Bayern - Kult & Brauch

Berchinger Rossmarkt PS und Politik trotz Kälte

Der Berchinger Rossmarkt ist das größte Wintervolksfest in Bayern. Und es wird Politik gemacht. Heute war Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu Gast. Wegen der Eiseskälte kamen diesmal deutlich weniger Besucher.

Stand: 08.02.2012

Für manche Pferdebesitzer ist der Termin in Berching Pflicht. Sie kommen seit Jahrzehnten hierher, um ihre Rösser bestaunen zu lassen. Für diesen Tag sind diese extra herausgeputzt und prächtig geschmückt. Immerhin erhalten die stolzen Besitzer für jedes Tier eine Auftriebsprämie. Je nach Rasse beträgt sie zwischen 20 und 55 Euro. Wegen der eisigen Temperaturen wurden diesmal aber deutlich weniger Pferde gezeigt als erwartet: Statt 125 angemeldeten Tieren von 50 Haltern wurden nur 75 festlich geschmückte Tiere von 30 Pferdehaltern präsentiert. Und auch der Besucheransturm musste den niedrigen Temperaturen Tribut zollen: Statt der erwarteten 20.000 Gäste kamen laut Polizeiangaben nur 9.000.

Politische Bühne

Weit über die Region hinaus bekannt ist der Berchinger Rossmarkt auch wegen seiner politischen Schwergewichte. Im vergangenen Jahr sprach der bayerische Ministerpräsident zu den Besuchern. Diesmal kam Landtagspräsidentin Barbara Stamm. "Bayern geht es gut", lautete ihre zentrale Botschaft, die sie mit Zahlen aus den unterschiedlichsten Bereichen belegte. Stamm forderte in ihrer Rede auch ein Verbot der rechtsextremen NPD.

Politprominenz hat in Berching Tradition: Franz Josef Strauß war einst fünfmal da, auch Alfons Goppel, Max Streibl, Edmund Stoiber und Günther Beckstein statteten dem mittelalterlichen Städtchen Besuche ab. 1998 war sogar der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl zu Gast.

Pferde, Buden und Politik

Die drei können sich sehen lassen.

Neben der politischen Rede stehen natürlich die Pferde im Mittelpunkt des Winterfestes. Rund 150, oftmals aufwendig geschmückte Prachtexemplare können auf dem Berchinger Marktplatz bestaunt werden. Dort bieten auch zahlreiche Händler ihre Waren an: vom Hosenknopf bis zur Rosswurst.

Ratsbeschluss von 1722

Die Geschichte des Rossmarkts in Berching reicht Jahrhunderte zurück. Ein Beleg für die Einführung einer jährlichen "Rossbeschauung" findet sich schon in einem Ratsbeschluss von 1722. Dabei ging es zunächst nicht darum, die Tiere zur Schau zu stellen. Vielmehr sollten Tierärzte ansteckende Pferdeseuchen verhindern. Denn auf die Gesundheit der Pferde wurde höchster Wert gelegt, waren sie doch Arbeits- wie Fortbewegungsmittel und sicherten ihren Besitzern das Überleben.

Von der Rossbeschau zur Zuchtschau

Beim Schmücken wird an alles gedacht.

Nachdem Dampfrösser und Zugmaschinen mit Hunderten Pferdestärken das Nutztier Pferd nach und nach verdrängten, verlor der Rossmarkt an Bedeutung. Deshalb lockten die Berchinger 1926 das erste Mal die Besucher mit einem reinen "Pferde- und Fohlenmarkt" in ihr über mehr als tausend Jahre altes Städtchen. Sie erhöhten die Prämien für die Pferdebesitzer, verwandelten den Pferdemarkt in die jetzige Pferdeschau mit großem Warenmarkt und holten schließlich Politiker als Festredner. Das hatte Zugkraft: Seit Anfang der 1970er-Jahre kommen zum winterlichen Rossmarkt mit Volksfestcharakter Jahr für Jahr Zehntausende Besucher, immer "am ersten Mittwoch nach dem ersten Dienstag im Februar", so heißt es auf der Webseite der Gemeinde im Naturpark Altmühltal.