Allgäuer Viehscheid Rindviecher kommen heim
Für die Milchkühe in den deutschen Alpen geht der Bergsommer zu Ende. Nun ist es Zeit für den Viehscheid im Allgäu und in Oberbayern. Die Rinder und das Jungvieh kehren von den saftigen Wiesen zurück in ihre Winterquartiere.
Bis zum 29. September 2012 machen sich die Hirten an vielen Orten mit den Kühen auf den Weg ins Tal. Auf dem Weg werden die Tiere einzeln "ausgeschieden" und in die Obhut ihrerer Besitzer zurückgegeben. Daher stammt auch der Begriff "Viehscheid".
Bunt geschmückt nach Hause
In den Allgäuer Bergen, zwischen Bodensee und den Königsschlössern, ist der Viehscheid ein großes Ereignis. Die Kühe werden für den Weg mit Blumen geschmückt und erhalten große Schellen um ihren Hals. Das Leittier, die sogenannte Kranzkuh, bekommt dabei einen ganz besonders pompösen Kopfschmuck. Bergab auf dem Weg in die heimischen Ställe führt die Kranzkuh die Herde an. Meist enthält der Kranz ein Kreuz für den himmlischen Schutz, sowie Spiegel und Glocken zur Abwehr böser Geister. Während im Oberallgäu nur unfallfreie Herden von einem Kranzrind angeführt werden, nehmen es die Hirten im Ostallgäu nicht mehr ganz so genau und schmücken jedes Leittier.
Zwischen Tradition und Attraktion
Sind Hirten und Tiere heil auf dem Vieh-Scheidplatz angekommen, werden sie mit Applaus begrüßt. Die besten Hirten, die 100 Tage lang die Verantwortung für eine ganze Herde zu tragen hatten, werden mit eigens angefertigten Kuhschellen ausgezeichnet. Und natürlich wird auf die erfolgreiche Viehscheid auch mit der einen oder anderen Mass Bier angestoßen. Bei Blasmusik und Bier herrscht dann meist Volksfest-Stimmung. Kritiker bemängeln jedoch schon lange, dass offensichtlich nur noch den Touristen zuliebe an der Tradition des Viehscheids festgehalten werde.
Viehscheid, Almabtrieb, Alpabtrieb
Eine Talwanderung, drei Begriffe: Wie die Bauern den Viehscheid nennen, ist regional unterschiedlich. Was in Oberbayern der Almabtrieb ist, ist im Allgäu der Viehscheid. Dabei feiern die Bergbauern mit dem Alpabtrieb das Ende der Saison in den Alpen, wie die Schwaben zu den Almen sagen. Nachdem der festliche Zug der Rindviecher im Dorf angekommen ist, versammeln sich die Herden am "Scheidplatz", wo sie dem jeweiligen Besitzer übergeben werden - daher, wie oben schon beschrieben, der Name "Viehscheid".

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