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Leonhardiritte Zu Ehren eines ganz besonderen Heiligen

Er nimmt im bayerischen Heiligenhimmel eine ganz besondere Rolle ein. So tief war die Verehrung einst, dass man ihn den "Bauernherrgott" nannte. Gemeint ist der heilige Leonhard, zu dessen Gedenken es in Oberbayern zahlreiche Leonhardiritte gibt.

Stand: 05.11.2015 | Archiv

Leonhardifahrt Bad Tölz | Bild: picture-alliance/dpa

Der Leonhardiritt, auch Leonhardifahrt oder Leonhardifest genannt, gehört zu den ältesten christlichen Bräuchen Bayerns. Er findet zu Ehren des heiligen Leonhard von Limoges an seinem Gedenktag am 6. November oder an einem naheliegenden Wochenende statt und wird seit über einem halben Jahrtausend zelebriert. So geht das älteste Zeugnis einer Leonhardifahrt in Kreuth am Tegernsee auf das Jahr 1442 zurück, in Reichling gar bis auf das Jahr 1435.

Stallheiliger der Bauern schützt Tiere

Leonhard gilt als der Stallheilige, den die Bauern vergangener Tage um Hilfe baten, wenn ein Tier erkrankte oder die Geburt eines Kalbes oder Fohlens ins Haus stand. Auf Hochglanz gestriegelt und fein herausgeputzt, stehen die Rösser im Mittelpunkt dieser herbstlichen Wallfahrt. Prachtvoll geschmückt sind auch die Pferdewagen und wer an der Prozession teilnimmt, trägt Tracht: ein eindrucksvolles und farbenfrohes Schauspiel.

Leonhard von Noblac: vom Abt zum Einsiedler

Darstellung des Heiligen Leonhard auf einem Wagen

Leonhard war Abt von Noblac bei Limoges und wirkte um das Jahr 500 am Hofe des Frankenkönigs Chlodwig. Doch statt ein ihm angetragenes Bistum zu übernehmen, zog er sich in ein einsames Waldstück zurück, um zu beten und Kranke zu heilen. Durch seine Fürsprache erlangten zahlreiche "politische Gefangene" des Merowingerherrschers die Freiheit, weshalb Sankt Leonhard zunächst zum Schutzpatron der Gefangenen und Geisteskranken avancierte.

Das In-Eisen-Legen kam aus der Mode

Nachdem das In-Eisen-Legen in der frühen Neuzeit aus der Mode kam, erhielten die Ketten Leonhards, der als "Kettenheiliger" dargestellt wurde, eine neue Funktion: Die Bauern interpretierten sie als Viehketten, und so wurde der Wald-Abt von Noblac zugleich zum Schutzpatron der Kühe und Pferde. Bald zählte er im Süddeutschen und im Böhmischen zu den "14 Nothelfern", sollte schmerzende Zähne, entzündete Augen und die Syphilis heilen und vertrat neben Rossbauern und Stallknechten auch andere Berufsgruppen wie Böttcher, Schlosser und auch Wöchnerinnen vor ihrem Schöpfer.

Leonhardiritte 2015



Freitag, 6.11.2015

  • Leonhardiritt in Greimharting, Prien am Chiemsee
  • Leonhardifahrt Bad Tölz
  • Leonhardifahrt in Murnau
  • Leonhardiritt in Biberg
  • Leonhardifahrt in Kreuth am Tegernsee

Samstag, 7.11.2015

  • Leonhardifahrt in Hundham
  • Leonhardiritt in Schongau

Sonntag, 8.11.2015

  • Leonhardiumritt Abfahrt in Schliersee
  • Leonhardiritt in Utting am Ammersee
  • Leonhardifahrt Benediktbeuern
  • Leonhardiritt in Übersee-Almau
  • Leonhardiritt in Wonneberg
  • Leonhardiritt in Rottenbuch
  • Leonhardiumritt in Lippertskirchen bei Bad Feilnbach
  • Leonhardiritt in Lauingen
  • Leonhardiritt in Ichenhausen
  • Leonhardiritt in Garmisch-Partenkrichen
  • Leonhardiritt in Pietzenkirchen
  • Leonhardiritt in Kirchweidach
  • Leonhardiritt in Preisendorf
  • Leonhardiritt mit Pferdesegnung in Bogen
  • Leonhardiritt in Festenbach
  • Pferdesegnung mit Umritt an der Bachkapelle, Reichersbeuern

Sonntag, 15.11.2015

  •  Leonhardiritt in Graben

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