Bayern - Regionales

Weiden Festakt für die Opfer des Nationalsozialismus

Mit einer zentralen Gedenkfeier im Weidener Elly-Heuss-Gymnasium und einer Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg hat Bayern an die Opfer des NS-Regimes gedacht. Anlass ist der internationale Holocausttag.

Stand: 27.01.2012
Gedenkstätte Yad Vashem | Bild: picture-alliance/dpa

Der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erinnerten in einer gemeinsame Veranstaltung der Opfer des Nationalsozialismus und der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch sowjetische Truppen.

Dabei betonte Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) in ihrer Rede am Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden vor rund 300 Gästen, dass der Gedenkakt in diesem Jahr bewusst zum ersten Mal an einer Schule stattfinde. Die Erinnerungsarbeit der Schüler sorge dafür, dass das Gedenken lebendig bleibe. Der zeitliche Abstand werde immer größer, persönlich Bezüge immer seltener, so Stamm. Umso wichtiger sei die Arbeit der Gedenkstätten.

Freller: Demokratie gewähre am meisten Freiheit

Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstättenarbeit, sprach sich für ein Verbot der NPD aus. Die Demokratie sei zwar nicht die einfachste Staatsform, so Freller, aber sie sei die, die jedem von uns am meisten Freiheit gewähre. Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse sich täglich bewähren, appellierte Freller an die Schüler, Lehrer, Politiker und Ehrengäste. Außerdem sprach Josef Schuster, der Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Zum Abschluss der Gedenkfeier wurde in der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg ein Kranz niedergelegt.

Schulprojekte als Form des Erinnerns

Den zentralen Programmpunkt der Veranstaltung lieferten Schüler aus Weiden, Regensburg und Neutraubling, die ihre Projekte zum Nationalsozialismus und ihre Form des Erinnerns vorstellten. Sie haben unter anderem eine Geschichte des KZ-Außenlagers Obertraubling verfasst. Eine Klasse hat eine Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg organisiert. "Hier erklären Schüler den komplizierten Sachverhalt auf Holztafeln", sagt Dieter Funk, der Kunstlehrer des Elly-Heuss-Gymnasiums. Eine andere Schülergruppe hat ein Buch mit Werken des Künstlers und KZ-Überlebenden Milos Volf verfasst und gedruckt. "Der Maler hat das KZ nur überlebt, weil er ein so guter Zeichner war", sagt Funk. Am Gedenkakt nimmt auch Jack Terry als Redner teil. Terry ist Sprecher der Überlebenden des Konzentrationslagers Flossenbürg.

In Berlin spricht Reich-Ranicki

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Marcel Reich-Ranicki, Christian Wulff | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio Rede von Marcel Reich-Ranicki Bundestag gedenkt der NS-Opfer

Zum Gedenken an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus hat der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Er schilderte eindringlich seine Erlebnisse im Warschauer Ghetto. [mehr]

Bei der Gedenkfeier im Bundestag sprach der 91-jährige Literaturkritiker und Überlebende des Warschauer Ghettos, Marcel Reich-Ranicki. Bundesweit wird mit weiteren Gedenkveranstaltungen an die rund sechs Millionen ermordeten Juden erinnert. Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Erzbischof Rowan Williams, erklärte am Donnerstag in einer Video-Botschaft in London, der Holocaust-Tag bringe ins Gedächtnis zurück, wohin es führe, wenn Menschen sich nicht für ihre Nachbarn oder für Fremde einsetzten, wenn Menschen sich allein um ihre eigene Sicherheit sorgten.

Wanderausstellung in Flossenbürg

In der Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen wurde am Freitag die Schau "Generationen. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen" eröffnet. Die Wanderausstellung ist bis 15. April zu sehen. Weitere Station ist die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in Bayern. In Bergen-Belsen kamen während der NS-Zeit rund 20.000 Kriegsgefangene und mehr als 50.000 Häftlinge des Konzentrationslagers um. Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. Die Vereinten Nationen riefen 2005 den 27. Januar als "Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust" (International Day of Commemoration to honour the victims of the Holocaust) aus. Seit 2006 wird er weltweit begangen.