Hier der urbayerisch bärtige CSUler ...
Der Bart ist echt, das Stoiber-Plakat ist geliehen von der Jungen Union.
SPD Ude berauscht seine Anhänger
Auf dem Volksfestplatz von Vilshofen tut sich Großes: 3.500 Menschen schwenken unter weiß-blauem Festzelthimmel rote Fähnchen und skandieren "Ude, Ude, Ude". Der designierte Spitzenkandidat beflügelte beim Politischen Aschermittwoch die Regierungsträume der SPD.
Mit Jubelrufen haben die SPD-Anhänger ihren Hoffnungsträger, den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, begrüßt. Der hat sichtlich Spaß an seinem Auftritt in Vilshofen. So eine schöne SPD-Sitzung habe er nie erlebt. Und wieder schallt's "Ude! Ude!" aus rund 3.500 Kehlen.
Seit der Münchner OB seinen Hut für Landtagswahlen kommendes Jahr in den Ring geworfen hat, wittern die Sozialdemokraten Morgenluft. Amüsiert erzählt Ude, was ihm vom Aschermittwoch der CSU in Passau zugetragen wurde:
"In Passau wurde gesagt, man werde als bayerische CSU Christian Ude von seinem Thron stoßen. Dazu kann ich nur sagen, Geduld, Geduld, ich bin noch nicht Ministerpräsident. Aber wenn auch die CSU das so sieht, soll es mir recht sein."
Münchens Oberbürgermeister Christian Ude
Seehofer soll aufs Altenteil geschickt werden
Adrenalinschub der SPD
In den vergangenen Jahren kamen rund 600 Menschen zum SPD-Aschermittwoch nach Vilshofen - heuer waren es 3.500. Der emeritierte Passauer Politikprofessor Heinrich Oberreuter sieht darin mehr als nur eine Modeerscheinung. Die Krise in Europa sensibilisiere die Menschen wieder für politische Themen. Und viele sähen jetzt eine echte Machtwechselchance in Bayern. Die SPD in Bayern habe durch die Spitzenkandidatur des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude einen wahren Adrenalinschub erhalten.
Immer wieder muss Ude laut schmunzeln während seiner Aschermittwochsrede. Er will seinen Konkurrenten Seehofer jetzt in Pension schicken. Als Revanche für die Initiative der CSU, das Höchstalter für bayerische Bürgermeister herabzusetzen. Deshalb darf Ude bei der nächsten Wahl nicht mehr für das Oberbürgermeisteramt in München kandidieren - und musste sich ein neues Ziel suchen. Die Landespolitik mache ihm zunehmend großen Spaß, sagt er in Vilshofen.
Wer sich auf eine Kabarettvorstellung eingestellt hatte - wurde aber enttäuscht. Feine Sticheleien, statt Holzhammer war Udes Motto. Er spricht der CSU das Recht ab, die einzig wahre bayerische Partei zu sein und erteilt den Genossen in Vilshofen eine Nachhilfestunde in Geschichte, hörbar stolz auf die 120-jährige Tradition der SPD.
Die besten Sprüche bei der SPD
Der Gegner
"Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, der Dobrindt macht das andersrum."
SPD-Bezirksvorsitzender und Landrat in Regen, Michael Adam
Höchste Zeit
"Wir werden nach 55 Jahren die erdrückende Übermacht der CSU beenden. Da kann uns keiner sagen, dass das übereilt oder überstürzt ist, nein es ist höchste Zeit, packen wir es an."
Designierter SPD-Spitzenkandidat in Bayern, Christian Ude
Arroganz der Macht
"Wenn die CSU sagt, die SPD hat keine Chancen, soll sie das nur sagen, denn es ist genau diese Arroganz der Macht, die die Menschen in diesem Land satt haben."
Designierter SPD-Spitzenkandidat in Bayern, Christian Ude
Seehofer in Pension
"Es ist ein ganz normaler demokratischer Vorgang, wenn man sich gegenseitig in Pension schickt - das mache ich jetzt auch."
Christian Ude will Ministerpräsident Horst Seehofer ablösen
Lebenserfahrung
"Ich habe nur zwei Jahre Lebenserfahrung mehr - aber ich finde, das merkt man auch."
Christian Ude, 64 Jahre alt, über Horst Seehofer
CSU nicht gleich Bayern
"Es ist nicht wahr, dass es die CSU war, die die Alpen hochgetürmt und die bayerischen Seen ausgehoben hat."
Christian Ude zitiert den ehemaligen SPD-Spitzenkandidaten Franz Maget
Thronfolge
"In Passau wurde gesagt, man werde als bayerische CSU Christian Ude von seinem Thron stoßen. Dazu kann ich nur sagen, Geduld, Geduld, ich bin noch nicht Ministerpräsident. Aber wenn auch die CSU das so sieht, soll es mir recht sein."
Münchens Oberbürgermeister und designierter Spitzenkandidat Christian Ude
Bayern den Bayern
"Bayern muss wieder den Bayern gehören und nicht der CSU."
SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel
Schwarz-gelbe Koalition
"Die benehmen sich wie eine Praktikanten-Initiative - aber wenn man das sagt, hat man schon Angst, dass man die Praktikanten beleidigt."
SPD-Chef Sigmar Gabriel über die schwarz-gelbe Bundesregierung
Entscheidung für Gauck
"Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?"
SPD-Chef Sigmar Gabriel über die wechselnden politischen Positionen Seehofers und der CSU zu Joachim Gauck
Landwirtschaft
"Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat noch nicht kapiert, dass es in der Landwirtschaft um Spitzenqualität geht und nicht um Spritzenqualität."
SPD-Chef Sigmar Gabriel
Seehofern
"Wenn heute in Bayern ein Schulkind abschreibt, sagt es, ich habe geguttenbergt. Wenn heute in Bayern einer etwas verspricht, das er nicht einhält, sagt er, ich habe geseehofert."
SPD-Landevorsitzender Florian Pronold
Begrüßung
"Wir haben das Zelt voll, von der CSU-Politik haben alle die Nase voll in Bayern."
SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold
Gabriel beschwört den Wechsel
Zugunsten der Aschermittwochs-Dramatik haben die Organisatoren sogar den Zeitplan umgeworfen. Gabriel musste vor dem Münchner Oberbürgermeister aufs Podium. Dem SPD-Chef schien es zu gefallen, Anheizer für den designierten Spitzenkandidaten zu sein, den Gabriel schlicht als künftigen Ministerpräsidenten Bayerns bezeichnet.
"Bayern muss wieder den Bayern gehören und nicht der CSU."
SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel
Gabriel beschwor einen Regierungswechsel in Bayern und im Bund im kommenden Jahr. Er nutzte die Festzeltstimmung für einen politischen Rundumschlag, sprach sich gegen die Zockerei auf den Finanzmärkten, für eine Finanztransaktionssteuer und für mehr soziale Gerechtigkeit aus.
Nachklapp zur Gauck-Nominierung
Der SPD-Chef kommentierte auch die Nominierung von Joachim Gauck für das Bundespräsidentenamt. Gauck sei eine gute Entscheidung für Deutschland - schließlich habe die SPD schon vor eineinhalb Jahren gewusst, dass Gauck der bessere Bundespräsident ist. Aber das Hickhack um die Personalie Gauck in der schwarz-gelben Koalition in Berlin sei ein katastrophales Signal gewesen. "Das hatte Karnevalistenqualität."
Die CSU soll ins Dschungelcamp
"Wir haben das Zelt voll, von der CSU-Politik haben alle die Nase voll in Bayern."
SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold
SPD-Landeschef Florian Pronold würde das schwarz-gelbe Kabinett am liebsten geschlossen ins Dschungelcamp schicken, denn da gehöre es hin.
"Und wenn die im Dschungelcamp sind, dann ruft keiner an und holt die raus."
SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold
Nur Poltern, das ist Pronolds Sache nicht. Er argumentierte für mehr Bildungsgerechtigkeit, Toleranz und die Entwicklung des ländlichen Raums. So brauche München keinen neuen Konzertsaal. Das Geld solle lieber in den Ausbau schneller Internetverbindungen im ländlichen Raum investiert werden. Das hörten die Menschen in Vilshofen gerne.
"Wir brauchen keine Sprücheklopfer, sondern wir brauchen Menschen, die unsere Welt zusammenhalten, egal welche Hautfarbe und Herkunft sie haben."
SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold
Von 600 auf 3.500
So viel SPD-Fähnchen wie heuer wurden noch nie an einem Aschermittwoch. Der Andrang sei noch viel größer gewesen, als er sich hätte träumen lassen, sagte der Vilshofener SPD-Chef Florian Gams. Das Zelt wurde von ursprünglich 2.500 auf 3.500 Plätze erweitert. In früheren Jahren fanden sich im Schnitt 600 Genossen im Wolferstetter Keller in Vilshofen ein zum SPD-Aschermittwoch.
Laut Rainer Glaab, dem Kampagnenmanager der Bayern-SPD, hätten locker auch 5.000 Karten verkauft werden können. "Das zeigt, dass wir gut in Bewegung gekommen sind", sagte Generalsekretärin Natascha Kohnen zu BR.de. Sogar die Gastronomie wurde am Ende ausgelagert, um noch ein paar Plätze zu schaffen.

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