Kultur - Film

François Truffaut Schöne Frauen, coole Männer

Auf keinen passt der Begriff Autorenfilmer besser als auf François Truffaut. Er begründete die Nouvelle Vague, schuf zahlreiche Klassiker und verhalf Schauspielern zu Weltruhm. Heute wäre er 80 Jahre alt geworden.

Stand: 03.02.2012
François Truffaut | Bild: picture-alliance/dpa

Mit einer Pointe, die sein gesamtes Schaffen repräsentiert, führte sich Truffaut in der Filmwelt ein. 1958 bei den Filmfestspielen in Cannes wurde der damals noch als Filmkritiker arbeitende Franzose von den Festspielen ausgeschlossen. Zu bissig und scharf waren seine Kommentare für die Zeitschrift "Cahiers du Cinéma", mit welchen er das Festival, den französischen Film, die Politik und vieles mehr angriff. Ein Jahr später war er zurück: als geladener Regisseur mit seinem ersten Film "Sie küssten und sie schlugen ihn" im Gepäck. Truffaut gewann die Goldene Palme, läutete ein neues Zeitalter des französischen Films ein, der Rest ist Geschichte.

Truffauts Alter Ego

Jean-Pierre Léaud

Gleichzeitig führte er in "Sie küssten und sie schlugen ihn" die Figur des Antoine Doinel ein - ein Schuljunge, der von der Erwachsenenwelt fortwährend enttäuscht, missverstanden und sogar misshandelt wird. Der Film erzählt auch ein Stück weit von seiner eigenen Jugend. "Ich ging ins Kino, statt in die Schule zu gehen", so Truffaut, der gleich von mehreren Schulen verwiesen wurde und zeitlebens Kritik an der Elterngeneration und geltenden Konventionen übte.

Doinel, gespielt vom damals 14-jährigen Jean-Pierre Léaud, begleitete den autodidaktischen Filmemacher auch in "Antoine und Colette" (1962), "Geraubte Küsse" (1968), "Tisch und Bett" (1970) und "Liebe auf der Flucht" (1978). Nie ist die Figur ein Held, sondern eher ein Träumer, der lügt, betrügt, und dabei doch immer einen gewissen Charme behält. Jemand mit kindlicher Naivität - so wie Truffaut selbst.

Film als "eine Art Traum"

In seinem zweiten Film "Schießen Sie auf den Pianisten" (1960) werden Truffauts Vorstellungen vom Film besonders deutlich. Autobiografisches und Realismus spielten auf einmal keine Rolle mehr. Er habe einen Film machen wollen, "in dem ich alles machen konnte, was ich wollte. Eine Art Traum", sagte er. Politisches Kino, wie es etwa Jean-Luc Godard machte, war nie sein Ziel. Als er 1974 für "Die amerikanische Nacht" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, wurde er von Godard als Lügner und Hure der Filmindustrie beschimpft. Er antwortete seinem einstigen Weggefährten aus Kritikerzeiten mit "Scheißtyp, Bluffer, Lackaffe" und fühlte sich missverstanden.

Dass sich Erfolg und Anspruch nicht ausschließen mussten, hatte Truffaut, der 1984 an einem Hirntumor starb, schon 1962 mit "Jules und Jim" bewiesen. Oberflächlich gesehen handelt es sich um eine klassische Dreiecksgeschichte, wie es sie schon oft gegeben hatte. Doch das Konventionelle war bei Truffaut stets nur Tarnung, um gegen Seh- und Denkschemata anzufilmen und so das Vertraute zu entlarven.

Lieblingsthema "Ménage à trois"

François Truffaut mit seiner Filmpartnerin Jacqueline Bisset

Dreiecksgeschichten blieben eines seiner liebsten Themen. Die Rolle der Verführerischen besetzte er mit Schauspielerinnen wie Jeanne Moreau, Catherine Déneuve, Isabelle Adjani und Fanny Ardant. "Film bedeutet, schöne Frauen schöne Dinge tun zu lassen", sagte er. Legendär waren seine Affären mit Darstellerinnen, denn von diesen Frauen soll ihm nur Adjani widerstanden haben. Ein bisschen agierte er am Filmset, als wäre er selbst ein Teil seines Filmes "Eine amerikanische Nacht", in dem jeder mit jedem schläft. Ironischerweise hält sich nur der Regisseur raus - gespielt wurde er von Truffaut selbst. Auch er war eben ein kinobesessener Träumer mit Charme. Steven Spielberg antwortete auf die Frage, warum er ihm die Rolle des Wissenschaftlers in "Unheimliche Begegnungen der dritten Art" gegeben habe, sagte er: "Ich brauchte einen Mann mit der Seele eines Kindes."

Filmografie (Auswahl)

1959: Sie küssten und sie schlugen ihn
1960: Schießen Sie auf den Pianisten
1962: Jules und Jim
1962: Antoine und Colette
1964: Die süße Haut
1966: Fahrenheit 451
1967: Die Braut trug schwarz
1968: Geraubte Küsse
1969: Das Geheimnis der falschen Braut
1969: Der Wolfsjunge
1970:Tisch und Bett
1973: Die amerikanische Nacht
1975: Die Geschichte der Adèle H.
1976: Taschengeld
1979: Liebe auf der Flucht
1980: Die letzte Metro
1981: Die Frau von nebenan
1983: Auf Liebe und Tod