Bayern - Kult & Brauch

Dialekt-Lobby gespalten Sie redn Boarisch und san zkriagt

Stand: 12.12.2011

Um das gleiche Ziel ging es ihnen schon immer: die Rettung der Bairischen Sprache. Doch welcher Weg der richtige ist, darüber gehen seit Jahren die Meinungen der Dialektpfleger auseinander. Konsequenz: zuständig fühlen sich jetzt gleich zwei Vereine.

Der sanfte Weg

Horst Münzinger | Bild: SZ Photo/Stephan Rumpf zum Audio Interview "Ich will nicht belehren"

Horst Münzinger ist Vorstand des „Förderverein Bairische Sprache und Dialekte“. Zwei seiner Kollegen haben sich nun abgespaltet und einen neuen Verein gegründet. [mehr]


Der seit 1989 aktive „Förderverein Bairische Sprache und Dialekte" (FBSD) macht sich für einen offenen Umgang mit dem Erhalt des bairischen Dialekts stark. "Wir wollen die Dinge begleiten, sanft unterstützen", sagt Vereinsvorstand Horst Münzinger. Der FBSD versucht, vor allem durch Veranstaltungen die bairische Sprache wieder unter die Leute zu bringen. Die kämen bei der Jugend gut an, so Münzinger: "Man merkt das auch insbesondere in der musikalischen Szene, dass also Bairisch durchaus wieder in ist". Zu den Veranstaltungen gehört auch der landesweite MundArt-Wettbewerb „higschaugt - zug'horcht - mitgschwätzt“. Grundschüler waren aufgerufen, ihren heimatlichen Dialekt kreativ darzustellen. Das Kultusministerium wertete den Wettbewerb als Erfolg. Großen Zulauf hatte auch der Stand des FBSD auf der "Oidn Wiesn" des Münchner Oktoberfests. Dort konnten die Besucher ihre Bairisch-Kenntnisse bei einem Preisrätsel testen.

Der akademische Ansatz

Einigen Vereinsmitgliedern des FBSD gingen diese Maßnahmen allerdings nicht weit genug. Allen voran Sepp Obermeier, ehemals Vorstand des Bezirksverbands Niederbayern-Oberpfalz. Er will nicht auf folkloristischer, sondern auf sprachwissenschaftlicher Ebene Überzeugungsarbeit leisten. Seit Jahren hält er Vorträge über den Nutzen der Bairischen Sprache, denn Wissenschaftler haben herausgefunden: wer mit einem Dialekt aufwächst, lernt später umso leichter Fremdsprachen. Anerkennung für seine Arbeit habe er beim FBSD allerdings nie bekommen, so Obermeier: "Wenn man in der gesamtbayerischen Presse vorkommt, aber nicht in der eigenen Vereinszeitung, dann reicht's". Deshalb gründete er nun mit Hans Triebel, einem der prominentesten Dialektpfleger, seinen eigenen Verein, den „Bund Bairische Sprache“. Triebel erregte zuletzt großes Aufsehen mit einer „tschüssfreien" Zone in seinem eigenen Wirtshaus im oberbayerischen Weyarn. Ihre Vereinsarbeit wollen sie vor allem auf den vorschulischen Bereich konzentrieren. "Bairisch sprechende Kinder sollen in ihrem Dialekt wieder bestärkt werden, anstatt ihn ihnen auszutreiben", wünscht sich Obermeier.

Bairisch ist nicht gleich Bayerisch

Babylonische Sprachvielfalt

Bayerisch-Franken

Dialektkunde

Den Dialekt, der in Mittel-, Ober- und Unterfranken gesprochen wird, bezeichnen Sprachwissenschaftler als Ostfränkisch. Ostfränkisch deshalb, weil sich die fränkische Mundart bis Frankreich, Belgien und die Niederlande erstreckt. Charakteristisch ist die binnendeutsche Konsonantenschwächung: p, t, k werden zu b, d, g.

Dialektpflege auf Fränkisch

Einen offiziellen fränkischen "Dialektpflege-Verein" gibt es nicht, dafür gibt es einige Mundart-Projekte an den fränkischen Universitäten. Außerdem hat die Bayerische Akademie der Wissenschaften das Handwörterbuch von Bayerisch-Franken herausgegeben. Mundartforscher haben darin versucht, auf 640 Seiten ein Spiegelbild der gesamten fränkischen Mundart zu geben.

Fränkisch vom Aussterben bedroht?

Auch Ostfränkisch steht auf der roten Liste der UNESCO. Im "Wörterbuch für Ostfranken" sind die Begriffe, die vermutlich ausgestorbenen sind, mit einem "x" versehen. So zum Beispiel auch der Begriff "Fätsche", das Wickelband zum Wickeln von Kleinkindern.

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