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"Schule ohne Rassismus" Netzwerk beklagt Geldmangel

Dem Netzwerk "Schule ohne Rassismus" schließen sich immer mehr Bildungseinrichtungen an. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: zu wenig Geld und Attacken von Neonazis. Das beklagten Projektverantwortliche in Würzburg, wo am Montag Stefan Lutz-Simon als neuer Landeskoordinator für Bayern vorgestellt wurde.

Stand: 06.02.2012
Sanem Kleff, Vorsitzende des Trägervereins des Netzwerks "Schule ohne Rassismus" | Bild: picture-alliance/dpa

Daher fordert das Netzwerk von der Politik mehr finanzielle Unterstützung. Sanem Kleff (Bild), Vorsitzende des Trägervereins "Aktion Courage", sagte in Würzburg, Präventionsarbeit koste nicht viel, "zum Nulltarif ist sie aber auch nicht zu haben". Lutz-Simon bezifferte die jährlichen Kosten des Netzwerks allein im Freistaat auf 240.000 Euro. Verteilt auf die 139 Netzwerk-Schulen in ganz Bayern mit ihren rund 130.000 Schülern sei das nicht viel, ergänzte Kleff. Derzeit erhalte man lediglich 81.000 Euro vom bayerischen Kultusministerium.

Das Projekt engagiert sich seit Ende der 1990er-Jahre in langfristig angelegten Projekten gegen jede Form von Diskriminierung und Extremismus - innerhalb und außerhalb der Schulen. Bundesweit gehören ihm über 1.000 Schulen an. Bayern ist nach Angaben des Netzwerk-Geschäftsführers Eberhard Seidel das in absoluten Mitgliederzahlen zweitstärkste Bundesland nach Nordrhein-Westfalen - und das am schnellsten wachsende.

Schüler initiieren Aufnahme in Netzwerk

Durch die Gründung einer Landeskoordinationsstelle für Bayern mit Sitz in Würzburg erhofft sich das Projekt weitere Mitglieder. "Uns geht es aber nicht um die reine Zahl", sagte Kleff, sondern um eine nachhaltige Entwicklung mit dauerhaft aktiven Schulen. Das sei deshalb nicht einfach, weil die Initiative für eine Aufnahme in das Netzwerk von Schülern ausgehen soll - und nicht von Rektoren oder Lehrern. "Wenn die die Schule verlassen, soll das Projekt ja weiterlaufen", so Kleff.

Unter Beobachtung von Neonazis

Doch die Finanzierung ist nicht das einzige Problem der Netzwerker. Laut Lutz-Simon war in den letzten Monaten zu beobachten, dass im Netzwerk verbundene Schulen und Schüler zunehmend von rechts unter Beobachtung stehen, sei es in Internet-Chats von Neonazi-Kameradschaften oder sogar in Form persönlicher Anfeindungen. Für Lutz-Simon ist es auch kein Zufall, dass die Jugendorganisation der NPD ihre Versammlung ausgerechnet in Landshut abhalten wollte - an einer Schule, die dem Netzwerk angehört. Auch das Gymnasium im oberbayerischen Grafing, das im Dezember wegen einer Bombendrohung evakuiert wurde, ist Mitglied von "Schule ohne Rassismus".