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Sicherheitskonferenz Von der Wehrkunde zur Sicherheitspolitik

Seit 1962 kommen Minister, Militärs, Parlamentarier und andere Sicherheitsexperten einmal jährlich in München zusammen und reden über Fragen der Außenpolitik und Sicherheit. Oft ohne Protokoll und hinter den Kulissen.

Stand: 16.01.2012
Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (von re.), der Gastgeber der "Europäischen Wehrkunde" Ewald Heinrich von Kleist und der amerikanische Staatssekretär Fred Ikle  | Bild: picture-alliance/dpa

Die jährliche Sicherheitskonferenz in München ist ein fester Termin für Politiker, Militärs und Verteidigungsexperten. 1962 wurde sie vom Verleger Ewald von Kleist gegründet, damals noch als "Wehrkundetagung". Im Lauf der Jahre hat sich die Konferenz zum führenden Forum für Verteidigungs- und Außenpolitik entwickelt. Gegner wie Attac lehnen die Veranstaltung indes seit jeher als "Kriegskonferenz" ab.

Von Kleist, ehemaliger NS-Widerstandskämpfer des 20. Juli, hatte die Tagung als Ort für Diskussionen über die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen ins Leben gerufen. Im Lauf der Jahre entwickelten sich die Zusammenkünfte zum Forum der globalen Sicherheitspolitik. Mit dem Ende des Kalten Kriegs wurde aus der Wehrkundetagung die "Internationale Konferenz für Sicherheitspolitik". 

Politiker reden ohne Protokoll

Wolfgang Ischinger leitet die Münchner Sicherheitskonferenz seit 2009.

1999 übernahm der ehemalige einflussreiche außen- und sicherheitspolitische Berater von Helmut Kohl, Horst Teltschik, die Leitung der Konferenz. Der studierte Politologe und Historiker betonte stets den inoffiziellen Charakter der Tagung: Die Möglichkeit, ohne Protokoll zu reden, sei für Politiker besonders wichtig. Was das Weltwirtschaftsforum in Davos für Spitzenvertreter der internationalen Wirtschaft, sei die Sicherheitskonferenz für Repräsentanten der strategischen Gemeinschaft. Seit 2009 leitet der Ex-Staatssekretär und Diplomat Wolfgang Ischinger die Konferenz.

Kontaktplattform in schwierigen Zeiten

1999 nahmen erstmals Vertreter der Staaten Mittel- und Osteuropas und der Wirtschaft teil. Auch die Volksrepublik China, Japan und Indien sind nunmehr regelmäßig anwesend.

Wiederholt bot die Konferenz auch Vertretern verfeindeter Staaten Gelegenheit zum informellen Austausch. Indische und pakistanische Vertreter verhandelten 2002 inoffiziell über den Kaschmir-Konflikt.

Spannungen zwischen Bündnispartnern

Aber auch Bündnispartnern dient die Konferenz als Kontaktplattform in diplomatisch angespannten Zeiten. Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren teilweise zu denkwürdigen Auftritten höchstrangiger Politiker.

Beispielsweise sorgte 2002 der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer fast für einen Eklat, als er dem damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entgegenhielt: "Ich bin nicht überzeugt." Hintergrund war der damals noch drohende Irak-Krieg, den die USA mit angeblichen Massenvernichtungswaffen des Iraks legitimierten. Ein Jahr später brachte ein Vier-Augen-Gespräch zwischen den damaligen Verteidigungsministern Peter Struck und Donald Rumsfeld etwas Entspannung im deutsch-amerikanischen Verhältnis.

2007 erregte der russische Präsident Wladimir Putin großes Aufsehen, als er den Westen so heftig attackierte, dass schon von einer Rückkehr zum "Kalten Krieg" die Rede war.