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Seilbahnunglück am Tegelberg Alpine Hängepartie

20 Bergfreunde, 18 Stunden eingesperrt in einer Seilbahn-Gondel 100 Meter über dem Boden, auf zwölf Quadratmetern. Vor rund einem Jahr ereignete sich das Unglück am Tegelberg. Der Verursacher, ein Gleitschirmflieger, hat indes seine Strafe akzeptiert.

Stand: 09.08.2012
Bergretter werden bei Schwangau von einem Hubschrauber zu einer Seilbahn-Kabine heruntergelassen (Archiv) | Bild: picture-alliance/dpa

Knapp ein Jahr nach dem Seilbahn-Unglück am Tegelberg vom 12. August 2011 akzeptierte der Gleitschirmpilot seine Geldstrafe. Ein Sprecher des Amtsgerichts Kaufbeuren sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Strafe sei mit 3.000 Euro nun aber nur noch halb so hoch als ursprünglich gefordert. Der Gleitschirmpilot hatte im Frühjahr Widerspruch gegen den auf 40 Euro festgelegten Tagessatz eingelegt - mit Verweis auf sein Einkommen. Tatsächlich zeigte ein schriftliches Verfahren laut Gericht, dass der Betrag für den 55-Jährigen nur halb so hoch einzustufen ist. Der Strafbefehl sieht jetzt die Zahlung von 20 Euro in 150 Tagessätzen vor.

Noch keine Einigung bei Schadenersatz

Der Betreiber der Tegelbergbahn, Franz Bucher, wartet dagegen noch immer auf sein Geld. Ihm zufolge haben Umsatzausfälle und Reparaturen einen Schaden von rund 95.000 Euro verursacht. Da der Gleitschirmpilot Buchers Angaben zufolge nicht haftpflichtversichert war, bemühen sich beide Seiten im Moment um einen Vergleich.

Bilder der Rettung

Insgesamt 50 Passagiere in zwei Gondeln gefangen

Wie es zu der buchstäblichen Hängepartie im Ostallgäu kam, die die 19 Passagiere und der Gondelführer schlussendlich nicht ernstlich verletzt überstanden? Der Gleitschirmpilot war mit seinem Sozius in die drei Tragseile der Tegelbergbahn nahe Neuschwanstein auf 1.500 Metern gestürzt, hatte sich darin verfangen und so den Betrieb komplett lahmgelegt.

Wegen des Gleitschirm-Aufpralls schaltete sich die Seilbahn aus Sicherheitsgründen automatisch ab. In zwei Gondeln hingen daraufhin 50 Menschen fest. Die 30 Personen aus der talseitigen, also der unteren Gondel konnten bereits am Abend von der Bergwacht befreit werden. Zudem wurden mit Hubschraubern mehr als 130 Menschen, die an der Bergstation festsaßen, ins Tal gebracht.

Rettung im Morgengrauen

Auf dem Weg zur Gondel: Polizeihubschrauber bei Nacht

Starker Wind und einbrechende Dunkelheit erschwerten eine sofortige Rettung der in der oberen, bergseitigen Gondel Eingeschlossenen. Erst Samstagfrüh ab 6.00 Uhr konnten die Menschen aus der Gondel befreit werden. Die Bergwacht holte die Eingeschlossenen mit einer Seilwinde durch das Dach der Gondel an Bord eines Polizeihubschraubers. Bergwacht-Sprecher Roland Ampenberger vermeldete nach der knapp zweistündigen Bergungsaktion: "Es sind alle wohlauf, alle unverletzt."

Auch BR-Reporter hängt in den Seilen

Begonnen hatte das Drama im Ostallgäu am Freitagmittag: Der damals 54 Jahre alte Gleitschirm-Pilot war bei einem Tandemflug in das Tragseil gestürzt. Sozius des Gleitschirm-Piloten war ein BR-Reporter, der für eine Urlaubsserie der Abendschau unterwegs war. Der Pilot und sein Passagier wurden bei dem Absturz leicht verletzt. Gegen den Piloten wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Er hat mittlerweile eine Geldstrafe akzeptiert

Loch im Kabinenboden umfunktioniert

Die Kabine der Gondel ist nach Angaben der Polizei zwölf Quadratmeter groß. Als Toilette wurde ein Loch im Kabinenboden benutzt. Nachdem die Passagiere ihren Proviant aufgezehrt hatten und Kinder in der Gondel über Magenschmerzen klagten, hangelten sich vier Männer der Bergwacht in einer waghalsigen Aktion 300 Meter weit über das Stahlseil an die Gondel heran. Sie brachten den in der Gondel Gefangenen Decken und Verpflegung.

Trotz der Enge in der Kabine zeigten die Eingeschlossenen offenbar starke Nerven und harrten ruhig aus. Als es kälter wurde, teilten sie sich ihre Jacken; es bestand eine Funkverbindung ins Tal. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde der Berg mit Flutlicht ausgeleuchtet.

Die Eingeschlossenen stammten aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen, außerdem befanden sich zwei Touristen aus Osteuropa mit in der Gondel.


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