Bayern - Bayern hoch 7

Bayern hoch 7 Die Trettachspitze - nur zu dritt komplett

Hochalpin und schweißtreibend wird es in der vorletzten Folge von "Bayern hoch 7". Mit der Trettachspitze wagen wir uns auf das berühmte "Dreigestirn" des Allgäuer Hauptkammes.

Stand: 11.07.2012
Die Trettachspitze | Bild: BR

Über den Berg

Die Trettachspitze ist der höchste Gipfel der Allgäuer Alpen, der vollständig auf deutschem Boden liegt. 2595 Meter ist sie hoch. Zusammen mit den beiden Nachbargipfeln Hochfrottspitze und Mädelegabel bildet "die Trettach" das legendäre "Dreigestirn" des Allgäuer Hauptkammes. Die Trettachspitze ist keine leichte Tour, z. T. mit "ausgesetzter Kletterei" und Schwierigkeitsgraden bis Stufe "Drei", nur für geübte Kletterer! Wer es dennoch wagt wird belohnt mit einem atemberaubenden Ausblick!

Tourenbeschreibung

Zu Fuß oder mit dem Bus vom Parkplatz Fellhornbahn in die Birgsau

(1 Stunde, wenn mit dem Bus verkürzt: ½ h)

Ausgangspunkt der Tour ist der Wanderparkplatz an der Fellhornbahn bei Oberstdorf. Dorthin am besten mit dem Bus vom Bahnhof Oberstdorf, der auch noch weiter fährt bis Birgsau, oder mit dem Auto gleich am Ortseingang Oberstdorf der Beschilderung "Fellhornbahn" folgen.

Ab dem Parkplatz ist der Weiterweg nach Einödsbach für KFZ gesperrt. Nur der Bus fährt von hier noch ein Stück bis in die Birgsau weiter. Abfahrt ist ab 7:00 Uhr ungefähr jede halbe Stunde.

Allgäuer Dreigestirn über Einödsbach.

Wer vom Parkplatz an der Fellhornbahn losläuft, folgt der Beschilderung Einödsbach/Waltenberger Haus. Der breite Feldweg führt eben bis in die Birgsau an mehreren Einkehrmöglichkeiten vorbei, bis ca. 500 m hinter Birgsau (und der Endhaltestelle des Busses) die Forststraße nach Einödsbach steil nach links in den Bergwald abzweigt. Die Gabelung ist bestens beschildert. Von hier dauert es noch eine halbe Stunde bis nach Einödsbach.

Naturromantik in Echt

Auf gut 1100 Meter Höhe liegt der Gasthof Einödsbach umgeben von blühenden Bergwiesen. Vor allem aber bietet sich hier eine der eindrucksvollsten Szenerien der Allgäuer Berge: 1500 Meter höher zielt der Blick mitten aus den Almwiesen direkt auf das felsige Dreigestirn Trettach, Mädelegabel und Hochfrottspitze. Die höchsten Berge des Allgäus.

In die Allgäuer Wildnis: Das Bacher Loch

Das Kamerateam in exponierter Lage am Hüttenzustieg.

Auch für Wanderer lohnt es sich, den Weg zum Waltenberger Haus noch ein Stück weiterzugehen; für alpin geübte und etwas trainierte Geher ist allein schon der Weg zum Waltenberger Haus ein unvergessliches Erlebnis. Am Gasthof Einödsbach zweigt unsere Route nach links ab und folgt steil den Hang hinauf einem Fahrweg, der sich aber schnell verliert, wenn der erste, im Frühsommer noch schneegefüllte Tobel überquert werden muss. Hier öffnet sich der Blick ins „Bacher Loch“, einen wilden Talkessel mit Wasserkaskaden auf beiden Seiten und den typischen, viele hundert Meter steil abfallenden Allgäuer Bergflanken. Zuerst durch urwaldartiges Grün, immer wieder Bachschluchten querend, gehen wir bei diesem Anstieg fast den gesamten Talkessel aus, bis der Steig steil nach links schwenkt und auf einem durch die Felsen gesprengten, mit Drahtseilen gesicherten Durchgang die scheinbar unzugängliche Hangschwelle quert. Trittsicherheit und ein gutes Maß an Schwindelfreiheit sind für diese Passage unerlässlich. Oben öffnet sich das Hochtal unter Hochfrottspitze und Bockkarkopf und auf einem Grasrücken in unvergleichlicher Höhenlage liegt das Waltenberger Haus, 2084 Meter hoch.

1000 Höhenmeter; 3 ½ h Stunden. Vom Parkplatz Fellhornbahn aus 1200 Höhenmeter; 5 h.

Ein Allgäuer Logenplatz: Das Waltenberger Haus, 2084 m

Das Waltenberger Haus.

Das einst insbesondere für den Zugang zur Trettachspitze gebaute Unterkunftshaus ist allein schon eine Tour wert. Markus Karlinger, der Allgäuer Hüttenwirt führt seine Unterkunft mit echter Gastfreundschaft und kennt ‚seine‘ Berge natürlich bestens. Er steht in der Tradition des legendären Allgäuer Bergführers Kaspar Schwarz, der vor einem halben Jahrhundert den rassigen Steig zur Trettach angelegt hat, der gleich hinter der Hütte in abschüssige Steilhänge quert, in denen sich das Steinbockrudel tummelt, das hier oben zuhause ist.

Diejenigen, denen die Trettachspitze eine Nummer zu schwierig ist – denn der weitere Weg auf die Trettachspitze ist mit Schwierigkeitsgrad II, teilweise sogar III definitiv etwas nur  für geübte Kletterer – finden im Waltenberger Haus außerdem einen idealen Ausgangspunkt für die Berge der guten Hoffnung, die Mädelegabel oder den Heilbronner Höhenweg.

Wilder Weg zur Märchenwiese

Das BR-Team beim Queren von Schneefeldern.

Ab hier sind also beim Weg auf den höchsten Berg Schwabens, der ganz auf bayerischem Gebiet liegt, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unabdingbare Voraussetzung. Auf dem markierten, aber nicht gepflegten Steig, müssen wir jetzt im Frühsommer teilweise breite, steile Schneefelder queren, die auch nach warmen Nächten morgens oft noch hart gefroren sind. An einigen Stellen hackt unser Bergführer Andreas Tauser Stufen in den Schnee. Später im Jahr stellen die steilen Runsen oft genauso große Herausforderungen an Konzentration und Gehvermögen der Bergsteiger. Erst nachdem wir den weiten Bogen des Kars unter der Mädelegabel ausgelaufen haben, erreichen wir plötzlich ein sanftes grünes Plateau mit blühenden Bergblumen: die Märchenwiese.

100 Höhenmeter, 1 ½ h.

Nordost bergauf – ab hier wird geklettert

Das Kamerateam auf dem Gipfel.

Auf Steigspuren erreichen wir über Schrofen und Altschnee das große Schneefeld im Kar unter der Trettachspitze. Von hier geht es links an den Fels und zum Einstieg des Nordostgrats. Erst über gutgriffige Platten gerade empor (II), dann auf der einzigartig luftigen Gratschneide (II) an den Gipfelaufbau heran. Eine letzte Steilstufe wird links über einen Riss umgangen (III), dann stehen wir auf dem Spitz. Mitten in einer jäh abfallenden Felsenumgebung. Gleich gegenüber beobachten wir die Ersteiger der Mädelegabel, der direkten Nachbarin unseres Gipfels.

400 Höhenmeter; 1 ½ h.

Nordwest bergab

Auf der anderen Seite, über den Nordwestgrat führt unsere Überschreitung der Felsnase wieder hinunter. Zuerst leicht über schuttige Felsen, dann plötzlich jäh abfallend auf schmalem Grat und durch einen Riss hinunter (III). An der Stelle, an der der Grat senkrecht in die Westwand abbricht, folgt der Weg einer Rampe nach rechts über gut gangbare Platten (II) zurück aufs Schneefeld im Kar. 1 h.

Von der Märchenwiese zurück zum Waltenberger Haus

Auch nach vollbrachter Überschreitung müssen Kondition und Konzentration ausreichen, um auf dem ausgesetzten Weg zurück wieder sicher am Waltenberger Haus anzukommen. Die Schneefelder sind jetzt von der Sonne aufgeweicht und leichter gangbar. Unübertrefflich nach der Tour ist die Terrasse der Unterkunft, auf der die Sonne bis spät am Abend so lange scheint, bis sie, im Idealfall im Abendrot gegenüber unseres Logenplatzes untergeht.

Die Trettachspitze


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