Klausen, Krampusse und Perchten in Börwang (Schwaben)
Raunächte Wo die wilden Gesellen laufen
Mit Höllenlärm und grusligen Masken ziehen wilde Gesellen übers Land: Zwischen den Jahren ist Perchtenzeit in Altbayern und Tirol. Der Ursprung des Brauches liegt im Dunkeln. Heut geht's vor allem um die Gaudi.
"Heid is d' Rauhnacht. Wer hods aufbracht? A oida Mo is iwa Stiagn owa krocha, hod se Bial und Boal o'brocha. Kropfa heraus, Kropfa heraus, oder mia stechan a Loch ins Haus!"
(Rauhnudlliad von 1725 in der Waldkirchner Version, Quelle: unbekannt)
So klingt's in den Raunächten zwischen Weihnachten und Heilig Drei König aus rauen Kehlen im Bayerischen Wald, entlang der Salzach und östlich von München. Handgeschnitze Masken, Kuhglocken und selbstgenähte, zottelige Kostüme - keine Frage: Die Perchtenläufe sind im südöstlichen Bayern auf dem Vormarsch. Auf Weihnachtsmärkten und bei eigenen Umzügen necken und erschrecken semiprofessionelle Brauchtums- und Tanzgruppen Jung und Alt.
Perchtenläufe (Auswahl, alle Angaben ohne Gewähr)
Junger Brauch
Woher der Brauch tatsächlich stammt, ist unklar. Erste schriftliche Zeugnisse für Perchtenläufe in Form von Verboten und Gerichtsakten gibt es erst seit Mitte des 16. Jahrhunderts, erklärt die Leiterin des Institus für Volkskunde an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Dr. Gabriele Wolf:
"Da geht es darum, dass die Leute vermummt Unfug getrieben haben. Man hat keine Vorstellung, in wieviel Orten das war, in welchen Regionen das verbreitet war. Man muss bei den heutigen Perchtenläufen von einem relativ jungen Brauch ausgehen, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg enstanden ist und sich eigentlich erst seit den 1990er-Jahren in dem Maße ausbreitet, wie wir das heute kennen."
(Quelle: Dr. Gabriele Wolf)
Frau Percht, der Teufel und der Mühlhiasl
Die vier traditionellen Raunächte
- 21./22. Dezember (Thomasnacht)
- 24./25. Dezember (Christnacht)
- 31. Dezember/1. Januar (Sylvesternacht)
- 5./6. Januar (Epiphaniasnacht)
Zentrale Figuren der Raunächte sind die zwiegesichtige Frau Percht (vorne Sonne, hinten Teufel), die musizierenden Schönperchten, die lärmenden Schiachperchten und der Teufel. Im Bayerischen Wald dagegen treiben eine Howagoaß genannte alte Ziege, die heilige Luzie, der Woidhausmich, der Glashüttengeist und der Durandl ihr Unwesen. Derweil lässt der Dodana gruselige Prophezeiungen vom Mühlhiasl über "eiserne Vögel" und das große "Bänkeabräumen" hören.
Die Perchten
Frau Percht
Janusköpfig kommt Frau Percht daher: Die zentrale Figur der Perchtenläufe ist vorne Sonne und hinten Teufel (in manchen Regionen auch andersherum). Manche deuten sie als Personifikation der nordischen Göttin Frigg (Gattin des Odin und Patronin Ehe ) oder der germanischen Göttin Freya (Göttin der Fruchtbarkeit), doch ist der Ursprung der Figur umstritten.
Teufel
Zentrales Motiv ist die Dualität von Tag und Nacht, Gut und Böse, Leben und Sterben. Diese Dualität wird symbolisiert durch Frau Percht und gemeinsdam auftretende, gegensätzliche Charaktere. Der Teufel ist der "schiachste" Percht. Er treibt Mädchen in die Arme der Schönperchten.
Schönpercht
Schönperchten stehen zumeist für das Leben, das Licht und die Ordnung. Oft begleiten sie die Musikperchten und machen nicht weniger Lärm als diese. Sie versinnbildlichen auch den Frühling, die Fruchtbarkeit und die Wärme.
Musiker
Mit Trommeln, Kuhglocken und Blasinstrumenten sollen, so sagt's jedenfalls der Brauch, böse Geister und der Winter ausgetrieben werden. Im Aussehen unterscheiden sich die Perchten sehr, doch alle haben eine Glocke.
Tänzer
Mit dem Tanz sollen das Böse ausgetrieben und das Gute gebunden werden. Die Tänzer hüpfen, wirbeln und fegen durch die Straßen. Im Zentrum ihres Tanzkreises steht meist Frau Percht.
Schlenzer
"Schlenzer" und Schnabelperchten sind eng verwandt. Die "Schlenzer" erschrecken und ärgern Zuschauer, sammeln Geld oder versuchen, Gegenstände zu stibitzen.

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