer und das Entsetzen über das Attentat. Der Künstler will an die Vergangenheit und Personen, die nicht mehr da sind, erinnern und verstehen, was bei dem Attentat passiert ist, weil er es als ein Ereignis betrachtet, das nicht unbedingt "Teil des Bewusstseins meiner Generation ist", so der 30-Jährige. Ein Umstand, der ihn mit Bedauern erfüllt und der Grund, weshalb er sich intensiv mit dem Geschehen auseinandergesetzt hat.
Von Mosambik in die DDR und retour
Auch zuvor hat sich Malte Wandel in seinen Bildern mit gesellschaftlich-politischen Themen auseinandergesetzt. Er fotografierte ehemalige DDR-Vertragsmitarbeiter, die er in Mosambik aufgespürt hat, die so genannten Madgermanes. Diese Menschen kamen nach 1979 in die DDR und blieben dort bis zur Wende. Fremd blieben sie in ihrer neuen sozialistischen Heimat, fremd nach der Rückkehr nach Mosambik. Fast alle leben heute, von der Welt vergessen, in großer Armut in dem Entwicklungsland, doch die Zeit in der deutschen demokratischen Republik hat sie geprägt, bis heute. Der schwarze Kontinent lässt Wandel nicht los: Seine nächste Ausstellung, die im Herbst in München gezeigt wird, handelt ebenfalls davon, schließlich verbrachte er das letzte Jahr in Ghana.

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