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Nach der Sprengung Ein Viertel im Ausnahmezustand

Abgesperrte Straßen, zerbrochene Fenster, geschockte Anwohner: Am Tag nach der Sprengung der Fliegerbombe ist der Münchner Stadtteil Schwabing noch weit von der Normalität entfernt.

Von: Robert Schöffel Stand: 29.08.2012
Sprengung der Fliegerbombe in München | Bild: picture-alliance/dpa

Auch am Mittwochvormittag liegt an der Münchner Freiheit noch Rauchgeruch in der Luft. Das Bild, das sich den zahlreichen Schaulustigen am Absperrgitter der Polizei vor der Feilitzschstraße bietet, passt dazu: Eine verkohlte Hauswand, viele zerbrochene Scheiben, auf dem Boden liegende Dachziegel, überall Feuerwehr und Polizei. Es sieht genauso aus, wie man sich es nach der Detonation einer Bombe vorstellt. Und das mitten in München.

"Es sieht furchtbar aus"

Manfred Falke kann seine Wohnung auf unbestimme Zeit nicht mehr betreten.

Noch immer sind die Straßen, die direkt an die Fundstelle der Bombe grenzen, komplett abgesperrt. Nur vereinzelt dürfen Anwohner in Begleitung der Feuerwehr und mit Helmen auf den Köpfen in ihre Wohnungen, um ein paar persönliche Gegenstände zu holen. Wann sie wieder dort übernachten dürfen, ist noch unklar, da mehrere Gebäude durch die Wucht der Sprengung einsturzgefährdet sind. Einer der Ausgesperrten ist Manfred Falke, der direkt neben der Fundstelle der Bombe wohnt und am Mittwoch nach zwei Nächten bei Freunden immerhin einen Koffer mit Kleidungsstücken packen durfte. In seiner Wohnung bot sich ihm allerdings ein schreckliches Bild: "Es sieht furchtbar aus, weil die Scheiben mitsamt den Rahmen in die Wohnung gefallen sind."

Warten auf die Rückkehr

Krankengymnastin Ellen Weber wartet auf die Rückkehr in ihre Praxis

Auch die Krankengymnastin Ellen Weber ist einer der Leidtragenden. Ihre Praxis befindet sich gerade einmal zwei Häuser entfernt von dem Ort, wo einst die Kneipe Schwabinger 7 stand und jetzt nur noch ein riesiges Loch klafft. Dass die Scheiben an der Hausfront zerstört sind, sieht sie von der Absperrung aus. Wie groß der Schaden wirklich ist, weiß sie nicht. "Ich durfte das Gebäude noch nicht betreten. Ich weiß nicht, wie es innen aussieht." Sie sei jedoch vor allem froh, dass kein Mensch bei der Sprengung der Bombe zu Schaden gekommen ist, sagt sie.

Bombensplitter weit geschleudert

Was passieren hätte können, wenn sich Personen zum Zeitpunkt der Detonation in der Sperrzone aufgehalten hätten, beweist ein Fundstück von Günter Tebelmann, der etwa 200 Meter entfernt auf der anderen Seite der Leopoldstraße wohnt. Er durfte nachts um halb zwei wieder zurück in sein Zuhause. Zu seinem Schrecken fand er jedoch einen Bombensplitter in seiner Einfahrt: "Er ist etwa 20 Zentimeter groß, leicht gebogen und messerscharf. Als ich das Ding angefasst habe, ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen."

Geschäfte hadern mit den Schäden

Apinya Popp und ihr Lokal kamen glimpflich davon.

Glück im Unglück hatte Apinya Popp, die Betreiberin eines asiatischen Restaurants direkt ums Eck der Fundstelle. Sie musste am Montagabend um 20 Uhr ihr Lokal räumen, als sie am Mittwochmorgen zurückkehrte, stellte sie erleichtert fest, dass nur zwei Fensterscheiben zu Bruch gegangen sind. Allerdings musste sie Fleisch, Fisch und Gemüse wegwerfen, da zu ihrer Überraschung der Strom abgestellt worden war. Wer den Schaden bezahlt? "Keine Ahnung", meint sie.

Fast wie im Krieg

Ein zerstörter Laden gegenüber der Detonationsstelle

Das Heim von Thomas Schreiner befindet sich mehrere Querstraßen von der Feilitschzstraße entfernt. Der Familienvater durfte die vergangenen zwei Nächte mit seiner Frau und den zwei Kindern in den eigenen vier Wänden verbringen. "Wir haben in der Wohnung auf die Sprengung gewartet und haben uns eine Stelle gesucht, die wir sicher fanden, weit weg von den Fensterscheiben", so seine Frau. "Und dann hat es ganz schön gewackelt." Ein Bild, wie man es sonst nur aus Kriegsberichten kennt - und der Vergleich ist gar nicht mal so abwegig, wie eine ältere Dame erklärt: "Ich habe trotz meiner Schallschutzfenster einen riesen Knall gehört. Dann stiegen Rauchschwaden auf und es brannte. Mich hat das furchtbar aufgeregt, weil ich den letzten Krieg mitgemacht habe."


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