Kultur - Gesellschaft

NS-Dokuzentrum Winfried Nerdinger ist Gründungsdirektor

Er forderte jahrelang ein NS-Dokumentationszentrum in München, sein Vater kämpfte einst selbst gegen die Nazis: Nun ist Winfried Nerdinger vom Stadtrat zum Gründungsdirektor für das NS-Dokumentationszentrum gewählt worden.

Stand: 25.07.2012
Winfried Nerdinger  | Bild: picture-alliance/dpa

Nerdinger hat auch einen persönlichen Bezug zur NS-Zeit. So engagierte sich sein Vater Eugen während der Diktatur des Nationalsozialismus im Arbeiterwiderstand und war eng mit den Widerstandskämpfern Bebo Wagner und Hermann Frieb befreundet. Wagner und Frieb wurden 1943 zum Tode verurteilt und in München Stadelheim hingerichtet.

Zorniger Stachel im Fleisch

Nerdinger setzte sich über Jahre hinweg persönlich dafür ein, dass München ein NS-Dokumentationszentrum bekommt. Er engagierte sich im bürgerschaftlich organisierten "Arbeitskreis zur Errichtung eines Dokumentationszentrums". Gemeinsam mit Holocaust-Überlebenden und politisch engagierten Bürgern kämpfte er viele Jahre lang gegen Stadt und Freistaat, die die Idee eines Dokumentationszentrums über Jahrzehnte immer wieder in der Schublade verschwinden ließen. Damals war Nerdinger der Politik regelmäßig ein zorniger Stachel im Fleisch. Es freut ihn, dass er seine Berufszeit nun mit diesem Herzensanliegen abschließen kann.

Der Architekturprofessor an der Technischen Universität (TU) München, der zugleich Direktor des Architekturmuseums der TU in der Pinakothek der Moderne sowie des Architekturmuseums Schwaben ist, gehört der vierköpfigen Arbeitsgruppe aus Professoren an, die das Ausstellungskonzept erarbeiten. Nerdinger wird als offizieller Gründungsdirektor die Arbeiten bis zur geplanten Eröffnung 2014 führen. Wer das Haus danach leiten soll, ist offen. Dafür solle es Ende 2012 eine Ausschreibung geben, wie es hieß.

Meinungsverschiedenheiten mit Wojak

Die ehemalige Gründungsdirektorin Irmtrud Wojak

Die ursprüngliche Gründungsdirektorin Irmtrud Wojak hatte im Herbst 2011 ihren Hut nehmen müssen. Am 17. November letzten Jahres gab die Stadt München bekannt, dass man sich "einvernehmlich" getrennt habe. Maßgebend dafür seien "nachhaltige unterschiedliche Auffassungen zwischen Wojak und den beratenden Gremien über die Ausrichtung, die Inhalte und die Funktion des NS-Dokumentationszentrums" gewesen. Wojak spricht von Missverständnissen und parteipolitischem Kalkül.

zum Artikel Ausstellungskonzept "Was geht mich das an?" als Leitfrage

2014 bekommt München, ehemalige "Hauptstadt der Bewegung", ein NS-Dokumentationszentrum. Im Februar 2012 hat der Kulturausschuss der Stadt das Konzept genehmigt. [mehr]

Laut Stadtrat Michael Leonhart, der auch im Beirat des NS-Dokumentationszentrums sitzt, wurde mit Wojak ein Auflösungsvertrag vereinbart. Das rund 28 Millionen Euro teure Zentrum soll nach jahrelangen Planungen im Frühjahr 2014 eröffnet werden.


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