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Aachener Karnevalsorden Ottfried Fischer ist jetzt "Ritter-Sport"

Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer ist am Samstag in Aachen mit dem Karnevalsorden "Wider den tierischen Ernst" ausgezeichnet worden. Als Laudator sprang Philipp zu Guttenberg für seinen älteren Bruder Karl-Theodor ein. Fischer und Guttenberg lieferten sich einen humorvollen Schlagabtausch.

Stand: 29.01.2012
Ottfried Fischer, neuer Träger des Ordens "Wider den tierischen Ernst", und sein Laudator Philipp zu Guttenberg | Bild: picture-alliance/dpa

"Mit hübschem, eigenem Schuldregister schimpft man nicht über Ex-Minister", reimte Guttenberg. Der Narrenkäfig in Aachen sei für den Kabarettisten extra verbreitert worden, "damit er hier nicht vorerst scheitert", legte der Laudator nach und stellte fest, dass Fischer mit seiner Leibesfülle selbst einen 19-Zoll-Bildschirm belegen könne.

Nachfolger von Wulff?

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Das Erste sendet die Aufzeichnung der Ordensverleihung an Ottfried Fischer am Montag, 30. Januar, um 20.15 Uhr.

Aber Guttenberg teilte nicht nur aus, sondern lobte Fischer auch als Allrounder und Genie und empfahl den 58-Jährigen gleich für höhere Ämter: "Dir stünd' als Job anstatt dem Pater, gut zu Gesicht der Landesvater." Kaum gesagt, kamen dem Laudator gleich Zweifel: "Nein, ins Schloss Bellevue kannst Du nicht hinein. Denn mag da einer noch so schwitzen, verlass Dich darauf, der bleibt dort sitzen!", prophezeite Guttenberg mit Blick auf Bundespräsident Christian Wulff. Doch der Oberfranke teilte nicht nur aus, sondern machte auch eine tiefe Verbeugung vor dem neuen Ordensträger: "Als Knappe zieh' ich meinen Hut vor Deinem übergroßen Mut." Guttenberg spielte damit auf Fischers Parkinson-Krankheit an, die dieser öffentlich gemacht hat:

"Ritter wirst Du, weil Du uns lernst: Man lacht, und ist es noch so ernst."

Philipp zu Guttenberg in seiner Laudatio

Otti - frech und nachdenklich

Fischer konterte Guttenbergs Spott über sein Gewicht mit einem abgewandelten Spruch aus der Werbung: "Ich bin der legitime Ritter-Sport - quadratisch, praktisch, gut." In seiner eigentlichen Ritterrede schlug der 58-Jährige nachdenkliche Töne an und plädierte für mehr Menschlichkeit im Mediengeschäft. "Hört auf, die Menschen zu jagen für eine Schlagzeile. Und ich weiß, wovon ich rede", sagte Fischer, dessen Affäre mit Prostituierten wochenlang die Klatschblätter füllte. "Keiner versteht, warum Euch die Laudatoren abhauen", sprach der Niederbayer die Aachener von möglichen Gewissensbissen frei. Die Guttenberg-Geschichte ist für ihn eine griechische Tragödie mit Karl-Theodor als schönem, tragischem Held im Geflecht von hinterhältigen Getreuen. "Ich komme im nächsten Jahr die Laudatio halten, wenn das Absagen nicht Pflicht wird", verabschiedete sich Otti.

Ottfried Fischer im Aachener XXL-Narrenkäfig

Der Präsident des Aachener Karnevalsvereins, Werner Pfeil, bezeichnete Fischer als "kabarettistische Naturgewalt Bayerns". Der Verein, so heißt es in der Begründung, ehre den Kabarettisten und Schauspieler für seine "zutiefst humane Sicht auf die kleinen und großen menschlichen Schwächen und deren unerschrocken humorvolle Aufarbeitung". Der Orden "Wider den Tierischen Ernst" wird seit 1950 für Humor und Menschlichkeit im Amt an Vertreter aus Politik, Kultur, Kirche oder Medien verliehen. Die Auszeichnung ist ein international anerkannter Kulturpreis.

Breitseite in Richtung Karl-Theodor

Die Laudatio auf Fischer hätte ursprünglich der Ordensträger des vergangenen Jahres halten sollen: Karl-Theodor zu Guttenberg. Doch wie schon im Vorjahr, als er bei der Verleihung kniff, schickte er auch diesmal wieder seinen jüngeren Bruder Philipp zur Festsitzung nach Aachen. Zur Freude aller im Saal feuerte Philipp auch eine verbale Breitseite in Richtung Karl-Theodor ab:

"Verpieselt hat er sich, gefloh'n - ist unser fränkischer Baron."

Philipp zu Guttenberg über seinen Bruder Karl-Theodor

Der Karnevalsverein honorierte Guttenbergs zweifaches Einspringen mit der Ehrenmitgliedschaft und einem ganz selten verliehenen Ehrenorden. Moderator Jürgen Beckers sprach aus, was sich viele Aachener insgeheim schon gedacht hatten: "Wird eigentlich Zeit, dass Sie mal selbst Ritter werden."