Kultur


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Hofer Filmtage "Hof ist eine Mission"

Erstmals findet das Filmfestival unter der Leitung von Thorsten Schaumann statt. Der Eröffnungsfilm "Drei Zinnen", die Geschichte einer Patchworkfamilie, die zusammenfinden will, setzt ganz auf starke Bilder.

Von: Kirsten Martins

Stand: 25.10.2017

Mit viel Applaus begrüßte das Hofer Publikum Thorsten Schaumann, der im Scala-Kino vor dem alten rotem Samtvorhang mit einer Heinz Badewitz nicht unähnlichen Freundlichkeit und Direktheit die Filmtage eröffnete. Der 49-jährige Münchner möchte die Tradition von Heinz Badewitz weiterführen: "Hof ist eine Mission, der man folgen darf", so Schaumann, "und ich finde es schön, dass es weitergeht und auch wichtig, weil ich denke, dass diese Idee: Hof als 'Home of Films', wie Heinz sie irgendwann mal initiiert hat, auf alle Fälle weitergehen muss und das auch in seinem Sinne ist."

Ein Festival der Neuentdeckungen

130 Dokumentar-, Kurz- und Spielfilme werden bis Sonntag gezeigt, darunter auch neue Werke von Regisseuren, die seit Jahren nach Hof kommen: Dominik Graf, Axel Ranisch, Eran Riklis oder Kai Wessel. Die Werkschau ist dem algerischen Filmemacher Tony Gatlif gewidmet.

Thorsten Schaumann, der neue Leiter der Hofer Filmtage

Thorsten Schaumann: "Viele Filme handeln von starken Frauen, die ihr Leben in die Hand nehmen, selbstbestimmt leben und natürlich viel Sozialpolitik: Wie leben wir, was sind unsere Ängste und Bedenken, und das primär in dem Dokumentarfilmbereich." Thorsten Schaumann will auch auf die Herausforderungen reagieren, vor denen der Film und das Kino stehen: An zwei Teststationen können Zuschauer virtual und augmented reality erleben, es wird Diskussionen unter dem Titel "Jäger des verloren geglaubten Zuschauers" geben, Publikumsgespräche mit bekannten und unbekannten Regisseuren. "Für mich ist Hof ein Festival der Neuentdeckungen und das muss auch so bleiben. Hof war immer der Startschuss für viele Filmschaffende, wo man sich ausprobieren kann."

Eröffnungsfilm "Drei Zinnen"

Der Eröffnungsfilm "Drei Zinnen" mit Alexander Fehling und Berenice Bejo ist ein Beispiel für das eigenwillige Autorenkino, das die Hofer Filmtage von Anfang an unterstützten. Regisseur und Drehbuchautor Jan Zabeil: "Ich will keinen deutschen Problemfilm machen, wo eine deutsche Familie über ihr Problem debattiert und am Ende man dann zur Lösung kommt, womit alle zufrieden sind und der Zuschauer denkt, super ist es bei denen gelaufen, hoffentlich läuft's bei mir auch so, sondern ich habe einen Film gemacht, der auch ein Stück weit verstört."

"Drei Zinnen" von Jan Zabeil

Ein ungewöhnlicher Spielfilm, spannend, minimalistisch, ohne viel Dialoge. Weite Landschaftsaufnahmen hoch oben in den Dolomiten, grauweiße Geröllfelder, Felsen, dichter Nebel, Schneehänge. Aaron, seine Freundin Lea und ihr Sohn Tristan verbringen einige Tage in einer einsamen Berghütte. Aaron möchte die Zuneigung des Sohnes seiner Freundin gewinnen. Doch stattdessen kommt es zum Machtkampf zwischen den beiden, schleichend entwickelt sich eine ungeheure Spannung, unterschwellig bedrohlich wird die Atmosphäre, obwohl äußerlich nicht viel passiert. "Ja, ich erzähle viel über die Bilder, ich bin über die Bilder zum Film gekommen, ich bin Maler, ich male mit Öl im Studio, ich habe Kamera studiert", so Jan Zabeil.

Wie schon in seinem letzten Film "Der Fluss war einst ein Mensch" nutzt Zabeil eine extreme Naturkulisse. Dort stoßen Menschen an ihre Grenzen, und etwas kommt zum Vorschein, das sonst durch das angenehme Leben in der zivilisierten Welt überdeckt wird. Alexander Fehling, muskulös mit rotem Bart, ist für Tristan ein Riese, gegen den der Junge auf einer Bergtour in den Tiefschnee mit eigenen Mitteln kämpft. Genau inszeniert ist die Beziehungen zwischen den drei Personen, genau beobachtet jede Geste, jeder Blick - ein kühler, subtiler Thriller, der in Hof viel Applaus erhielt. Und ein vielversprechender Anfang für die Hofer Filmtage unter der neuen Leitung von Thorsten Schaumann.


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