Heinz Badewitz Festivalchef mit Kultstatus
Drei Dinge werden sich bei Heinz Badewitz nie ändern: seine zeitlose Frisur, seine markante Brille und sein tadelloser Filmgeschmack. Letzteres beweist er seit 46 Jahren mit dem Programm der "Internationalen Hofer Filmtage".
Das oberfränkische Festival gibt es nun schon seit 46 Jahren und genauso lange ist Heinz Badewitz Festivalchef. Das wird auch die nächsten Jahre so bleiben: "So lange ich eine Filmrolle tragen kann, denke ich nicht ans Aufhören", sagte Badewitz dem Filmemacher Wolfgang Ettlich in der Dokumentation "Der Heinz vom Film".
Mit einem Kurzfilmfestival fing alles an
Die enge Verbundenheit kommt nicht von ungefähr. Heinz Badewitz ist in Hof geboren und Gründer des Festivals. 1963 zog es ihn mit Anfang 20 in den Süden - nach München. Nach einem Praktikum im Kopierwerk der Bavaria Atelier GmbH begann er in München sein Studium am Deutschen Institut für Film und Fernsehen (DIFF), der späteren Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) - einer der renommiertesten Filmschulen Deutschlands. Ab 1965 arbeitete er als Kameraassistent und drehte seine ersten Kurzfilme.
... über Hof:
"Ich kannte halt dort in Hof einen Kinobesitzer. Wenn jemand anderer von all den Filmemacherkollegen gesagt hätte, er würde einen Kinobesitzer in Lindau recht gut kennen, dann wären wir nach Lindau gegangen. Es ging einfach nur darum, einen Platz zu finden, an dem wir unsere Filme ohne Zensur und sonstige Beschränkungen und Kontrollen zeigen konnten. Wir wollten einfach nur mal unsere Filme vorführen. Nur darum ging es!"
Gemeinsam mit anderen jungen Regisseuren beschloss Badewitz, die eigenen Werke im Kino zu zeigen. Und so entstand 1967 das "1. Hofer Kurzfilmfestival" mit zweieinhalb Stunden Programm und neun Filmen zwischen 59 Sekunden und 40 Minuten. Ein Jahr später wurde Badewitz mit einer seiner Regiearbeiten bei den Oberhausener Kurzfilmtagen im deutschen Wettbewerb angenommen. Nach einem Skandal um den Film "Besonders Wertvoll" von Hellmuth Costard beschlossen einige Filmemacher, ihre Arbeiten zurückzuziehen und ihre Filme stattdessen in Hof zu zeigen - mit einem Mal gab es die "2. Hofer Filmtage".
Heute ist Heinz Badewitz der dienstälteste Festivalleiter Europas.
Hof - das Festival der Filmemacher
Im Unterschied zu anderen Filmfestivals sind die Hofer Filmtage von Filmemachern selbst begründet worden. "Es gab keine GmbH, keine Kulturmanager, die noch etwas Pfiffiges für ihre Stadt brauchten, sondern es war eine Eigenkreation der Regisseure", erinnert sich Heinz Badewitz.
... über deutsche Filme:
"Wenn man zehn deutsche Filme hintereinander sieht und anschließend sagen muss: "Mein Gott, was ist denn da gedreht worden?", verliert man gelegentlich den Mut. Aber dann ist man doch motiviert, wenn man wieder einmal einen Film sieht, für den es sich lohnt zu arbeiten, ihn einzuladen und ihn zu zeigen. Das ist das, was einen am Leben erhält, auch als Festivalleiter."
Die Geschichte des Festivals ist eng verknüpft mit der Geschichte des neuen deutschen Films. Jedes Jahr gibt der Festivalchef wie kein anderer hoffnungsvollen Talenten ein Forum, ihre Debütfilme zu zeigen. "Andere brauchen die Stars. Wir machen sie", so Heinz Badewitz selbstbewusst. Auch bereits etablierte Regisseure zeigen ihre Filme immer wieder gerne in Hof. Dabei wird kein Unterschied gemacht zwischen Kino- und TV-Produktionen - allein die Qualität ist entscheidend. Und so hat das Festival für den deutschen Film fast mehr Bedeutung als die Berliner Filmfestspiele, eines der größten und wichtigsten Filmfestivals weltweit.
Auch in Berlin kümmert sich Heinz Badewitz um den deutschen Film: Seit 1977 ist er für das Programm "German Cinema" verantwortlich. Bei so viel Engagement bleibt keine Zeit mehr, selbst Filme zu realisieren. In den 60er- und 70er-Jahren arbeitete Heinz Badewitz noch bei vielen Filmproduktionen mit, als Aufnahmeleiter, Kameramann oder er übernahm andere Aufgaben. Er arbeitete unter anderem mit Wim Wenders oder als Regieassistent bei Bob Fosseys "Cabaret"-Dreharbeiten in München.
Seine wichtigste Aufgabe aber bleiben die Hofer Filmtage, die untrennbar mit seiner Person verbunden sind. Das wissen sogar weltberühmte Regisseure wie Peter Jackson ("Herr der Ringe", "King Kong") zu schätzen: "Die freundliche, beinahe familiäre Atmosphäre bleibt in Erinnerung. Ein Festival ganz unprätentiös und ohne Arroganz. Ich hoffe, Heinz wartet nicht bis ich alt und grau bin, bis er mich wieder einlädt."
Kulturpreis Bayern für Heinz Badewitz:
Für sein Wirken hat der Leiter und Gründer der Hofer Filmtage im Jahr 2010 gemeinsam mit 40 weiteren Preisträgern den Kulturpreis Bayern erhalten. Dieser wird in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst von der E.ON Bayern AG verliehen. Der mit insgesamt 170.000 Euro dotierte Preis soll künstlerisches Wirken in Bayern fördern. Außerdem werden herausragende Leistungen an den bayerischen Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen ausgezeichnet.

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