Josef Mayerhofers "Mischgebiet" Im Autohaus spielt die Musik
Ein Wirtshaus, ein Kirchhof, irgendwo kräht ein Hahn: Was passiert, wenn diese Landromantik nicht mehr gilt, spielt Josef Mayerhofer in seinem HFF-Abschlussfilm "Mischgebiet" durch. Eine Gesellschaftsstudie in der niederbayerischen Provinz ohne Scheu vor Widersprüchen.
Das Wirtshaus ist verwaist, dafür trifft man sich am Wochenende beim Autohausfest mit Band und Hüpfburg. Die Höfe rentieren sich nicht mehr, wer sich noch Kühe leisten will, muss im Büro dazuverdienen. Das Maisfeld beginnt direkt hinter der Supermarktkette. In diese erstarrte Gemeinschaft gerät Bewegung, als der Weltenbummler Simon (Michi Marchner) nach Jahren zurückkommt und die lange zementierten Rollen der Dorfgemeinschaft hinterfragt.
"Dorf 2.0" statt geschöntem Heimatfilm
Der Begriff "Mischgebiet" stammt aus der Bauordnung und steht für Orte, die Gewerbe- und Wohngebiete vereinen. Das heißt bei Mayerhofer: Aldi-Inseln zwischen Feldern, das Rattern von Einkaufswagen auf Beton, Trostlosigkeit statt Landidylle. "Ich wollte keinen geschönten Heimatfilm machen, keine ‚mia-san-mia'-Herzlichkeit zeigen." Denn das Dorfleben hat sich verändert, findet er. Im "Dorf 2.0" haben sich alte, gewachsene Strukturen überlebt. Supermarktketten, Dönerbuden und Reisebüros versprechen Anschluss an das globale Leben, die schicke Weltläufigkeit hat es aber so weit in die Provinz noch nicht geschafft.
Der Regisseur als Erinnerungs-Katalysator
Mayerhofer erzählt über eine Gegend, die er kennt und mag: Er ist in einer niederbayerischen Kleinstadt aufgewachsen, die schon für einige seiner Dokumentarfilme Inspirationsquelle war. An der HFF (Hochschule für Fernsehen und Film) hat er Dokumentarfilm studiert, was sich auch auf seinen ersten abendfüllenden Spielfilm "Mischgebiet" ausgewirkt hat: "Ich finde es gibt nur einen Unterschied zwischen einer Doku und einem Spielfilm: Bei der Doku filmt man gleich, was man sieht. Beim Spielfilm ist man selbst der Katalysator für alles Gesehene. Und dann inszeniert man aus der Erinnerung."
"Drehbuchschreiben? Knallharte Arbeit"
Auch das Drehbuch hat der Regisseur selbst geschrieben, neben seinem Brotjob als Kameramann: "Das ist knallharte Disziplinarbeit, sehr beamtisch. Das musste ich erst mal lernen." Mayerhofer behandelt seine Figuren wie Freunde, deren Fehler man kennt und sie trotzdem schätzt. Bei aller Melancholie, die sein Film transportiert, zeichnet er ein liebevolles Porträt einer Dorfgemeinschaft, wie es sie in jeder Provinz geben könnte. "Mischgebiet" zeigt keine Scheu vor Widersprüchen - wenn sie auch nicht unbedingt in ein schlüssiges Ende münden.

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