Kultur - Kunst

Kunst sammeln Horten, besitzen, zeigen

Als Kind sammelt Gunter Sachs Tierbilder aus Zigarettenschachteln. Mit 16 ersteht er seinen ersten Druck - der Beginn seiner Karriere als Kunstliebhaber. Die Villa Stuck zeigt nun wichtige Werke aus seiner Sammlung. Wie aber wird man Kunstsammler?

Stand: 14.01.2013

Die Liste der vertretenen Künstler liest sich wie das "Who is who" moderner Kunst: René Margritte, Max Ernst, Roy Lichtenstein, Francis Bacon, Andy Warhol, auch der Graffiti-Künstler Banksy ist darunter. Sie alle finden sich in der Sammlung des Lebemanns und Firmenerben Gunter Sachs. Von 18. Oktober bis 3. Februar (die Ausstellung wurde verlängert) zeigt die Villa Stuck in München ausgewählte Werke daraus: Die Palette reicht von "Noveau Réalisme" bis "Informel" und von Pop Art bis Graffiti.

Vom Unternehmerspross zum Kunstsammler

2011 hat sich Gunter Sachs das Leben genommen. Schon als Kind liest der 1932 im fränkischen Mainberg geborene und in der Schweiz aufgewachsene Gunter die Kunstbände seiner Mutter. Mit 22 Jahren zieht er nach Paris. Bald schon hat die Stadt den ehemaligen Mathestudenten in ihren Fängen und macht ihn "peu à peu zum bescheidenen Sammler", wie er später sagt. Er hat Kontakt zur Pariser Gesellschaft und noch unbekannten Künstlern. Durch Gewinne beim Kartenspiel kann er sich Kunst großer Meister leisten. Er kauft einen Picasso und Werke der Surrealisten Max Ernst und Victor Brauner. Die Sammlerkarriere des Fotografen, Dokumentarfilmers und Galeristen beginnt.

Sammler sind die neuen Mäzene

Sachs gilt als einer der wichtigsten Kunstsammler im deutschsprachigen Raum. Er hat einen guten Riecher, kennt die richtigen Leute, kauft, sammelt und zeigt seine Schätze. Bis 1975 hat er eine Galerie in Hamburg, in der die erste Warhol-Ausstellung Europas stattfindet. In München kämpft er in den 70er-Jahren für ein Museum moderner Kunst. Er folgt damit der Tradition amerikanischer Kunstmäzene. Industrielle wie Guggenheim oder die Rockefellers bereichern Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Museumslandschaft in den USA. Auch in Deutschland stellt der Direktor der Villa Stuck, Michael Buhrs, ähnliche Tendenzen fest. Jedoch: Gesammelt wird nicht allein fürs "haben wollen". Viele moderne Mäzene lassen die Öffentlichkeit an ihren Schätzen teilhaben.

Vorbei also die Zeiten der staatlichen Kunstförderung, in denen der Staat den Kunstgeschmack des Volkes bestimmte wie Ludwig XVI. mit dem Pariser Salon? In denen Adelsgeschlechter wie die Wittelsbacher oder die Kirche als Kunstmäzene auftraten? Ganz so extrem sieht Michael Buhrs die Zukunft der Kunstförderung nicht. Kooperationen zwischen privaten Sammlern und staatlichen Museen wie etwa im Museum Brandhorst hält er jedoch für denkbar.

Wie man Kunstsammler wird

Der Direktor der Villa Stuck, Michael Buhrs

"Das ist nichts, was man nebenbei machen kann", sagt der Kurator der Gunter-Sachs-Ausstellung, Michael Buhrs über das Dasein als Kunstsammler. Man müsse sich schon kümmern, interessieren, informieren. Und auch ein gewisses Startkapital schadet nicht, wenngleich es nicht Millionen sein müssen, um eine kleine Sammlung aufzubauen. Er hat einige weitere Tipps für künftige Kunstsammler.

Sammler werden in drei Schritten

Mitbringen - Voraussetzungen

  • Neugier
  • Offenheit
  • Interesse
  • Wissen über Kunst - ist kein Muss, bietet aber eine gute Basis
  • Startkapital - ist auch kein Muss, erleichtert das Sammeln jedoch

Anfangen - Sammlerdasein

  • einen "Riecher" entwickeln
  • sich informieren im Netz und über Kunstmagazine
  • lesen, was und wer gerade angesagt oder im Kommen ist
  • sich umschauen: auf Kunstmessen, bei Jahresausstellungen von Akademien, in Galerien
  • mit Leuten ins Gespräch kommen und sie kennenlernen - Künstler, Galeristen, andere Kunstinteressierte können gerade am Anfang beraten und einschätzen helfen

Loslegen - es wird ernst

  • Kaufen, sammeln, besitzen
  • Am Anfang eines Kaufs sollte immer die Frage: "Will ich das wirklich besitzen?" stehen
  • Der Direktor der Villa Stuck empfiehlt außerdem, das Sammlerdasein mit finanziell erschwinglicher Kunst zu beginnen - etwa von jungen Künstlern oder eher mit Fotografien und Zeichnungen als Gemälden oder Skulpturen

Netz-Tipps für Kunstsammler

Zusätzlich zu Jahresausstellungen, Messen und Galerien kann sich der Sammlerneuling auch im Netz informieren - eine Auswahl.


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