1. August 2012: Mit Megaphon und Plakaten ...
Protest vor Generalkonsulat Mit Strumpfmasken gegen Staatswillkür
Bunte Sturmhauben sind ihr Markenzeichen - nur können die Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot sie gerade nicht tragen. Ihnen wird in Moskau der Prozess gemacht und weltweit schlüpfen Menschen für "Free Pussy Riot" in Strumpfmützen, auch in München.
Das Megafon knistert, Olga Reznikova zieht sich einen giftgrünen Stoffschlauch über das Gesicht und legt los: "Free Pussy Riot! Lasst die Mädels frei!" Es folgt ein längerer Schlachtruf auf Russisch, den vermutlich mindestens die Hälfte der Anwesenden nicht versteht. Aber die Botschaft ist klar: Freiheit für Nadjeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch.
Derzeit wird gegen die drei Frauen in Moskau ein Prozess geführt, der international den Verdacht der Staatswillkür weckt. Die drei Musikerinnen sitzen seit März im Gefängnis. Ihr Vergehen: ein Anti-Putin-Auftritt in einer Moskauer Kathedrale. Die Anklage lautet auf "Rowdytum", was schlimmstenfalls sieben Jahre Gefängnis für die drei Frauen bedeuten könnte.
Skandieren vor der Überwachungskamera
Das Konzert
2.800 Seiten haben die Ermittler in Aktenordnern gegen Pussy Riot zusammengetragen. Hier die Kurzversion des Vergehens in einer Minute 53 Sekunden bei Youtube:
In München hat Amnesty International zum Protest gerufen, dazu gesellten sich andere Organisationen, wie Memorial und Human Rights Watch. Rund 30 Leute haben sich vor dem russischen Konsulat auf dem Europaplatz oberhalb des Friedensengels formiert und skandieren gegen die gelben Mauern der russischen Vertretung. Das Ergebnis: keine Reaktion. Nur das Auge der Überwachungskamera ist auf die Demonstranten gerichtet. Olga ist dennoch nicht enttäuscht: "Wir sind wütend und können nur gegen dieses komische Gebäude anschreien. Aber wir demonstrieren gemeinsam mit London, New York, Paris. Wir halten das Thema am Laufen."
Digital sorgt die Münchnerin Martina Steis dafür, dass die aktuellen Informationen zu Pussy Riot in möglichst viele Kanäle fließen. Zusammen mit Mitstreitern in vielen Ländern betreibt sie die viersprachige Internetseite freepussyriot.org, die direkt nach der Verhaftung von Pussy Riot online gegangen ist. Ihr Anliegen: "Wir wollen Öffentlichkeit erzeugen, denn durch die Verhaftungen sollen die Leute eingeschüchtert werden. Dafür haben sie sich nicht die großen Oppositionsführer geschnappt, sondern vermeintlich kleine Punker. Bloß haben sie übersehen: Die Anliegen von Pussy Riot sind international. Und jetzt müssen wir eben die Vermittler sein."
Und sonst? Homophobie, Wahlfälschung ...
Protest im Netz
freepussyriot.org ist eine Plattform für Unterstützungsbekundungen und Prozess-News.
Überhaupt wirkt es so, als hätten Pussy Riot sämtliche Missstände in ihren Sturmhauben verhäkelt. Denn bei dem Protest geht es zwar zuerst um die Freiheit der drei Frauen, aber nicht nur. Eingehüllt in eine Regenbogenfahne protestiert Dmitry Zayko gegen die Homophobie in Russland und das neue Gesetz gegen "Propaganda für Homosexualität" in St. Petersburg. Und Irina Revina, die im März Putins Wiederwahl im Münchner Generalkonsulat beobachtet hat, demonstriert seitdem regelmäßig vor dem gelben Gebäude. Sie will in München Wahlfälschungen beobachtet haben: "Das war wie in Russland. Sie haben ganze Busse mit Rentnern aus Nürnberg oder Augsburg hierher gefahren, ihnen ein Essen bezahlt und vor der Wahl abgefragt, ob auch wirklich Putin gewählt wird." Am Ende rollt sich Olga die Maske vom Kopf und bindet ihre Haare damit zusammen: "Wir glauben nicht, dass Putin wegen unserer Plakaten hier Angst bekommt. Aber er macht gerade so viele Fehler. Und vielleicht ist Pussy Riot ja der entscheidende."

Wetter


