Bayern - Geschichte


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Landesausstellung 2012 Ungleiche Brüder: Bayern und Österreich

Mal liebten sie sich, mal hassten sie sich. Die Beziehung von Bayern und Österreich war in den vergangenen Jahrhunderten recht wechselvoll. In der Landesausstellung 2012 widmen sich die Nachbarn gemeinsam ihrer Geschichte.

Von: Michael Kubitza

Stand: 12.04.2012 | Archiv

Die Burg von Burghausen | Bild: burghausen.de

Am Ende wären es fast noch 600.000 geworden: Die Bayerische Landesausstellung 2011 über König Ludwig II. zog mehr Besucher an als jede andere zuvor und ist damit die erfolgreichste deutsche Geschichtsschau seit 1978 überhaupt. "Die Preußen haben wir auch überholt", freut sich Richard Loibl, Chef im Haus der Bayerischen Geschichte. Die Berliner Ausstellung: "Preußen. Versuch einer Bilanz" sahen 1981 480.000 Besucher. Zwar schlägt Berlin 2012 zum 300. Geburtstag des "Großen Fritz" zurück, aber auch darauf ist Loibl vorbereitet: "Im nächsten Jahr reisen wir mit Ludwig II. nach Berlin."

2012: Zwei Länder, drei Orte, ein Thema

Eigentlich geht es 2012 aber um andere Nachbarn, mit denen die Bayern seit Jahrhunderten ""Verbündet – Verfeindet – Verschwägert" sind: so der Titel der kommenden Landesausstellung. Es geht um das wechselhafte Verhältnis zwischen Bayern und Österreich, das inzwischen so gut ist, dass die beiden "streitbaren Bergvölker" erstmals im großen Stil gemeinsam Rückschau halten. Die Landesausstellung findet daher an drei Orten gleichzeitig statt: Auf österreichischer Seite werden das Schloss Mattighofen im Innviertel und die Grenzstadt Braunau die Beziehung in der Neuzeit abdecken, Burghausen reist ins Mittelalter. Der Bayerische Rundfunk ist auch mit von der Partie.

Die Landesausstellung in der Bayern 2-Podcast-Tankstelle

Hinter den beiden Nachbarn Bayern und Österreich liegt eine bewegte Geschichte. Hören Sie, warum die Schmuggler an der bayerisch-tirolerischen Grenze bewundert wurden, warum Mozart München liebte oder warum di bayerische Prinzessin Sisi als österreichische Kaiserin so unglücklich war. Die Sendungen können Sie kostenlos herunterladen und anhören.

Eine Ausstellung, zwei Länder, drei Standorte

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Burghausen als Machtzentrum

"Taufschein" Österreichs: Die Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. erwähnt erstmals "die Gegend, die in der Volkssprache Ostarrîchi heißt".

Die längste Burg der Welt an der deutsch-österreichischen Grenze ist der ideale Schauplatz für eine Ausstellung über Österreicher und Bayern: War es doch neben dem Klerus vor allem der bayerische Ritteradel, der sich ab dem 8. Jahrhundert aufmachte, die dünn besiedelte Gegend im Osten, die "regio orientalis", zu erschließen. Im 11. und 12. Jahrhundert war Burghausen dann Machtzentrum der Sighardinger, die auch über Teile Österreichs herrschten. Danach ging die Burg in den Besitz der Wittelsbacher über, die sie zur heute bekannten Langfestung ausbauten, um von ihr aus die Ländereien "Innbaierns" im Blick zu haben - jene Gebiete jenseits von Inn und Salzach, die erst 1779 an Österreich fielen und seither als Innviertel bekannt sind.

Von Kunstschätzen und Zauberharfen

Wie ein Hamsterlaufrad funktioniert dieser Tretkran, mit dem man im Mittelalter Lasten hinaufwuchtete. In der Ausstellung kann man ihn erproben.

Waffengeklirr uind große Politik sind jedoch nur ein Thema der Landesausstellung. Die Schau in der Burghausener Burg will Fragen an die Geschichte aufwerfen, Antworten geben und (be-)greifbar machen. Kunstschätze aus österreichischen Klöstern werden gezeigt und erklärt, Alltagsdinge zum Anfassen präsentiert. Warum etwa schenkte der bayerische Herzog Tassilo dem Kloster Kremsmünster einen kostbaren Kelch? Was ist in der "Geburtsurkunde" Österreichs aus dem Jahr 996 zu lesen? Was ist eine Zauberharfe? Die Besucher dürfen selber auf einer spielen oder sich daran probieren, in einem Tretrad-Kran Gewichte für den Burgenbau zu stemmen.

Landesausstellung mal Zwei

Während Burghausen das Mittelalter ins Auge fasst, beschäftigen sich die beiden oberösterreichischen Schauplätze Braunau und Ranshofen mit den Ereignissen und Verhältnissen jüngerer Zeit. In den Schlossanlagen von Ranshofen und Mattighofen sowie im sehenswerten Mattighofener Zinngießerhaus finden die wechselvollen Beziehungen der Herrscherhäuser Habsburg und Wittelbach Raum.

Rückblick

"Jetzt hat der König Schwimmflügel"

575.327 Besucher sind es am Ende geworden - die meisten beeindruckt. Der Aufwand war entsprechend hoch: Der bisher leerstehende Nordflügel von Herrenchiemsee wurde für die Schau - und die Zukunft - komplett hergerichtet, der Werbebus mit seinem an Andy Warhol erinnernden Königsdekor reiste durch halb Europa. Am Ende hatte die Schau soviele Kini-Fans aus der Nachbarschaft, dem Ausland und sogar dem hawaiianischen Maui angelockt, dass die Chiemseeregion ein Übernachtungsplus von 18 Prozent verbuchen konnte.

Was Richard Loibl vom verantwortlichen Haus der Bayerischen Geschichte besonders freute: "Ich wusste nicht, dass es auch in Wiesbaden einen Ludwig-Fanclub gibt. Bis der dann in der Ausstellung stand, in schönster bayerischer Tracht." Ums Überleben künftiger Königsgeschlechter machte sich ein mutmaßlich jüngerer Besucher verdient: Er zeichnete ein paar Schwimmflügel ins Gästebuch, die seither zusammen mit einem Eintrag von Ex-Bundespräsident Horst Köhler und einigen echt japanischen Mangas an das Historienspektakel des Jahes 2011 erinnern.


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