Bayern - Geschichte


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Ludwigs mysteriöser Tod Was geschah am 13. 6. 1886?

Eher taucht wohl das verschollene Bernsteinzimmer wieder auf, als dass sich das Geheimnis um Ludwigs Ende noch lüften ließe. Nach offizieller Darstellung ist er ertrunken, doch die genauen Umstände seines mysteriösen Todes am 13. Juni 1886 sind bis heute nicht geklärt.

Stand: 20.05.2011 | Archiv

König Ludwig II: Kreuz im Starnberger See | Bild: picture-alliance/dpa

Der Reihe nach: Mit seinen Schlossbauten und diversen anderen Ausgaben strapazierte Ludwig die Kabinettskasse so arg, dass sich der Schuldenberg 1884 bereits auf über acht Millionen Reichsmark türmte. Spätestens jetzt war für die Minister gesteigerter Handlungsbedarf gegeben - schon allein deswegen, weil sie ihre eigene Macht und das Ansehen Bayerns gefährdet sahen. Ohnehin hielt man Ludwig mittlerweile für einen Verrückten, dessen man sich entledigen sollte.

Ein Wahnsinns-Gutachten

Was tun, das war die große Frage - hatten doch die Bayern in Sachen Königssturz keine große Erfahrung. Ludwig die Abdankung nahe legen, das wagte man nicht. Da kam man schließlich auf die Idee der Entmündigung. Dazu musste man ihn zwar für geisteskrank erklären, aber angesichts seiner Bizarrerien erschien das den Verantwortlichen durchaus plausibel.

Votivkirche und Gedenkkreuz am Todesort

Gesagt, getan: Ministerpräsident Johann von Lutz beauftragte im März 1886 Obermedizinalrat Dr. Bernhard von Gudden, seines Zeichens Spezialist für Gehirnanatomie (sprich: Irrenarzt), ein Gutachten über Ludwigs Geisteszustand zu erstellen.

"Seine Majestät sind in sehr weit fortgeschrittenem Grade seelengestört. Allerhöchstdieselben leiden an jener Form von Geisteskrankheit, die mit dem Namen Paranoia bezeichnet wird."

Aus dem Gutachten des Arztes Bernhard von Gudden

Am Ende war er nur noch ein Schatten

Da man den König schlecht zum Arzttermin einbestellen konnte, fertigte von Gudden seine "Expertise" mit dem gewünschten Ergebnis in Ludwigs Absenz an. Das genügte, um dessen Regierungsunfähigkeit festzustellen und Prinzregent Luitpold die Regierungsgeschäfte zu übertragen. Ob Ludwig tatsächlich geisteskrank war, ist bis heute umstritten.

Immer wieder wurden posthum Diagnosen gestellt, in der Tat meist mit dem Ergebnis: paranoide Schizophrenie. Zumindest scheint der in seinen letzten Jahren völlig Vereinsamte an Halluzinationen gelitten zu haben. Ohne Zweifel baute er physisch stark ab. Er aß unmäßig und ungesund, trank viel Alkohol. Sein einst schlanker Körper war aufgedunsen und fast alle Zähne fielen ihm aus. Zum Schlafen benötigte er Medikamente. Am Ende war er nur noch ein Schatten früherer Tage.

Provinzposse endet als Kriminalstück

Ludwig saß derweil auf Neuschwanstein - noch nicht ahnend, was auf ihn zukam. Um ihm die Nachricht von seiner Absetzung zu überbringen, schickte man eine Staatskommission zum nahe gelegenen Schloss Hohenschwangau. In höchst geheimer Mission. Ein abtrünniger Kutscher eilte allerdings nach Neuschwanstein voraus und warnte Ludwig.

Der ließ flugs das Schloss absperren, seine Gendarmen konnten den halbherzigen Angriff aus München locker abschmettern. Man rechnete auch nicht mit der Königstreue einiger Allgäuer Bauern, die sich der Kommission wacker in den Weg stellten.

Die Blamage war erstmal perfekt. Kurzzeitig trug sich Ludwig mit dem Gedanken, vom Schlossturm in den Tod zu springen. Schließlich kapitulierte er aber vor der Übermacht seiner Gegner und ließ sich am 12. Juni 1886 widerstandslos nach Berg am Starnberger See bringen. Dort hatte man Ludwigs kleines Königsschloss vorsorglich in eine Privatirrenanstalt umgewandelt. Da saß er nun - rund um die Uhr beobachtet. Ein Wahnsinniger ist gefährlich, dachte man, und stellte für Ludwigs Spaziergänge mit Dr. von Gudden Wachpersonal ab.

"Diese Schmach überlebe ich nicht."

Ludwig während der Zwangsüberstellung nach Berg

Tod im See

Nicht aber am Abend des 13. Juni. Um 18.45 Uhr verließen beide das Gebäude, doch aus unbekannten Gründen verzichtete von Gudden diesmal auf Schutzbegleitung.

Der tote König im Sarg (Zeichnung des Hofmalers Josef Arpád Koppay)

Als sie um 20 Uhr trotz mittlerweile starken Regens immer noch nicht zurück waren, wurde man im Schloss langsam unruhig. Alle verfügbaren Kräfte durchsuchten nun den Park. Mit einem Fischerkahn fuhr man das Seeufer ab. Gegen 23 Uhr stieß man auf einen im Wasser treibenden toten Körper: der König in Hemdsärmeln.

Die "Tatwaffe"

Daneben schwamm eine zweite Leiche, die des vollständig bekleideten von Gudden. Ludwigs Uhr war um 18:54 Uhr stehengeblieben. Die Obduktion ergab bei ihm keine Verletzungen. Von Guddens Gesicht wies Kratzwunden und einen blauen Fleck auf.

Hintergrund - eine Auswahl der gängisten Todes-Theorien

  • Die offizielle Version lautet wie folgt: Ludwig benutzte den Spaziergang, um im See Selbstmord zu begehen. Von Gudden wollte ihn daran hindern. Es kam zum Handgemenge, wobei Ludwig den 62-jährigen Arzt unter Wasser drückte. Anschließend starb der König nicht durch Ertrinken, sondern durch einen Herzschlag im 12 Grad kalten Wasser.
  • Darüber hinaus mangelt es nicht an Theorien über einen Mord an Ludwig: Bismarck musste schon als Auftraggeber herhalten, auch der bayerische Ministerpräsident von Lutz soll dahintergesteckt haben. Für manche hat sogar von Gudden selbst Hand angelegt. Königstreue behaupten mit steter Regelmäßigkeit, dass ihr "Kini" hinterrücks erschossen wurde. Neuestes "Beweisstück" dafür soll eine Windbüchse sein.
  • Oder die Fluchtvariante: Ludwig wollte schwimmend fliehen, ertrank aber (obwohl er ein guter Schwimmer war). Sisi hat man dabei sogar eine Fluchthelferrolle angedichtet.

Die Ungewissheit über Ludwigs Todesumstände wird vermutlich bleiben - ganz in seinem Sinn: "Ein ewiges Rätsel bleiben will ich mir und anderen."


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