Leonhardifahrt 2011 in Murnau
Leonhardiritte Hoch zu Ross für den "Bauernherrgott"
Er nimmt im bayerischen Heiligenhimmel eine ganz besondere Rolle ein. So tief war die Verehrung einst, dass man ihn den "Bauernherrgott" nannte. Gemeint ist der heilige Leonhard, zu dessen Gedenken es jetzt in Oberbayern zahlreiche Leonhardiritte gibt.
Der Leonhardiritt, auch Leonhardifahrt oder Leonhardifest genannt, gehört zu den ältesten christlichen Bräuchen Bayerns. Er findet zu Ehren des heiligen Leonhard von Limoges an seinem Gedenktag am 6. November oder an einem naheliegenden Wochenende statt und wird seit über einem halben Jahrtausend zelebriert. So geht das älteste Zeugnis einer Leonhardifahrt in Kreuth am Tegernsee auf das Jahr 1442 zurück, in Reichling gar bis auf das Jahr 1435.
Stallheiliger der Bauern schützt Tiere
Leonhard gilt als der Stallheilige, den die Bauern vergangener Tage um Hilfe baten, wenn ein Tier erkrankte oder die Geburt eines Kalbes oder Fohlens ins Haus stand. Auf Hochglanz gestriegelt und fein herausgeputzt, stehen die Rösser im Mittelpunkt dieser herbstlichen Wallfahrt. Prachtvoll geschmückt sind auch die Pferdewagen und wer an der Prozession teilnimmt, trägt Tracht: ein eindrucksvolles und farbenfrohes Schauspiel.
Leonhard von Noblac: vom Abt zum Einsiedler
Leonhard war Abt von Noblac bei Limoges und wirkte um das Jahr 500 am Hofe des Frankenkönigs Chlodwig. Doch statt ein ihm angetragenes Bistum zu übernehmen, zog er sich in ein einsames Waldstück zurück, um zu beten und Kranke zu heilen. Durch seine Fürsprache erlangten zahlreiche "politische Gefangene" des Merowingerherrschers die Freiheit, weshalb Sankt Leonhard zunächst zum Schutzpatron der Gefangenen und Geisteskranken avancierte.
Das In-Eisen-Legen kam aus der Mode
Nachdem das In-Eisen-Legen in der frühen Neuzeit aus der Mode kam, erhielten die Ketten Leonhards, der als "Kettenheiliger" dargestellt wurde, eine neue Funktion: Die Bauern interpretierten sie als Viehketten, und so wurde der Wald-Abt von Noblac zugleich zum Schutzpatron der Kühe und Pferde. Bald zählte er im Süddeutschen und im Böhmischen zu den "14 Nothelfern", sollte schmerzende Zähne, entzündete Augen und die Syphilis heilen und vertrat neben Rossbauern und Stallknechten auch andere Berufsgruppen wie Böttcher, Schlosser und auch Wöchnerinnen vor ihrem Schöpfer.
Ausgewählte Leonhardiveranstaltungen 2011
Montag, 7.11.
Bad Tölz
9.00 Uhr Leonhardifahrt durch die Markstraße hinauf zum Kalvarienberg. Bei der 156. Tölzer Leonhardifahrt ziehen über 70 geschmückte vierspännige Truhen- und Tafelwagen mit, zudem mehrere hundert Reiter mit ihren Pferden.
Sonntag, 13.11.
Bad Heilbrunn
13.00 Uhr Leonhardiritt
Festenbach
14.00 Uhr Leonhardiritt
Graben bei Ramerberg
13.30 Uhr Leonhardiritt
Lenggries
8.00 Uhr Gottesdienst, 9.00 Uhr Leonhardiritt
Partenkirchen
13.00 Uhr Andacht mit Pferdesegnung

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