Marilyn Monroes Leben Eine fast perfekte Fassade
Blond, verführerisch, verletzlich: Marilyn Monroe ist die wohl größte Ikone Hollywoods. Sie bediente sich geschickt der Macht der Medien, um sich selbst als Star zu erfinden. Nur einmal verlor sie die Kontrolle über ihre Selbstinszenierung - mit verhängnisvollen Folgen. Vor 50 Jahren ist sie gestorben.
Wer kennt ihn nicht, den lasziven und zugleich unschuldigen Blick der goldblonden Monroe. Damit wurde die Kalifornierin in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einer der begehrtesten Frauen der Welt. Auch heute noch bezeichnen viele Schauspielerinnen und Sängerinnen den sexy Vamp als das Vorbild überhaupt. Monroe ist eine Ikone, und war eine einzigartige Inszenierung - denn der berühmte Blick: einstudiert, die Haare: gefärbt, die gesamte Karriere: sorgsam geplant. Und zwar nicht von einem Manager oder Agenten, sondern von Monroe selbst.
Der Stoff für eine Traumkarriere
"Sie ist der Star, der sich selbst geboren hat", sagt der Filmemacher und Hollywood-Insider Eckhart Schmidt im Interview mit BR.de. Praktisch alles an Monroe war sorgsam geplante Fassade, angefangen von ihrer Familiengeschichte bis hin zu den Männern an ihrer Seite. Ihren Vater hat sie angeblich nie gekannt, einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in einem schlimmen Waisenhaus - das alles ist Teil der Monroe-Fiktion, ausgedacht und verbreitet von ihr selbst. Und nebenbei war das der perfekte Stoff für die Traumkarriere vom armen Mädchen zur gefeierten Schauspielerin. Der Stoff, nach dem die Medien immer suchen. Bei Monroe fanden sie ihn. "Sie hat ihr ganzes Leben erfunden", so Schmidt. Natürlich war auch Marilyn Monroe nur ein Künstlername, geboren wurde sie am 1. Juni 1926 als Norma Jeane Mortenson.
Die ganze Bandbreite an Männern
Den Einstieg ins Filmgeschäft schaffte sie über einen Agenten, mit dem sie eine Affäre anfing. Dieser sei "ein kleiner, hässlicher Mensch, aber sehr gut vernetzt" gewesen, so Schmidt. Auch in der Folge habe Monroe immer spekuliert, was ihre Männer anging. Durch den prominenten Baseballspieler Joe DiMaggio erschloss sie sich die Sportfans als Publikum, durch den Schriftsteller Arthur Miller gelangte sie in die intellektuelle Szene und durch ihre Affären mit Robert und John F. Kennedy verkehrte sie in den höchsten politischen Kreisen.
Ein sauberes Image
Andere Dinge, die nicht in das Bild der Hollywood-Diva passten, wurden von ihr konsequent verschwiegen. So etwa ihre psychisch kranke Mutter oder ihr chronisches Leiden Endometriose (Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut). Angeblich belastete sie das Image, das in der Öffentlichkeit von ihr herrschte: "Als Sexsymbol hat man eine schwere Last zu tragen. Vor allem wenn man müde, verletzt und enttäuscht ist", klagte sie. Ob auch das nur Berechnung war, ist unklar, denn über das tatsächliche Seelenleben hinter ihrer Fassade ist kaum etwas bekannt. "Die private Person, die Norma Jean in ihr kennen wir nicht", so Schmidt. Ihre Verletzlichkeit, vielleicht war auch sie nur Teil der Selbstinszenierung.
Gefährliche Liebschaft mit den Kennedys
Ein wesentlicher Bestandteil des Mythos Marilyn Monroe ist ihr früher Tod mit 36 Jahren am 5. August 1962. Offiziell starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten. Schmidt, der für seinen Film "Marilyn Monroe - Ich möchte geliebt werden" zahlreiche Quellen gesichet und Zeitzeugen interviewt hat, vertritt jedoch eine andere These: "Sie ist über einen Einlauf umgebracht worden. Robert Kennedy hat dafür gesorgt, dass es als Selbstmordversuch dargestellt wurde." Monroe habe gedroht, die Affären mit den Kennedy-Brüdern öffentlich zu machen, so der Dokumentarfilmer. Angeblich wusste sie zudem von Anschlagsplänen auf Fidel Castro und Verbindungen der Kennedys zur Mafia. War sie von der Geliebten zu einer Gefahr für die Kennedys geworden? Hat sie die Tragweite ihrer Beziehungen zum US-Präsidenten und seinem Justizminister unterschätzt? Oder hat sie letztendlich die Last des eigenen Images erdrückt? Sicher ist nur, dass sie im Moment ihres Todes die Kontrolle über ihre Inszenierung verloren hat. Und damit paradoxerweise das vielleicht berühmteste Kapitel ihrer Geschichte nicht selbst geschrieben hat.
Eckhart Schmidt
Der Filmemacher wurde am 1. Oktober 1938 in Mährisch-Sternberg (heutiges Tschechien) geboren und begann seine Laufbahn als Filmkritiker u.a. für die Süddeutsche Zeitung und den Bayerischen Rundfunk. 1967 drehte er mit "Jet Generation" seinen ersten Spielfilm, in den 1970er-Jahren gab er das Punk-Magazin "S!A!U!" heraus, in dem Rainer Werner Fassbinder, Herbert Achternbusch, Werner Schroeter, David Byrne und Patti Smith publizierten. Seit den 1990er-Jahren hat er sich vor allem mit Opern-Verfilmungen einen Namen gemacht. 1991 erhielt er das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Heute lebt Schmidt in Los Angeles und München und dreht vornehmlich Dokumentarfilme. Das Bayerische Fernsehen zeigt am 5. August um 23.25 Uhr seinen Film: "Marilyn Monroe - Ich möchte geliebt werden."

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