Organspende Wie Kliniken zum Mangel beitragen
Etwa 1.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland, weil Organspenden fehlen. Das Problem dabei ist nicht nur der Mangel an Spendern. Auch strukturelle Probleme verhindern, dass Organe erfolgreich transplantiert werden.
"Wir brauchen mehr Spender", das ist die zentrale Botschaft der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Sie koordiniert alle Organspenden und ist das Bindeglied zwischen den Krankenhäusern und den Transplantationszentren. Arbeiten kann sie nur, wenn sie überhaupt erfährt, dass es in einem Krankenhaus einen Spender gibt.
"Ungefähr 40 Prozent der bayerischen Krankenhäuser beteiligen sich gar nicht an der Organspende."
Thomas Breidenbach, Chef der DSO in Bayern
Scheu vor Gespräch mit Angehörigen
Eigentlich müssten die Krankenhäuser der DSO melden, wenn es bei ihnen Patienten mit schweren Hirnverletzungen gibt, also Menschen, die Organe spenden könnten. Dass viele Kliniken dieser Pflicht nicht nachkommen, liegt nur zum Teil daran, dass sie keine entsprechenden Fälle haben. Viele Häuser haben andere Gründe. Einer ist das schwierige Gespräch mit den Angehörigen, die nach ihrer Zustimmung gefragt werden müssen: "Das ist ein extrem sensibler Bereich, bei dem man auch sehr, sehr viel Gesprächsführung braucht. In manchen Krankenhäusern scheuen Ärzte dieses Gespräch ein bisschen", so Breidenbach.
Zudem sorgen sich die Kliniken um den eigenen Ruf. Das gelte vor allem für kleinere Krankenhäuser auf dem Land, sagt Breidenbach. Die Klinikangestellten scheuten, Angehörige auf das Thema anzusprechen. Zudem ist eine Organentnahme aufwendig: Ein OP-Saal muss bereitgestellt werden, zusätzliches Personal wird benötigt. Für viele Kliniken, die ohnehin schon am Limit arbeiten, schwer zu realisieren.
Politik hält sich zurück
Obwohl die gesetzliche Meldepflicht am laufenden Band missachtet wird, sieht Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) keine Möglichkeit einzuschreiten. Er glaubt nicht, "dass eine rechtliche Handhabe besteht, die Leute zu zwingen. Wenn die sagen 'Mir ham nix', dann werden wir das nicht in der Beweislastumkehr von denen erfahren können."
Stattdessen setzt Huber auf interne Lösungen und verweist auf die sogenannten Transplantationsbeauftragten. Bertrand Hirl ist am Klinikum Schwabing in München für diese Aufgabe verantwortlich. Er vertritt das Thema Organspende intern, spricht mit den Angehörigen und meldet Fälle an die DSO. 2011 hat er den Bayerischen Organspendepreis bekommen. Hirl kennt aber auch Schwachstellen im System: So gebe es Transplantationsbeauftragte, die vom Thema Organspende gar nicht überzeugt seien. Diese dürfe man auf keinen Fall mit dieser Aufgabe betrauen, warnt Hirl.

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Angelika Fanai, Donnerstag, 26.Januar, 13:14 Uhr
1. Organspende
Hallo, mein Mann hat 2009 nach einer schweren beidseitigen Herzinsufizienz ein neues Herz bekommen. Damals musste er drei Monate auf der Intensivstation darauf warten. Beinahe hätte er die lange Wartezeit nicht überlebt. Das neue Herz fing nach der Transplantaion sofort an von alleine zu schlagen. Es musste nicht zusätzlich stimuliert werden. Mein Mann führt heute ein ganz "normales" Leben. Das heißt, er führt das Leben weiter, welches er früher gelebt hat: Vor zwei Monaten bereisten wir das wunderbare einsamen Dolpo-Gebiet in Nepal. Wir meisterten zu Fuß über 270 km, und arbeiteten uns durch tiefen silberstaubigen Sand, durchquerten eiskalte Flüsse, kraxelten steile, schier endlos scheinende schmale Pfade hinauf und hinunter, wanderten durch meterhohe Hanffelder, stapften in dünner Luft durch frisch gefallenen Schnee über zum Teil 5400m hohe Pässe. Alles was ihn von einem "gesunden" Menschen unterscheidet ist, dass er pünktlich zweimal täglich seine Medikamente nehmen muss.
Ohne diesen wunderbaren Menschen, der sich zu seinen Lebzeiten bereit erklärt hatte, seine Organe bei seinem Ableben zu spenden, wäre ich seit fast drei Jahren ein junge Witwe. Diesen Menschen werde ich nie vergessen.