Landwirtschaft Gehversuche in einer anderen Welt
Sie haben Bankkauffrau gelernt oder Sportwissenschaften studiert. Doch ihren Traumberuf haben sie auf dem Land gefunden: Jetzt tragen sie Kopftuch, Overall und Gummistiefel. Marianne Bitsch von Bayern 2 hat einige dieser Bauersfrauen aus Berufung besucht.
Es ist der vierte Almsommer für Julia Schwarzenberger und der erste auf der Zöttbachalm im Tiroler Rofangebirge. Viereinhalb Monate allein, ohne Nachbarn in Sichtweite, ohne Supermarkt und ohne Fernseher.
Infiziert vom Almvirus
Julia Schwarzenberger ist in München und später in Burghausen aufgewachsen. Sie studierte Sportwissenschaften in Köln. Im 25. Stock ohne Bergblick packte sie jedoch das Heimweh. Sie setzte ihr Sportstudium in Innsbruck fort, lernte dort ihren Mann Georg Schwarzenberger kennen und bekam zwei Töchter und einen Sohn. Doch etwas fehlte noch zum Glück. Und so zieht sie seit vier Jahren über den Sommer mit Kind und Kegel auf die Alm. Sie ist, wie sie selbst es ausdrückt, "infiziert vom Almvirus. Es lässt einen nicht mehr los."
Die junge Frau wünscht sich, eines Tages einen eigenen Bauernhof zu besitzen. "Einen eigenen Garten zu haben und einen Obstbaum. Viele Leute sind sich nicht bewusst, was für ein Luxus das ist. Das ist mein, unser großer Traum", sagt sie. Und ihr Mann unterstützt diesen Traum: Georg Schwarzenberger arbeitet von Montag bis Mittwoch als Computerfachmann in Innsbruck und hilft von Donnerstag bis Sonntag auf der Alm - beim Melken, Käsen, Distelstechen, Hühner- und Schweinefüttern.
Geborgenheit und Freiheit im Bergdorf
Karin Agerer hingegen hat es schon gefunden, das Glück auf dem eigenen Bauernhof. Die Bankkauffrau aus Wuppertal lebt mit ihrem Mann im Hintersteiner Tal. Und sie bereut es nicht: "Ich würde alles nochmal genauso machen. Ich würde den Schritt auf jeden Fall wieder tun." Von der Familie, den Freunden und Kollegen erntete sie anfangs Unverständnis. Die Freiheit der Stadt mit der Enge des Dorfes tauschen? Das sieht Karin Agerer anders: "Ich genieße den Platz, die Entfaltungsmöglichkeiten, das Kreativ-Sein, dass ich den Garten gestalten oder mich im Verein einbringen kann."
Von der Seefahrt zur Landwirtschaft
Auch viele Mitglieder des Arbeitskreises Bergbäuerinnen im nahe gelegenen Unterjoch sind nicht auf dem Land, sondern in der Stadt aufgewachsen. Bärbel Gehring zum Beispiel kommt aus dem Vogtland und hat als Stewardess in der Seefahrt gearbeitet. Inzwischen lebt sie seit 26 Jahren glücklich auf dem Hof ihres Mannes in Unterjoch.
In dem Arbeitskreis organisieren die Bergbäuerinnen Hofbesichtigungen und Alpwanderungen für ihre Feriengäste. Das neue Leben brachte viele Umstellungen und manchmal trafen sie mit ihren neuen Ideen auf Unverständnis. Doch sie sind überzeugt: "Wir haben schon Schwung in das Dorf reingebracht."

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