Dominik Graf Regisseur mit Lieblingsgenre
Seine Krimis sind eigenwillig, weil sie gefallen ohne gefallen zu wollen. Er erprobte auch Jugenddrama, Beziehungskomödie und Actionfilm. Kurz: Dominik Graf ist einer der vielseitigsten deutschen Regisseure. Heute wird er 60.
Gemessen daran, dass Dominik Graf bereits zum zehnten Mal vom Adolf-Grimme-Institut ausgezeichnet worden ist, ist er einer der ganz großen Filmemacher - und einer der großen Unbekannten. In der Filmszene allerdings ist er berühmt-berüchtigt für seine an Werner Herzog erinnernde künstlerische Unbedingtheit.
Eine Schwäche für die Polizei
Grafs Jugenddramen, Beziehungskomödien, Dorfschwänke und Actionfilme haben eines gemeinsam: Es sind eigenwillige Produktionen, die gefallen, ohne gefallen zu wollen. Und doch hat er ein Genre, das er klar favorisiert - den Polizeifilm.
Auch seine früheren TV-Krimis, unter anderem seine Inszenierungen für die ARD-Erfolgsserien "Tatort" und "Polizeiruf 110", sind ausgezeichnet - da sind sich Jurys, Kritiker und Publikum einig.
Pierrot für Debütfilm "Der kostbare Gast"
1952 wurde Dominik Graf als Sohn des Schauspielers Robert Graf in München geboren. Nach dem Abitur begann er, in München Germanistik und Musikwissenschaften zu studieren. 1974 wechselte er zur Hochschule für Fernsehen und Film und drehte im ersten Studienjahr den Kurzfilm "Carlas Briefe". Neben dem Studium schrieb er Drehbücher und wirkte in einigen Spielfilmen mit. Für die Bavaria Film verfasste er in den späten 70ern verschiedene Episoden für TV-Serien wie "Auf Achse" und "Jörg Preda berichtet". Für seinen HFF-Abschlussfilm "Der kostbare Gast" erhielt er im Januar 1980 seinen ersten Bayerischen Filmpreis.
Erste Arbeiten fürs Fernsehen
Anschließend arbeitete Graf als Regisseur beim Fernsehen. Er inszenierte zwei Folgen der Vorabendserie "Familientag". 1982 drehte er seinen ersten Spielfilm: Der Thriller "Das zweite Gesicht" wurde im Rahmen eines Horrorfilmfestivals in Madrid gleich mit mehreren Preisen bedacht. Grafs nächster Film "Treffer" handelt von drei unzertrennlichen Motorradfreunden, die nicht erwachsen werden wollen. Nach mehreren Folgen für die Vorabendserie "Der Fahnder" realisierte Graf 1986 erfolgreich den "Tatort"-Krimi "Schwarzes Wochenende" mit Götz George. Für den Thriller "Die Katze", der zwölf Stunden eines Banküberfalls beschreibt, erhielt er 1988 den Bundesfilmpreis.
Lob und Verriss
Begeisterte Kritiken begleiteten seine für das Fernsehen produzierte, aber zunächst im Kino gezeigte Komödie "Tiger, Löwe, Panther", in der Graf einen kurzen, vergnüglichen Blick auf die Affären, Amouren und Nöte dreier junger Frauen wirft. 1990 lief sein Film "Spieler" als offizieller deutscher Wettbewerbsbeitrag bei den Filmfestspielen in Venedig. Die Komödie um zwei Männer und eine Frau, die gegenseitige Anziehung, Freundschaft und Liebe ebenso aneinander bindet wie die Verweigerung bürgerlicher Lebensformen, wurde von der Kritik kontrovers diskutiert.
Fahnder und Sieger
Nach drei neuen Folgen der Serie "Der Fahnder" und einer weiteren Folge der Yuppie-Serie "Morlock" drehte Graf den 1994 angelaufenen Film "Die Sieger". Grafs bis dato größter und teuerster Film zeigt die Arbeit von Polizeibeamten eines Spezialeinsatzkommandos, die einem Komplott auf die Spur kommen, in das Politiker und Mafiosi verwickelt sind. Als "bester deutscher Film" wurde bei den Hofer Filmtagen 1995 Grafs "Tatort"-Krimi "Frau Bu lacht" gefeiert, den die ARD in ihrer gleichnamigen Reihe zeigte. 1996 inszenierte er mit "Der Skorpion" einen Thriller, der viel Kritikerlob erhielt: "Als Zuschauer wird man eventuell etwas verstört durchatmen, wenn der Abspann läuft. Und vielleicht befinden, schon lange keinen so mutigen TV-Film mehr gesehen zu haben", schrieb die Süddeutsche Zeitung.
Preise über Preise
In der Satire "Doktor Knock", mit einem Adolf-Grimme-Preis prämiert, erzählte Graf davon, wie die Segnungen der modernen Zivilisation in ein idyllisches Alpendorf kommen. Ein "Meisterwerk" drehte er nach Kritikermeinung mit seinem ebenfalls mit einem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten Beitrag "Das Wispern im Berg der Dinge" für die WDR-/BR-/Arte-Reihe "Denk ich an Deutschland", in dem sich Graf mit seinem Vater und einer ganzen Vätergeneration vor 1968 beschäftigt.
Im Juli 2002 brachte Graf das Beziehungsdrama "Der Felsen" in die Kinos. Im selben Monat brachte seine Lebensgefährtin Caroline Link ihre gemeinsame Tochter zur Welt. 2004 bekam er für den Film "Kalter Frühling" den Deutschen Fernsehpreis. Im Februar 2006 startete sein Film "Der Rote Kakadu" in den Kinos - eine Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die 1961 in Dresden spielt, wenige Wochen vor dem Mauerbau. Für den Bayerischen Rundfunk inszenierte Graf 2006 den Polizeiruf 110 "Er sollte tot", für den er mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, wie auch bereits seine Polizeiruf 110-Folge "Der scharlachrote Engel". 2010 inszenierte der Regisseur erneut eine Folge der Krimserie, in der Anna Maria Sturm und Matthias Brandt für ihren ersten gemeinsamen Fall "Cassandras Warnung" vor der Kamera standen.
Filmografie (Auswahl):
1978 Der kostbare Gast
1982 Das zweite Gesicht
1985 Drei gegen drei
1986 Tatort: Schwarzes Wochenende
1987 Die Katze
1989 Tiger, Löwe, Panther
1990 Spieler
1994 Die Sieger
1995 Tatort: Frau Bu lacht
1996 Der Skorpion
1996 Doktor Knock
1998 Deine besten Jahre
1999 München - Geheimnisse einer Stadt
2000 Denk ich Deutschland: Das Wispern im Berg der Dinge
2001 Der Felsen
2002 Hotte im Paradies
2004 Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel
2005 Der Rote Kakadu
2006 Polizeiruf 110: Er sollte tot
2006 Eine Stadt wird erpresst
2008 Kommissar Süden und der Luftgitarrist
2009 Im Angesicht des Verbrechens
2011 Polizeiruf 110: Cassandras Warnung
2011 Dreileben - Komm mir nicht nach
2012 Lawinen der Erinnerung

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