Studiengebühren Sinnieren über eine Kehrtwende
Leidenschaftlich wurde im Landtag über die Studiengebühren gestritten. Die Freien Wähler, SPD und Grünen wollten sie am liebsten sofort abgeschafft sehen. Doch ganz so schnell vollzieht die CSU ihre Kehrtwende dann doch nicht.
Der Chef, Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), hatte sich darauf eingestellt, notfalls selbst in die Debatte einzugreifen. Das war aber gar nicht nötig, da ohnehin nur die bekannten Standpunkte ausgetauscht wurden.
Die FDP und für sie vor allem Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch verteidigten die Studiengebühren in Bayern vehement: Er werde nicht zulassen, dass die Qualität an den bayerischen Hochschulen und Universitäten auch nur ein Jota nach unten geht. Die Opposition plädierte dafür, die Gebühren sofort abzuschaffen. Und die CSU will über die ganze Angelegenheit in Ruhe nachdenken.
Erwartungsgemäß scheiterte der Dringlichkeitsantrag der Opposition für die Abschaffung der Studiengebühren mit 82 zu 65 Stimmen. Und Rücktrittsforderungen an Minister Heubisch wurden von FDP-Fraktionsvize Karsten Klein als "absurd" zurückgewiesen. Ende der Debatte - zumindest vorerst.
Studiengebühr spaltet Koalition
Denn das Thema Studiengebühren zeigt das Potenzial zum Spaltpilz der schwarz-gelben Koalition zu werden, seit der Bayerische Verfassungsgerichtshof das von den Freien Wählern initiierte Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengeühren am Montag zugelassen hat.
Horst Seehofer hat bislang zwar offen gelassen, ob er nun für oder gegen die Abschaffung der Studiengebühren plädiert. Vor einer CSU-Fraktionssitzung sagte er am Mittwoch den Journalisten: "Ich habe bewusst jetzt keinen Pflock vorneweg eingeschlagen." Zwischen den Zeilen ließ sich aber durchaus herauslesen, dass Seehofer die Uni-Maut gerne loshaben will. Bereits vor einem Jahr hatte er einen Vorstoß in diese Richtung unternommen.
"Ich pflege meine Positionen sehr strikt einzuhalten."
CSU-Chef Horst Seehofer
Von seinem Koalitionspartner, der FDP, verlangt Seehofer aber genau das Gegenteil von seiner eigenen Gangart. Ein Koalitionsvertrag dürfe kein Hindernis für einen Verzicht auf die Studiengebühren sein, so Seehofer.
FDP lässt jetzt mit sich verhandeln
Die FDP hat den Hinweis verstanden: Jeder Koalitionsvertrag könne verändert werden, hat Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) am Donnerstagmorgen im Bayerischen Rundfunk gesagt. Verhandlungen über die Studiengebühren mit dem Koalitionspartner schließe er nicht mehr aus. Die Linie der FDP dabei ist klar: Sie beharrt weiterhin auf den Studiengebühren.
Bei einer Sitzung der FDP-Abgeordneten in München hat sich die überwiegende Mehrheit für deren Beibehaltung ausgesprochen. Nur ein Abgeordneter stimmte mit nein, einer enthielt sich. Prominentester Fürsprecher der Semesterbeiträge für Studenten ist Heubisch. Um das Niveau der bayerischen Hochschulbildung zu sichern und "aus internationaler Sicht halte ich die Studienbeiträge auf alle Fälle für notwendig", sagte Heubisch. FDP-Haushaltsexperte Karsten Klein assistierte mit dem Hinweis, Studienbeiträge trügen "zur Qualitätsverbesserung an den bayerischen Hochschulen bei: zusätzliches Lehrpersonal, kleinere Gruppen und eine bessere Infrastruktur".
Einheit in der FDP bröckelt
Studiengebühren-Skeptiker sind in der FDP ziemlich einsam. Bekennender Uni-Maut-Gegner ist der FDP-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende Andreas Fischer aus Abensberg. "Bildung an staatlichen Einrichtungen ist ein Bürgerrecht", sagte er bei einer Veranstaltung in Pfarrkirchen. Die Studiengebühren hätten nach dem Urteil des Verfassungsgerichtshofes keine Chance mehr in Bayern, da die Bevölkerung klar dagegen sei. Vor allem herrsche Unverständnis darüber, dass Bayern von seinen Studenten Geld nehme und andererseits andere Bundesländer über den Länderfinanzausgleich mitfinanziere, die ihre Studenten kostenlos studieren ließen.
Überblick: Studiengebühren in den Ländern
Bayern
Im Freistaat werden seit dem Sommersemester 2007 Studiengebühren verlangt. Die Hochschulen erheben die Beiträge selbst und bestimmen auch ihre genaue Höhe. Der Staat legt dafür einen Rahmen fest: An den Universitäten und Kunsthochschulen liegt der Studienbeitrag pro Semester zwischen 300 und 500 Euro. An den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Fachhochschulen liegt der Studienbeitrag pro Semester zwischen 100 und 500 Euro.
Baden-Württemberg
Im Dezember 2011 hat der Landtag mit den Stimmen von Grünen und SPD das Studiengebühren-Abschaffungsgesetz beschlossen. Somit gibt es ab Sommersemester 2012 keine allgemeinen Studiengebühren mehr für ein Erststudium. Vom Sommersemester 2007 bis zum Wintersemester 2011/2012 wurden allgemeine Studiengebühren in einer Höhe von 500 Euro erhoben.
Westen
NRW, Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz
In Nordrhein-Westfalen führte die rot-grüne Regierung zum Sommersemester 2004 Langzeitstudiengebühren in Form von Studienkonten ein. Als CDU und FDP das Ruder übernahmen, wurden Studiengebühren bis 500 schrittweise für alle Studenten möglich - es entschied die Hochschule. Als Rot-Grün zurück an der Macht war, wurden die Gebühren zum Wintersemester 2011/12 wieder abgeschafft.
In Hessen bezahlten Studenten 2007/08 zwei Semester lang 50 Euro fürs Erststudium, sonst bis 1.500 Euro.
Im Saarland sind Studiengebühren seit dem Sommersemester 2010 abgeschafft. Davor kosteten ab dem Wintersemester 2007/08 die ersten beiden Hochschulsemester 300 Euro, jedes weitere Semester 500 Euro.
In Rheinland-Pfalz gab es nie Studiengebühren.
Osten
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Hier wurden und werden keine Gebühren für ein Erststudium verlangt.
Norden
Berlin, Brandenburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
Hier wurden und werden keine Gebühren für ein Erststudium verlangt.
Niedersachsen
Niedersachsen ist das einzige Bundesland, das neben Bayern noch Studiengebühren verlangt. Pro Semester werden seit dem Winter 2006/2007 für Erstsemester und seit dem Sommer 2007 für alle Studiengebühren in Höhe von 500 Euro verlangt. Bis zur Landtagswahl 2013 sind erst einmal keine grundsätzlichen Änderung zu erwarten.
Hamburg
Noch gelten in der Hansestadt allgemeine Studiengebühren von 375 Euro pro Semester. Letztmalig sind sie jedoch für das laufende Sommersemester 2012 zu zahlen. Denn im Dezember 2011 hat die Bürgerschaft das Gesetz zur Abschaffung der Studiengebühren beschlossen. Vom Sommer 2007 bis einschließlich Sommer 2008 hatten die Hamburger Studenten Gebühren von 500 Euro zu zahlen.
CSU will keine weitere "Volksbegehren-Ohrfeige"
Der (mögliche) Kurswechsel der CSU ist nachvollziehbar, als sie eine Niederlage bei einem Volksentscheid im Wahljahr 2013 fürchtet: Die Partei ist gewissermaßen volksbegehrensgeschädigt. Viele Abgeordnete haben noch das Votum der Wähler für ein striktes Rauchverbot in unerfreulicher Erinnerung, als die Bürger dem jahrelangen Hin und Her in der CSU schließlich mit einem kompromisslosen Verbot ein Ende machten. Der kleine Koalitionspartner FDP ist da gelassener.
"Wir wollten doch immer das Volk befragen, dann machen wir das doch jetzt auch."
Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) im Bayerischen Rundfunk
Gericht genehmigt Studiengebühren-Volksbegehren
Am Montag hatte der Bayerische Verfassungsgerichtshof das von den Freien Wählern initiierte Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengeühren zugelassen. Das Gericht sah den Artikel 73 der Bayerischen Verfassung nicht berührt, wonach über den Staatshaushalt kein Volksentscheid und damit auch kein Volksbegehren stattfinden darf. Die Richter argumentierten, dass die Studienbeiträge den Hochschulen als Körperschaftsvermögen direkt zufließen und sich ein Volksbegehren sich deshalb nicht gegen den Haushalt und das Budgetrecht des Landtags richte. Grüne und SPD hatten sich der Klage nicht angeschlossen, weil sie sie nicht für aussichtsreich hielten.
Volksbegehren für Januar geplant
Ungeachtet der Diskussionen bei CSU und FDP laufen die Vorbereitungen für das Volksbegehren an, das im Januar stattfinden soll. Es muss laut Gesetz bis zum 19. November im Staatsanzeiger veröffentlicht werden - die Eintragung kann frühestens acht Wochen später starten. Für ein erfolgreiches Volksbegehren müssen sich innerhalb von zwei Wochen zehn Prozent der bayerischen Bürger in Unterschriftenlisten eintragen, damit es in der letzten und entscheidenden Stufe zum eigentlichen Volksentscheid kommen kann. Dabei wären dann alle Bürger aufgerufen, über die Abschaffung der Studiengebühren zu entscheiden - die einfache Mehrheit genügt.
Bayerns Unis und Studenten
In Bayern gibt es aktuell 320.318 Studenten (Stand: Wintersemester 2011/2012). Die fünf größten Hochschulen sind die LMU München (46.432 Studenten), die Uni Erlangen-Nürnberg (32.354), die TU München (30.821), die Uni Würzburg (23.482) und die Uni Regensburg (19.547). (Quelle: Bayerisches Kultusministerium)

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mona, Freitag, 26.Oktober, 18:17 Uhr
4. Fehlende Unterkünfte
...von wegen Ausbau der Infastruktur!?
Meie Tochter pendelt seit diesem Semester zw. Augsburg und der Stadt mit den teuersten Mieten, hier in Bayern....Wenns gut geht, ist sie 3 Stunden tägl. unterwegs, wenns blöd läuft auch mal 4.... Schließlich wohnt nicht jeder gleich in Bahnhofsnähe. Seit Aug. diesen Jahres ist sie für einen Wohnheimplatz angemeldet, keine Chance. Der freie Wohnungsmarkt...? ja , da legt man mittlerweile auch ordentlich hin...
Sie würde gern am Studentenleben teilnehmen, ohne immer die Zugfahrzeiten im Nacken zu haben. Von daher ist für sie Studentensport u.ä. passe..... Wenigstens das Essen in der Mensa schmeckt!
Kathrin, Donnerstag, 25.Oktober, 08:53 Uhr
3. Abschaffung der Studiengebühren
Hallo,
prizipiell war ich auch immer gegen Studiengebühren. Schließlich habe ich die letzten Jahre studiert und insgesamt 3.500€ an Studiengebühren bezahlt. Nicht wenige meiner Komilitonen mussten dafür sogar einen Studienkredit aufnehmen und diesen nach ihrem Studium nun abbezahlen.
Denkt bei der Diskussion um die Abschaffung der Gebühren auch jemand an die Ungerechtigkeit, dass wir, die Studenten der letzten Jahre, die Kassen der Unis wunderbar gefüllt haben? Und jetzt solls wieder abgeschafft werden? Jetzt sollen alle anderen nur profitieren und nicht auch ihren Beitrag für zukünftige Studierende leisten?
Oder erhalten diejenigen, die voll bezahlt haben wohl etwas von den Überschüssen zurück? Es scheint ja so, als hätte der Freistaat auf einmal mehr Geld für Bildung zur Verfügung.
Oder wendet sich das Blatt in der nahenden Krise erneut, und die Gebühren werden wieder eingeführt? Schließlich wäre der Wahlkampf dann vorbei...
Anna Werner, Donnerstag, 25.Oktober, 06:46 Uhr
2. Studiengebühren - Verwendung
Guten Morgen ihr drei!
Ich studiere jetzt schon im 5. Semester Grundschul-Lehramt an der KU Eichstätt und habe mich mal mit einer Studentin, die im Konvent mitwirkt, über die Verwendung der Studiengebühren (bei uns 494,90€/Semester) unterhalten. Ich weiß nicht, wie es an anderen bayerischen Unis ist (wahrscheinlich aber ähnlich). Und zwar haben die Unis strikte Vorgaben, wofür sie die eingenommenen Gebühren verwenden dürfen: Leider sind das keine Lehraufträge (davon würden die Seminare kleiner und das Angebot vielfältiger), sondern Sachen wie Mensa-Bezuschussung (manchmal/meist schmeckt es ausschließlich nach billig-Miracoli) oder Sport-Angebote o.ä. Angebote, die Studenten das Studium angenehmer (?) machen sollen. Trotzdem liegen noch Unmengen Geld auf dem Konto der Uni, die nicht genutzt werden. An sich bin ich nicht komplett gegen Studiengebühren (in anderen Ländern sind sie viel höher), aber so, wie sie gerade eingesetzt werden, find ich sie sinnlos. Und die Studenten, die auf BAFöG angewiesen sind und ihr Geld bereits zusammenhalten müssen, sparen sich die umgerechnet ca. 70€/Monat wirklich vom Mund weg und das nur, damit sie dann auf dem Uni-Konto herumliegen - schade...!
Also ich bin gespannt, wie lange wir noch auf die Abschaffung warten müssen.
Ich wünsch euch noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße,
Anna
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