Hier der urbayerisch bärtige CSUler ...
Der Bart ist echt, das Stoiber-Plakat ist geliehen von der Jungen Union.
Archaeopteryx und die Ameisen
Es war ein Politischer Aschermittwoch unter besonderen Vorzeichen: 2013 will die Opposition an die Macht, Spitzenkandidat Ude soll's richten. So beschworen Sozis wie Grüne den Machtwechsel. Die CSU konzentrierte sich derweil auf sich selbst und ließ den politischen Gegner größtenteils außen vor.
CSU-Chef Horst Seehofer hielt sich in der Dreiländerhalle in Passau merklich zurück, so wie er es im Vorfeld angekündigt hatte. Auch "Mr. Aschermittwoch" Edmund Stoiber, an Seehofers Stelle fürs Grobe vorgesehen, hielt vor etwa 4.000 Zuhörern eine Rede mit angezogener Handbremse. Die Abteilung Attacke übernahmen bei der CSU dafür Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bezirkschef Manfred Weber. Dobrindt sagte in seiner Rede, der bayerische SPD-Chef Florian Pronold habe ihn aufgefordert, bei der Fernsehsendung "Dschungelcamp" mitzumachen. Seine Antwort sei: "Wenn ich mich mit Ameisen und Würmern abgeben will, gehe ich zur Bayern-SPD". Dobrindt attackierte auch die Linkspartei. Dabei handele es sich um "lauter Irre". Ferner seien die Grünen dort, wo sie regierten, "eine Strafe für die Menschen". Zuvor hatte Weber die bayerische SPD einen "Trümmerhaufen" genannt.
Die besten Sprüche quer durch die Parteien
Zur Rolle der CSU
"Wir sind das Original, alle anderen Plagiate."
CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer
Zu Horst Seehofer
"Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?"
SPD-Chef Sigmar Gabriel
Nochmal zu Horst Seehofer
"Da wundert sich der Wetterhahn, wie schnell der Horst sich drehen kann."
Grünen-Landtagsfraktionschefin Margarete Bause
Zu Edmund Stoiber
"Wenn der Archaeopterix aus Wolfratshausen die CSU jetzt wieder aufrichten soll, dann müssen sie ja ganz schön am Boden liegen."
Hubert Aiwanger, Vorsitzender Freie Wähler
Zur Energiepolitik
"Energiepolitik mit Schwarz-Gelb ist wie Lesben- und Schwulenpolitik mit der katholischen Bischofskonferenz: Sie wollen's nicht und können's nicht."
Grünen-Landeschef Dieter Janecek
Über Sprachgebrauch
"Wenn heute in Bayern ein Schulkind abschreibt, sagt es, ich habe geguttenbergt. Wenn heute in Bayern einer etwas verspricht, das er nicht einhält, sagt er, ich habe geseehofert."
SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold
Über Kritik an Joachim Gauck
"Ich muss mich schon fragen, was in den Köpfen dieser Obertaliban in der CSU vorgeht, die Gauck seine Familienverhältnisse um die Ohren schlagen. Man möchte schon fragen, ob sie damit den amtierenden oder den künftigen Bundespräsidenten meinen."
FW-Chef Hubert Aiwanger zu der Kritik eines CSU-Abgeordneten an den Lebensverhältnissen von Joachim Gauck
Über die Auswahl von Jochim Gauck
"Hinter vorgehaltener Hand erzählen SPD und Grüne, dass Sie Gauck auch nicht wollen. Was der erzählt, hat sie erst gar nicht interessiert, und vor zwei Jahren war's ihnen noch egal, weil sie wussten: der wird's eh nicht."
Klaus Ernst, Bundesvorsitzender der Linken
Über die Personalpolitik von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel
"Das Bundesministerium wird zur Arche Noah der FDP."
Claudia Roth, Grünen-Parteichefin
Über den Länderfinanzausgleich
"Ein bescheuertes System kann man nicht so lassen.“
CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer
Zu Christian Ude
"Der twittert, wie er redet: langsam, bedächtig, und letztlich ohne Inhalt."
Der Landesvorsitzende der Piratenpartei, Stefan Körner, über den SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude
Nochmals zu Christian Ude
"Wer sein eigenes Land so verrät, der hat auf dem Chefposten in der Staatskanzlei nichts, aber auch gar nichts verloren."
Wolfang Heubisch, bayerischer Wissenschaftsminister
Zur Landtagswahl 2013
"Wir werden rot-grünes Konfetti und auch eine schwarze Suppe verhindern."
Der Freie-Wähler-Vorsitzende Hubert Aiwanger
Zur schwarz-gelben Bundesregierung
"Die benehmen sich wie eine Praktikanten-Initiative - aber wenn man das sagt, hat man schon Angst, dass man die Praktikanten beleidigt."
SPD-Chef Sigmar Gabriel
Zu den Grünen
"Jürgen Trittin ist der letzte fossile Energieträger der Grünen. Er wartet im Offshore-Bereich deutscher Talkshows, dass er erneuerbare Energie bekommt. Da kann er warten, bis er schwarz wird. Aber das ist bei den Grünen ja auch nicht ausgeschlossen."
FDP-Chef Philipp Rösler über den Grünen-Fraktionschef im Bundestag
Zum Selbstverständnis der CSU
"Wo wir sind, ist oben."
CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer
Zu Bayern
"Die Werte der CSU sind die Werte der großen Mehrheit der bayerischen Bevölkerung."
Der frühere Ministerpräsident und jetzige Ehrenvorsitzende der CSU, Edmund Stoiber.
Über den Verfassungsschutz
"Liebe Freunde vom Verfassungsschutz, die ihr sicher auch im Saal seid - die Linke ist da, bleibt da und wird alles unternehmen, um im nächsten Landtag vertreten zu sein. (...) Und damit sichern wir Eure Arbeitsplätze!"
Xaver Merk, Landeschef der Linken
Zu Sigmar Gabriel
"Ich habe schon erklärt: Sigmar Gabriel ist übergewichtig und unterbegabt. Das war untertrieben. Gabriel ist ein übler Foulspieler."
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt
Zu Kanzlerin Merkel
"Es wird Zeit, dass wir nicht nur einen besseren Bundespräsidenten bekommen, sondern auch einen besseren Bundeskanzler oder eine bessere Bundeskanzlerin."
SPD-Chef Sigmar Gabriel
Zu Philipp Rösler
"Er ist der größte Bremser aller Zeiten."
Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast
SPD beschwört Regierungswechsel
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Bayerns SPD-Spitzenkandidat Christian Ude gab sich vor rund 3.500 Gästen im Bierzelt in Vilshofen kämpferisch: "Es ist ein ganz normaler demokratischer Vorgang, wenn man sich gegenseitig in Pension schickt - das mache ich jetzt auch". Er verwies darauf, dass er und Seehofer ja fast gleich alt seien - und fügte spöttisch hinzu: "Ich habe nur zwei Jahre Lebenserfahrung mehr - aber ich finde, das merkt man auch." Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel setzt auf einen Regierungswechsel im Freistaat. "Bayern muss wieder den Bayern gehören und nicht der CSU", rief Gabriel. Die Anhänger der SPD zeigten sich begeistert, immer wieder schallten "Ude, Ude"-Sprechchöre durchs Festzelt.
Grüne: "Bayern braucht den Neuanfang"
In Landshut machten die Grünen mit viel Spott über Schwarz-Gelb im Freistaat und im Bund Stimmung für einen Politikwechsel. Landeschef Dieter Janecek sagte, die Staatsregierung verfolge einen Fortschrittsbegriff der 1970er-Jahre - "immer höher, immer weiter", ohne Rücksicht auf die Menschen. Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth nannte Schwarz-Gelb eine "Chaos-Truppe", die beim Umgang mit der Affäre Wulff ein "würdeloses Klammerspiel" abgeliefert habe. Zudem machte sie sich für einen Politikwechsel in Bayern stark: "Bayern braucht den Neuanfang", so Roth, man sei noch nie so nah dran gewesen.
Aiwanger spottet über den "Archaeopteryx aus Wolfratshausen"
Auch der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, thematisierte in Deggendorf den Auftritt Stoibers bei der CSU: "Wenn der Archeopterix aus Wolfratshausen die CSU jetzt wieder aufrichten soll, dann müssen sie ja ganz schön am Boden liegen." Mit Blick auf die Landtagswahl 2013 sagte Aiwanger, die Freien Wähler wollten in die Regierung, "aber nicht um jeden Preis". Den von der CSU vorangetriebenen Schuldenabbau bezeichnete Aiwanger als "Massaker". Er befürchtet, dass dieser Plan ausschließlich zu Lasten der Kommunen geht.
FDP demonstriert neues Selbstwertgefühl
Die bayerischen Liberalen rühmten Parteichef Philipp Rösler dafür, den Weg für Joachim Gauck ins Amt des Bundespräsidenten geebnet zu haben. Er habe nicht das geringste Verständnis für das "Gemaule" beim Koalitionspartner CDU/CSU, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. Rösler selbst verteidigte seinen Kurs vor den rund 400 Zuhörern. Man könne eine Wahl oder ein Amt verlieren, "aber man darf niemals seine Überzeugung verlieren", sagte Rösler. Mit einem Seitenhieb auf Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte er, seine Ehefrau habe ihn in diesem Kurs bestärkt - "auf meine Frau höre ich übrigens", sagte er zur Erheiterung des Publikums.
Linke sind angefressen wegen Gauck-Kür
Linken-Chef Klaus Ernst warf in Tiefenbach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der Nominierung von Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten Ausgrenzung seiner Partei vor. Fünf Millionen Wählerinnen und Wähler seien einfach ignoriert worden. Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi hieb in die gleiche Kerbe: "Es ist schon schwer, den Linken beizubringen, vernünftiger zu werden. Aber es ist noch schwieriger, den Rechten beizubringen, mit den Linken vernünftig umzugehen."
Piraten lästern über altmodische Politiker, ÖDP mahnt zu Buße
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Die bayerischen Piraten machten sich im Stadttheater in Ingolstadt über altmodische Politiker lustig. "Wer Twitter für Mist hält, sollte beim Fax bleiben", sagte der Landesvorsitzende Stefan Körner. Neben Seehofer erntete auch Ude Spott. "Der twittert, wie er redet: Langsam, bedächtig, und letztlich ohne Inhalt", sagte Körner.
Eher gediegen ging es bei der ÖDP in Passau zu. Der Vorsitzende Sebastian Frankenberger mahnte alle Parteien zu Buße und Umkehr. Der Aschermittwoch sei als Beginn der Fastenzeit ein Zeitpunkt für Reue. "Daher sollten sich die Reden heute um die Wurzel der Probleme drehen und nicht darum, den politischer Gegner fertig zu machen", so Frankenberger. Ein Wunsch, der unerfüllt blieb.

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