Die jüdischen Häuptlinge (die wilden Juden), 1913
Dass Else Lasker-Schülerzu Lebzeiten eine durchaus gefragte Zeichnerin war, ist heute nicht mehr vielen bekannt.
Else Lasker-Schüler Prinz Jussuf und der "Blaue Reiter"
Vier Jahre dauerte die Freundschaft zwischen Else Lasker-Schüler und Franz Marc. Was sie so besonders macht: Sie spielte in einer orientalischen Parallelwelt, die für die Dichterin das Leben, für den Maler ein Spiel war. Diesem Kosmos des Prinzen Jussuf und des Reiters widmet das Franz Marc Museum in Kochel nun eine umfangreiche Ausstellung.
"Wir haben hier einen prachtvollen Menschen gefunden", schreibt Franz Marc an Wassily Kandinsky, nachdem er und seine Frau Maria die Dichterin Else-Lasker Schüler 1912 in Berlin kennengelernt haben. Lasker-Schüler, die von den Marcs nicht weniger angetan ist, begleitet die beiden im Januar 1913 zurück nach Oberbayern. Hier trifft sie Kandinsky und Gabriele Münter, stößt mit ihrer exzentrischen Art bei den beiden aber auf wenig Gegenliebe. Münter hält die Berlinerin für "eine Null" und Kandinsky nennt sie eine "Weltschmerzlerin".
"Der Blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd"
Marc hingegen bleibt ihr bis zu seinem Tod 1916 verbunden, auch wenn ihm angesichts der existenziellen Bedrohung des Ersten Weltkriegs ab 1914 alles Spielerische vergeht. Er berichtet Erschütterndes von der Front – während Lasker-Schüler ihre Briefe poetisch weiter überhöht denn je. Vom ersten Brief an, den die Berliner Dichterin an den Maler schreibt, nennt sie sich "Jussuf, Prinz von Theben". Ihr männliches Alter Ego vertritt sie bereits seit 1908 nicht nur in ihren Zeichnungen und Briefen, sie lebt diese Figur. Und Marc lässt sich auf ihr Spiel ein, schickt ihr Zeichnungen und beschenkt den Prinzen von Theben mit Pferden, Büffeln, Leoparden und anderen Tieren für sein Reich. Sie nennt ihn Reiter und bittet ihn, drei seiner Zeichnungen in ihr Buch "Prinz von Theben" mit aufnehmen zu dürfen. Marcs Freundschaft inspiriert sie zu zeichnerischen Höhenflügen. Sie schicken sich illustrierte Postkarten und entwickeln dabei einen wahren Thebener Kosmos.
Bilder und Briefe einer Freundschaft
Ausstellungsinfo
"Else Lasker-Schüler. Gestirne und Orient" ist vom 23. September 2012 bis 6. Januar 2013 im Franz Marc Museum in Kochel zu sehen. Hinweise zu weiteren Veranstaltungen und Ausstellungen finden Sie hier:
Einen Einblick in diese fantastische Welt der beiden Künstler gewährt nun eine Ausstellung im Franz Marc Museum in Kochel. Im ersten Obergeschoss des Museums sind zahlreiche Zeichnungen Lasker-Schülers und Marcs zu sehen, ergänzt durch Briefe und Grußkarten sowie Bildern vom "echten" Orient von Paul Klee und August Macke, die 1914 gemeinsam nach Tunis reisten.
Prinz Jussuf und die gläserne Stadt
Doch hier wird nicht nur diese besondere Freundschaft und die daraus entstandenen orientalische Bilderwelt dargestellt. Die Münchner Künstlerin Michaela Melián schafft es, die Ausstellung um eine poetische Installation zu bereichern, die das Gedicht "Heimweh" von Lasker-Schüler klanglich und plastisch verkörpert. Hinter den Schatten einer Stadt aus Glas bewegen sich Details aus Jussuf-Zeichnungen. Zwischen Sequenzen von Wasserglas-Musik liest eine Sprecherin "Heimweh" auf Deutsch, Arabisch und Hebräisch. Gelungener kann man diesem Werk keine Brücke in die Gegenwart bauen.
Heimweh
Ich kann die Sprache
Dieses kühlen Landes nicht,
Und seinen Schritt nicht gehn.
Auch die Wolken, die vorbeiziehn,
Weiß ich nicht zu deuten.
Die Nacht ist eine Stiefkönigin.
Immer muß ich an die Pharaonenwälder denken
Und küsse die Bilder meiner Sterne.
Meine Lippen leuchten schon
Und sprechen Fernes.
Und bin ein buntes Bilderbuch
Auf deinem Schoß.
Aber dein Antlitz spinnt
Einen Schleier aus Weinen.
Meinen schillernden Vögeln
Sind die Korallen ausgebrochen,
An den Hecken der Gärten
Versteinern sich ihre weichen Nester.
Wer salbt meine toten Paläste -
Sie trugen die Kronen meiner Väter,
Ihre Gebete versanken im heiligen Fluß.

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