Kultur - Film

Marcus H. Rosenmüller "Ich habe schon einige Wunder rumlaufen sehen"

Wenn in den Alpen der Schnee fehlt, Schwiegermütter für Frieden sorgen und der Papst im Dorf-Diner hockt, hat Marcus H. Rosenmüller einen neuen Film gemacht. In "Wer's glaubt, wird selig" erzählt er davon, dass Beten töten kann und Wunder geschehen.

Von: Michael Kubitza Stand: 14.08.2012
Marcus Rosenmüller im Interview in einem Münchener Biergarten | Bild: BR / Marc Münzenmaier

Mit jedem Film ein bisschen berühmter: Inzwischen kann Marcus Hausham Rosenmüller es sich sogar leisten, die Grande Dame des deutschen Films im ersten Filmdrittel von einem Kruzifix erschlagen zu lassen. Genau das passiert in seinem neuen Film. Daisy (Hannelore Elsner) ist die böse Schwiegermutter des Hamburger Jungen Georg (Christian Ulmen), den die Liebe (Marie Leuenberger) und die Hummersuppe nach Bayern gelockt haben. Genauer: ins Skidorf Hollerbach, das nach jahrelangem Schneemangel auzusterben droht. Georgs fast perfekter Auferstehungsplan: Der Vatikan soll Daisy zur Heiligen erklären und Hollerbach damit zum Wallfahrtsort. Fehlt bloß noch ein Wunder.

Es kommt natürlich alles anders. Und dann nochmal anders. Wie kommt's? Wir haben den Regisseur im Biergarten zum Interview getroffen.

BR. de: Ihr neuer Film spielt in einem bayerischen Bergdorf, das Drehbuch stammt von Hollywood-Drehbuchautor Jeremy Leven ("Don Juan de Marco"). Wie kommt sowas zustande?

Marcus H. Rosenmüller: Das bedeutet, dass auch die Filme vorher durchaus in Hollywood hätten spielen können - kein anderer Schluss ist hier möglich. Im Ernst: Die Produktionsfirma Wiedemann & Berg hat einen Film von Leven produziert, und als sie das Drehbuch entdeckt haben, wussten sie: Das lässt sich wunderbar nach Bayern verpflanzen. Im Original spielt es in Vermont - auch ein Skiort, auch dort sind sie katholisch, ähnlicher Humor. Natürlich haben wir noch etliche Sachen hineingedreht und ein paar Geschichten dazugewebt.

Bildergalerie: Wer's glaubt, wird selig - Die Story

BR. de: In den Alpen heißt das US-Skiparadies dann Hollerbach und besteht zu großen Teilen aus Kastl in der Oberpfalz mit etwas Bayrischzell und ein paar Tupfern Unterbrunn und Regensburg ...

Marcus H. Rosenmüller: Man hat ja eine Vision, wie das ausschauen soll, und solche Orte gibt's in Wirklichkeit nicht oft. Da muss man dann ein paar Wochen rumfahren und basteln. Aber das ist ja das Tolle am Film: Dass man sich einen Schauplatz so zusammenpuzzelt, wie man ihn sich im Hirnkastl vorstellt. Ein bisserl was Amerikanisches musste diesmal auch dabei sein - der Showdown am Markt! - und das haben wir in Kastl gefunden und die Berge, die's da nicht gibt, reinmontiert.

BR. de: Amerikanisch ist ja auch, dass es diesmal fast tarrantinomäßig zur Sache geht - so viel Blut hat man bisher bei Ihnen noch nicht gesehen.

Marcus H. Rosenmüller: Beim "Räuber Kneissl" schon. Das ist natürlich meine Freude am Übertreiben. Und dann: Um ein Wunder in Gestalt einer wunderbaren Heilung hinzukriegen, muss man natürlich erstmal in die andere Richtung Vollgas geben. Das muss schon weh tun.

BR. de: Amerika, die Alpen, Rom nicht zu vergessen, und dann läuft das alles an einem Marktplatz in der Oberpfalz zusammen - wie hält man das alles im Kopf beieinander?

Marcus H. Rosenmüller: Man muss das intus haben, richtig fühlen. Den Schauspielern hilft es, wenn man das vorher chronologisch durchgearbeitet hat. Die Schwierigkeit war dann, beim Höhepunkt verschiedene Stränge aufeinander zulaufen zu lassen. In der Vorbereitung ist das ein Gefrickel, aber irgendwann - vielleicht macht das die Erfahrung aus mehreren Filmen - hat man das so bildlich vor Augen, dass im Zusammenspiel von Regie, Szenenbild und Kamera ganz klar ist, in welchem Rhythmus das passiert. Und letztendlich kommt ja dann noch der Cutter mit seinem Gespür!

BR. de: Ein Thema, das sich durch viele Rosenmüller-Filme zieht, ist die katholische Kirche. Lässt die einen nicht los, wenn man in Hausham zur Welt gekommen ist?

Gipfeltreffen: Der Georg und der Papst

Marcus H. Rosenmüller: Es geht eigentlich gar nicht so um die Kirche. Bei mir selber war's so wie in "Wer früher stirbt...", dass ich mich mit zehn, zwölf Jahren gefragt habe, warum wir da sind. Die großen Fragen des Lebens, naiv verbaselt. In "Wer's glaubt, wird selig" ist das dramaturgisch natürlich ein gefundenes Fressen: Ein paar einfache Burschen vom Land müssen sich Wunder einfallen lassen. Sie müssen überirdisch werden - da ahnt der Zuschauer schon, dass da was Besonderes kommt. Man kann das natürlich kritisieren, wie die Kirche mit Wundern und Heiligsprechungen umgeht.

"Ich persönlich hab noch keinen Heiligen getroffen, aber schon einige Wunder rumlaufen sehen."

Marcus H. Rosenmüller

BR. de: Obwohl der Film in Bayern spielt, sprechen die Leute nur wenig Bairisch. Ein Versuch, nach Süddeutschland und Österreich auch Berlin zu erobern und am Ende New York?

Marcus H. Rosenmüller: Ganz ehrlich: Wenn ich einen Stoff habe, überlege ich mir, wer das spielen kann. Und wenn mir dann die Marie Leuenberger einfällt, von der meine Kollegen geschwärmt haben, und natürlich Christian Ulmen, lass ich die nicht Bairisch sprechen. Ich bin ja auch kein Dialektpfleger.

BR. de: Dann ist da noch Hannelore Elsner ...

Marcus H. Rosenmüller: ... mit der ich telefoniert habe, weil ich eine Daisy gesucht habe, bei der man nicht weiß: Ist die verrückt? Oder heilig? Hat die eine Aura um sich? Und dann erfahre ich, dass sie in Altötting aufgewachsen ist und in eine Klosterschule gegangen und dass das absolut Thema in ihrem Leben ist, was wir da verfilmen.

BR. de: Was Rosenmüller-Fans natürlich noch interessiert: Wo bleibt der dritte Teil der Trilogie?

"Beste Gegend": Kati (Anna Maria Sturm) und Jo (Rosalie Thomass) sind noch nicht am Ziel.

Marcus H. Rosenmüller: Karin Michalke (die Drehbuchautorin) ist gerade noch am Schreiben, das meiste haben wir schon. Das Schöne an einer Fortsetzungsgeschichte ist ja: Ich freu mich, wenn wieder eine Phase im Leben von Kathi und Jo vergangen ist, die wir dann filmen können. Und ein ganz anderes Projekt liegt auch auf meinem Tisch - ein Film über einen Fußballer.

BR. de: "Beste Gegend" -Beste Zeit" -"Beste Chance" - sind die Titel eigentlich eine Hommage an Bogners "Irgendwie und sowieso"?

Marcus H. Rosenmüller: Die Frage hab' ich schon mal beantwortet, aber dann vergeht wieder Zeit und ich vergess' die Antwort ... ich bin mir ziemlich sicher, dass die Karin die Titel da her hat. Würd' mich sonst wundern.

BR. de: Was Dich und Bogner ja noch verbindet: Dass ihr beide eine Art Familienbetrieb leitet - ein fester Stamm von Schauspielern, auf die ihr zurückgreift, und dazu dann zwei, drei überraschende neue Talente.

Marcus H. Rosenmüller: Da sind wir uns schon ähnlich ... weil ich nämlich auch gern auf die Talente vom Bogner zurückgreif'. Das sind schon tolle Leute, und wenn man mit denen öfter zusammenarbeitet, macht das Spaß.

Wer's glaubt, wird selig

Ein Film von Marcus H. Rosenmüller
Produzenten: Quirin Berg und Max Wiedemann mit ARD/Degeto und dem Bayerischen Rundfunk

Darsteller:
Georg: Christian Ulmen
Daisy: Hannelore Elsner
Emilie: Marie Leuenberger
Evi: Lisa Maria Potthoff
Papst Innozenz XIV: Nikolaus Paryla
Polizist Hartl: Simon Schwarz
Bestatter Möslang: Jürgen Tonkel
Pater Paolo Barsotti / Vincenzo Barsotti: Fahri Yardimer

München-Vorpremiere: 6. August
Deutschlandstart: 16. August


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