Der Räuber Hotzenplotz
Kasperl, Kaffeemühle und Räuberpistole gibt es auch hier. Nostalgisch geht es bei SCBLM nicht zu - es wird gerappt, und Bildschirme auf der Bühne verlangen den kleinen Zuschauern vom 12. bis 15. Januar einige Medienkompetenz ab.
Performance im Residenztheater Hot Dogs für Hotzenplotz
Showcase Beat Le Mot gehen ins Wasser, grillen Räuberwürste und richten Franz Kafka eine "Wellness Area des Grauens" ein. Jetzt ist Deutschlands umtriebigste Performance-Gruppe mit fünf Inszenierungen am Münchner Residenztheater zu Gast.
Das muss man erstmal aushalten: Machen, was man will. Showcase Beat Le Mot nehmen sich die Freiheit seit 1997 und verzichten dafür auf vieles: Auf einen Intendanten, der Stücke an Land zieht, auf das Auge des Regisseurs, eine feste Spielstätte. Oft genug auch auf Text zum Festhalten.
Was dabei herauskommt, beschreibt Veit Sprenger, einer der vier Köpfe von SCBLM, so: "Wir sind Architekten, die sich in der eigenen Stadt verlaufen." Die Stadt, das ist im Januar und Februar das Münchner Residenztheater, das der Gruppe aus Giessen in den nächsten Wochen Raum für fünf Projekte zur Verfügung stellt.
Nach dem Theater ist vor dem Theater
Dass Bretter die Welt bedeuten sollen, hat den Postdramatikern von SCBLM noch nie eingeleuchtet. Statt auf die Bühne gehen sie lieber ins Wasser, spielen für einen Videoclip der befreundeten Hamburger Band Kante Blindfußball oder entzünden in einem abgewrackten Vergnügungspark bei Berlin eine riesige, vom amerikanischen "Burning Man"-Festival inspirierte Holzfigur. Bei SCBLM heißt der Kerl allerdings Burn Out Man. Auch im Residenztheater wird sie nichts auf der Bühne halten - "wir sind überall, wo uns die Sicherheitstechnik hinlässt, im und vor dem Theater".
"Was begehbar ist, wird bespielt"
Veit Sprenger
Ähnliches gilt für die Themenauswahl der vierköpfigen Gruppe: Die Ideen kommen ihnen aus dem Leben entgegen, und was spielbar ist, wird gespielt. Bei einem Gastspiel in Tallinn erlebten Showcase Beat Le Mot einen Aufstand der russischen Minderheit, den sie als Revolutionstheater weiterspannen. In München arbeiten sie bis zum 15. Februar an der Aufhellung des Mittelalters, einem Happy End für Kafkas "Das Schloss" und, zum Auftakt, einem Goetheinstitut-prämierten "Räuber Hotzenplotz".
Räuberpicknick mit Musik
Auf den sind sie so gekommen: "Wir sind ja inzwischen auch Eltern. In Mainz haben wir eine Aufführung des Hotzenplotz gesehen, die so grausig war, dass wir uns gesagt haben: Das muss anders gehen." Nämlich sozusagen barrierefrei, mit Mitmach-Zauberkunststücken von Petrosilius Zwackelmann und auf der Bühne zubereiteten Hot Dogs, die in der Pause ans Publikum verteilt werden. Und mit Musik: "Als wir auf dem Donaufestival Krems gespielt haben, waren wir in einem abgelegen Dorf einquartiert. Jeden Morgen hat uns ein Fahrer mit Rastalocken und lauter Musik abgeholt. Wir haben im Auto mitgetoastet und dabei sind wir draufgekommen, aus dem Räuberhauptmann einen Ragga Hotzenplotz zu machen."
Auch ihre Beschäftigung mit Kafka ist quasi auf dem Weg nach München entstanden, wo der Autor ein knappes Jahrhundert zuvor selbst einen denkwürdigen Auftritt hatte. Veit Sprenger: "Das Residenztheater fragt eine kleine Performance-Gruppe, einen Monat lang sein großes Haus mit den vielen Maschinen zu bespielen. Das hat was Kafkaeskes, und das zeigen wir". Was exakt da geboten wird, entscheidet sich erst im Moment der Uraufführung. Klar ist: "Es wird heiter und es wird unheimlich. Wir richten Kafka eine Wellness-Area des Grauens ein."
Überblick: Showcase Beat Le Mot im Residenztheater
12. bis 15. Januar: Der Räuber Hotzenplotz
19. bis 21. Januar: 1534
24. und 25. Januar: Entertainment Island I-III von Oblivia, kuratiert von SCBLM
27. bis 29. Januar: Resident Evil. SCBLM mit Gästen
11. bis 15. Februar: The Happy Ending of Franz Kafka´s Castle

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