Kultur


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Nachruf Zum Tod von Arno Rink

"Ich male" - so sollte die für kommendes Jahr geplante Arno Rink Ausstellung heißen. Zwei Worte, die für die Lebensleistung des Künstlers stehen. Neo Rauch war sein Schüler - Rink machte die Leipziger Kunstszene erst möglich. Gestern ist er gestorben.

Von: Simone Reber

Stand: 07.09.2017

Das Atelier brennt. Die Flammen erfassen auch den Maler, verglühen ihn, tragen ihn fort, vernichten alles. 1990 malt Arno Rink sein "Brennendes Atelier". Die Wende als rotes Inferno schlägt  in sein Werk ein wie der Blitz. Danach kann er fünf Jahre nicht weiter malen.

Rinks frühe Bilder sind deutlich von Max Beckmann und Salvador Dalí beeinflusst. Er ist früh erfolgreich und zweifelt dennoch immer wieder an den Verlockungen von Ruhm und Amt. Eines der häufigsten Motive im Werk ist die Große Versuchung – wie Odysseus ist der Künstler zwischen nackten Sirenen an einen Mast gefesselt, neben ihm der Tod und Ikarus, der zum Flug ansetzt. In der ersten Version dieses Motivs leuchtet die nackte Haut der Frauen schwefelgelb.

Der politischen Versuchung aber hat Arno Rink nicht nachgegeben. Die Bilder waren wichtiger: "Ich halte die Politik aus meinen Bildern raus. Ich will mich damit nicht bildmässg beschäftigen. In den 60er-Jahren hat das mal stattgefunden, Ende der 70er. Dann habe ich in den 80ern gemerkt, dass die Farbe aus den Bildern immer mehr verschwand. Leute aus den alten Bundesländern sagten, habt ihr keine Farbe mehr, ist ja schrecklich!"

Nach der Wende: Leinwand statt Holz

Bei der großen Retrospektive der Rostocker Kunsthalle 2015 war Arno Rink schon vom Krebs gezeichnet, ignorierte die Krankheit aber in der Öffentlichkeit. In der Ausstellung konnte man beobachten, wieviel ihm sein berühmtester Schüler Neo Rauch zu verdanken hat, vom Bildaufbau bis hin zur surrealen Aufladung. Für Rink mag es bitter gewesen sein, die nächste Generation an sich vorbei ziehen zu sehen. Sein größter Erfolg bestand wohl darin, den jungen Leipzigern Vertrauen in die Malerei zu vermitteln.

Nach der Wende hat Arno Rink sich viele Jahre gefragt, was in seiner Kunst DDR sei und was er selbst. Erst dann konnte er auf Leinwand arbeiten und nicht mehr auf Holz: "Vorher gab es natürlich auch Leinwand. Heisig hat z.B. die ganze Zeit auf Leinwand gemalt. Aber ich bin nicht bereit gewesen. Wenn ich versucht habe, auf Leinwand zu malen, hat mich diese leichte Vibration, die zustande kam, einfach gestört. Ich brauchte einen festen Untergrund. Ich brauchte für den Untergrund eine Sicherheit."

Weibliche Akte biblisch legitimiert

Wie groß die Zweifel immer waren, beweisen die Selbstporträts, in denen Arno Rink skeptisch prüfend auf die Staffelei schaut. Nach außen wirkte der Künstler ganz bei sich, im Anzug, mit gestutztem Vollbart und freundlichen Augen, trat er wohl schon im Sozialismus als Grandseigneur auf. Seinen Schüler Neo Rauch beeindruckte er, als er im hellen Dreiteiler auf dem Schießplatz seinen Colt abfeuerte.

Trotz der äußeren Erscheinung wirken die vielen erotischen Szenen in Arno Rinks Werk eher selbstkritisch. Schonungslos geht der Maler da mit dem Verfall seines Körpers um. Die weiblichen Akte im Spätwerk gehören zu Rinks schönsten Arbeiten, auch wenn von der biblischen Ausgangssituation, die ein Titel wie "Lots Töchter" suggeriert, am Ende nicht mehr viel übrig ist. Für ihn war die ohnedies oft nur Mittel zum Zweck, wie er einst erklärte: "Man kommt ja, ohne der Ferkelei bezichtigt zu werden, nicht dazu, einen Mann und zwei Frauen zu malen. Und da ist es mit der Bibel sehr einfach. Dort hat man den Autoritätsbeweis. Da kann man das auch malen. Letzten Endes geht es mir darum zwei Akte zu malen, zwei weibliche Akte und einen männlichen."

Der große Malermacher von Leipzig

Die größte Leistung von Arno Rink aber bleibt, dass er die Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst durch die Wirren der Wende hindurch manövrierte, so dass sie heute zu einer der renommiertesten Hochschulen des Landes gehört. Auf diese Weise hat er die quicklebendige junge Kunstszene in Leipzig überhaupt erst möglich gemacht. Er habe sich gefragt, erzählte der neue Leipziger Museumsdirektor Alfred Weidinger bei seinem Amtsantritt, wen er in Leipzig zuerst anrufen solle. Der österreichische Kunsthistoriker rief zuerst Arno Rink an. Gemeinsam verabredeten die beiden eine große Ausstellung in Leipzig. Sie wird nun ohne Rink stattfinden.


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