In "Mein letzter Film" als alternde Schauspielerin
Hannelore Elsner Die Grande Dame des deutschen Films
Ihr Alter ist für Hannelore Elsner kein Thema. Seit dem 26. Juli ist sie 70 und ist als Schauspielerin gefragt wie nie. Das Kino nahm ihr herausragendes Talent erst spät wahr, da war sie auf der Bühne und im Fernsehen längst ein Star.
Die bayerische Schauspielerin gehört zu den Frauen, die mit den Jahren immer attraktiver und interessanter werden. Hannelore Elsner spielt ihre besten Rollen seit Regisseure wie Oskar Roehler oder Oliver Hirschbiegel, der eine radikal, der andere unerschrocken, ihr Traumrollen gaben: "Die Unberührbare" und "Mein letzter Film". Filme, die von Elsners Präsenz leben, in denen sie sich tief in die Seele schauen lässt. Filme, in denen man spürt, was da für ein herausragendes Talent über Jahrzehnte hinweg nicht wirklich wahrgenommen wurde vom deutschen Film.
Eine Frau fürs französische Kino
Was hätte das französische Kino mit dieser Frau alles angestellt? "Wenn ich mir vorstelle, ich wäre in Frankreich aufgewachsen, dann hätte ich wahrscheinlich einige wunderbare Kinofilme gedreht", sagte die Elsner einmal. Ohne zu hadern oder zu jammern. Sie stellt es nur fest. Für ihre Rollen in "Die Unberührbare" und "Mein letzter Film" wurde Elsner mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Preise hin oder her - es ist schön, dass man sie seitdem so oft im Kino sieht.
Ehrgeiz, Pflichtbewusstsein, Disziplin
Angefangen hat Hannelore Elsners Schauspielkarriere wie so viele: Sie besucht die Schauspielschule in München. Ein erstes Engagement an den Münchner Kammerspielen folgt. Bereits 1962 - Elsner ist 20 Jahre alt - holt Jürgen Roland sie ins Fernsehen - Auftritt in der berühmten und beliebten Serie "Stahlnetz". Sie ist fleißig, dreht in den nächsten Jahren über 30 TV-Filme. Ehrgeiz, Pflichtbewusstsein und Disziplin sind lebenslanger Antrieb, sagt sie von sich selbst.
Geboren wurde sie im oberbayerischen Burghausen, ihr Bruder starb bei einem Tieffliegerangriff, den Vater verlor sie, da war sie acht. Ihre Kindheit verbrachte sie im Internat. Einem großen Publikum wurde Hannelore Elsner mit Filmen wie "Die Lümmel von der ersten Bank" bekannt: Serien-Kino der 1960er-Jahre, das das deutsche Kinopublikum gern sah und dem einige Schauspieler zumindest eine anständige Fernsehkarriere verdanken. Liest man Elsners Biografie aufmerksam, ist zu spüren, dass der Wunsch nach Tiefe und Inhalt bei ihr sehr stark sein muss, dass sie sich nicht so schnell mit dem Oberflächlichen, dem Seichten zufriedengibt.
Erfolg am Theater und im Kino
In den 1970er-Jahren dreht sie mit Martin Benrath "Berlinger - ein deutsches Abenteuer" fürs Fernsehen und spielt die Titelrolle in der erfolgreichen ZDF-Serie "Die schöne Marianne". Arbeiten mit Dieter Wedel fürs Fernsehen folgen. Sie heiratet Wedel und wird Mutter. Der Sohn ist ihr einziges Kind. Anfang der 90er trennt sich das Paar. Es war Elsners dritte Ehe, auch die nächste mit dem Theaterdramaturgen Uwe Carstensen scheitert. Hannelore Elsner sagt, sie sei immer dann gegangen, wenn die Liebe weg war. Beruflich allerdings werden die 1990er-Jahre das Jahrzehnt der Hannelore Elsner. Sie beginnen mit der erfolgreichen ARD-Krimiserie "Die Kommissarin". Mitte der 1990er-Jahre kehrt Elsner nach längerer Pause auf die Bühne zurück, spielt im Theater am Turm in Frankfurt "Eine tot-normale Frau", ein intensives Solo, eine Art Vor-Studie zu "Mein letzter Film". Es sind am Theater wie im Film Regisseure einer jungen Generation, die Elsner aufrichtig verehren und ihr die Rollen geben, die ihr vielleicht das französische Kino schon viel früher hätte vermitteln können.
2011 ging der Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises an die Schauspielerin Hannelore Elsner. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte sie als "eine Ausnahmeerscheinung des deutschen Films" und eine "Grande Dame des Kinos." Doch auch neben ihrer Schauspieltätigkeit ist sie schwer beschäftigt, hält Lesungen und macht Hörbucher. Und engagiert sich in einem Förderverein gegen das Vergessen des Holocaust.
| Jahr | Titel | |
|---|---|---|
| 1962 | Stahlnetz: Spur 211 | |
| 1968 | Die Lümmel von der ersten Bank | |
| 1975 | Berlinger - ein deutsches Abenteuer | |
| 1978 | Der Sturz | |
| 1983 | Alles in Butter | |
| 1983 | Satan ist auf Gottes Seite | |
| 1991 | Die Kommissarin | |
| 1995 | Spreebogen | |
| 2000 | Ende der Saison | |
| 2000 | Die Unberührbare | |
| 2002 | Mein letzter Film | |
| 2002 | Eine Liebe in Afrika | |
| 2002 | Rot und Blau | |
| 2003 | Frau fährt, Mann schläft! | |
| 2004 | Alles auf Zucker! | |
| 2005 | Die Spielerin | |
| 2006 | Nicht alle waren Mörder | |
| 2008 | Kirschblüten - Hanami | |
| 2010 | Zeiten ändern dich | |
| 2011 | Das Blaue vom Himmel |

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