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Missbrauchsopfer Peter Saunders Kritik an Kinderschutzkommission des Papstes

An diesem Wochenende tagt die vatikanische Kinderschutzkommission, die Papst Franziskus als Reaktion auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche eingerichtet hatte. Missbrauchsopfer sind dieses Mal allerdings nicht dabei.

Stand: 26.03.2017

Peter Saunders | Bild: picture-alliance/dpa

Im Vorfeld der Plenarsitzung ist die Kommission in die Schlagzeilen geraten, weil die Irin Marie Collins überraschend ihren Austritt erklärt hat. Damit ist nur noch ein Missbrauchsopfer unter den Kommissionsmitgliedern: Der Brite Peter Saunders. Allerdings ist auch er beurlaubt und bleibt bei der aktuellen Sitzung außen vor. Saunders wurde als 12-Jähriger von zwei Jesuiten sexuell missbraucht, über vier Jahre hinweg. Er hat es verdrängt bis seine beiden Kinder später in das Alter kamen, in dem er missbraucht wurde. "Alles, was damals passiert ist, war plötzlich wieder da", erzählt Saunders.

Peter Saunders in seinem Büro in London.

In einem Büro in London leitet Peter Saunders die erste Anlaufstelle für Missbrauchsopfer in Großbritannien und betreibt eine kostenlose Hotline. Einen Anruf im Dezember 2014 wird Peter Saunders nie vergessen. Am Hörer war der Vorsitzende der Kinderschutzkommission, die Papst Franziskus gerade erst ins Leben gerufen hatte. Die Frage, ob er der Kommission beitreten wolle kam für den Briten überraschend: "Ich dachte, jawoll, endlich die Gelegenheit, Dinge wahrzumachen und zu verändern!" Denn bereits in den 1990er-Jahren hatte Saunders auf eigene Faust versucht, das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche anzugehen. Aus seinem Engagement entstand NAPAC, ein zehnköpfiges Team, das Missbrauchsopfer in Großbritannien berät - unabhängig von der Kirche.

"Mit neunzehn war ich bei den Jesuiten in Südafrika und habe Priester getroffen, die sich wirklich aufgeopfert haben. Da draußen gibt es auch gute Priester und ich bleibe Katholik bis sterbe. Aber ein wütender Katholik, weil ich will, dass die Kirche wieder eine weiße Weste bekommt."

Peter Saunders

An der aktuellen Sitzung der Kinderschutzkommission des Papstes nimmt Peter Saunders allerdings nicht teil. Er ist seit einem Jahr beurlaubt. Die Begründung: Er habe sich nicht an die vereinbarte Verschwiegenheit gehalten. "Ich habe fast 40 Jahre geschwiegen - jetzt rede ich!" - das hat Saunders von Anfang an klar gemacht. So hat er beispielsweise in den Medien von einem Priester erzählt, von dem er in der Kommission erfahren habe, dass er offenkundig ein Täter sei. "Dann hat mir die Kommission gesagt: Wir können dir nicht trauen, weil Du mit den Medien sprichst. Kinderschutz kommt aber vor persönlichen Empfindlichkeiten."

"Ich dachte, ich könnte schnell was verändern. Die Kommission diskutiert über Kirchenrecht, Richtlinien und Prozessordnungen. Alles schön und gut, aber wenn aktuell Missbrauch passiert, empört es mich, wenn nicht sofort etwas unternommen wird."

Peter Saunders

Grundsätzlich ist Peter Saunders von der Arbeit der Kinderschutzkommission des Papstes überzeugt, auch wenn es ihm zu langsam vorangeht. Dass die Irin Marie Collins, ebenfalls Missbrauchsbetroffene, im Februar aus der Kommission ausgetreten ist, kann er verstehen. Auch sie war unzufrieden, wie langsam und ihrer Meinung nach halbherzig der Vatikan nach den Missbrauchsfällen zu Konsequenzen bereit war. Peter Saunders kritisiert auch den Papst. Franziskus habe die Sitzungen seiner Kommission kein einziges Mal besucht und Bischöfe im Amt gelassen oder, wie  Juan Barros in Chile, sogar neu ins Amt gerufen, obwohl sie offenkundig von Missbräuchen in ihrer Diözese wussten. Mit einer „Null-Toleranz“-Linie, der sich Papst Franziskus selbst verpflichtet hat, habe das wenig zu tun.


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