Bayern - Kult & Brauch

Leonhardizug in Fürstenfeldbruck Max, Moritz und die selige Edigna

Hunderte Blüten und Blätter wurden verarbeitet, unzählige Arbeitsstunden geleistet. Auch in diesem Jahr hatte sich der Edigna-Verein in Puch mächtig ins Zeug gelegt, um aus einem einfachen Ochsenkarren einen prächtigen Leonhardi-Festwagen zu machen.

Stand: 27.10.2012

Max und Moritz sind mit ihren sechs Jahren bereits Leonhardi-erfahren. Sie zogen die Selige Edigna dieses Jahr zum vierten Mal beim Leonhardizug durch Fürstenfeldbruck. Zwei Ochsen, so wie es die Legende erzählt. Zwischen all den Pferden beim Leonhardi-Ritt sind die beiden aus Wielenbach ein echter Hingucker.

Edigna-Verein als Seele des Dorfes

Max und Moritz zogen den Festwagen bereits im letzten Jahr.

Einen Tag vor dem Leonhardiritt hat der Edigna-Verein aus Puch den Ochsenkarren geschmückt. Viele Vereinsmitglieder begleiten den Wagen während des Zuges. Sie sind in mittelalterliche Gewänder geschlüpft, meist Kostüme aus dem Fundus des Edigna-Vereins. Der Verein zu Ehren der Seligen, die im 12. Jahrhundert in einer Linde gewohnt und den Menschen Gutes getan haben soll, wurde 1969 gegründet. Er fördert das kulturelle und soziale Leben des 600-Einwohner-Dorfes am Rande Fürstenfeldbrucks. Alle zehn Jahre bringen seine Mitglieder das Edigna-Gedenkspiel auf die Bühne. Ein Ereignis, das schon über die Region hinaus bekannt ist.

Die selige Edigna

Legende

Der Wagen des Edigna-Vereins wird für den Leonhardizug hergerichtet | Bild: Ursula Zimmermann

Weil sie ihr Vater verheiraten wollte, floh die französische Königstochter Edigna und suchte statt Reichtum und Macht das einfache Leben. Gekleidet wie eine Bettlerin, reiste sie mit Glöckchen und Hahn durchs Land.

Als sie eines Tages von einem Fuhrmann auf seinem Ochsenkarren mitgenommen wurde, schlief sie ein. Plötzlich bimmelte ihr Glöckchen und ihr Hahn krähte. Sie schreckte hoch, der Karren hielt an und sie standen neben einer Linde. Edigna deutete den Baum als Zeichen Gottes, der ihr diesen Platz als Wirkungsstätte zugewiesen hatte.

Wirken

Edigna-Linde in Puch | Bild: Ursula Zimmermann

Edigna lebte fortan als Einsiedlerin in der hohlen Linde, predigte, lehrte und half vielen Menschen in Not.

Sie starb am 26. Februar 1109. Glaubt man der Legende, floss an diesem Tag aus der Linde ein heilendes Öl. Allerdings nur solange, bis geschäftige Leute es verkaufen wollten. Dann versiegte das Öl. Was blieb, sind unzählige Wunder an Menschen und Tieren, die der seligen Edigna zugeschrieben wurden.

Die Pucher Kirche, der Ort an dem sie im 12. Jahrhundert gewirkt haben soll, entwickelte sich bald zum Wallfahrtsort.

Patronin

Edigna-Votivtafel in St. Sebastian in Puch | Bild: Ursula Zimmermann

Eigentlich ist Edigna eine Allround-Patronin: Sie hilft im Alltag, im Unglück, bei Krankheit, aber auch wenn die Schlüssel verloren gegangen sind oder die Geldbörse gestohlen wurde. Die Hl. Edigna hat immer gut zu tun.

Unzählige Votivtafeln in der Sebastianskirche in Puch erzählen davon, wie sie den Menschen geholfen hat.

Der Bauerngott an der Amper

Kloster Fürstenfeldbruck

Obwohl in Fürstenfeldbruck der Leonhardiritt gar keine so alte Tradition hat - ihn gibt es seit 1921 - ist die Verehrung des Bauernherrgotts hier in der Stadt an der Amper schon sehr alt. Sie reicht ins 13. Jahrhundert zurück und ist eng verbunden mit der Gründung des Zisterzienserklosters Fürstenfeld im Jahr 1263. 1440 wurde in Bruck eine eigene Leonhardikirche geweiht.

Dass der Leonharditag in der Kreisstadt jedes Jahr groß gefeiert wird, geht auf ein Gelübde des Jahres 1743 zurück: Damals grassierte ine Viehseuche und die Bürger baten den Hl. Leonhard um Beistand. Sie gelobten jedes Jahr einen feierlichen Gottesdienst an seinem Gedenktag.


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