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Flüchtlinge in München Jugendliche kriegen zusätzliche Betreuer

Die Situation von etwa 130 Jugendlichen, die als Flüchtlinge nach Bayern gekommen sind, soll verbessert werden. Aus Protest hatten sie mehrere Tage lang nichts gegessen und getrunken.

Stand: 17.01.2012
Symbolbild: Asylbewerber eines provisorischen Heimes in München | Bild: picture-alliance/dpa

Zusätzliche Deutschkurse bei einer neuen Lehrerin, drei weitere Betreuer und ein Fußballplatz - damit soll die Lage der Flüchtlinge verbessert werden. Zudem sollen die Jugendlichen nicht nur in München und Würzburg, sondern auch in fünf anderen bayerischen Städten untergebracht werden. Dazu laufen derzeit Gespräche. Das Ziel: Die Jugendlichen sollen nicht länger im Erstaufnahmelager bleiben müssen.

Nach stundenlangen Verhandlungen hatten die minderjährigen Flüchtlinge in der Münchner Bayernkaserne am Montag ihren Hungerstreik beendet.

Laut einem Sprecher der Inneren Mission sollen den Minderjährigen in den nächsten Tagen Angebote über eine Verlegung in andere Unterkünfte gemacht werden.

Die 16- bis 18-jährigen Jugendlichen, die überwiegend aus Afghanistan kommen, waren wegen ihres Hungerstreiks teilweise im Krankenhaus behandelt worden. Sie wollten mit der Aktion "gegen die menschenunwürdige Unterbringung", die hygienischen Bedingungen sowie die Lebensmittelversorgung in der Bayernkaserne demonstrieren.

Zuvor hatte sich die Landtagsfraktion der Grünen hatte sich mit den Flüchtlingen solidarisch erklärt. Die Stadt München hatte gefordert, dass die Minderjährigen künftig besser auf den Freistaat verteilt werden. Alleine in München werden 1.000 unbegleitete Flüchtlingskinder betreut.

Abgelaufenes Essen, kaum Platz, keine Hygiene

Nach Angaben eines Sprechers hatten sich an dem Hungerstreik seit dem Wochenende 60 Flüchtlinge beteiligt. 20 von ihnen waren daraufhin in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Laut der Initiative Karawane wollten die Jugendlichen nicht in Kliniken eingeliefert werden. Auf ärztliche Anweisung hin sei ihnen aber nichts anderes übrig geblieben.

Unerträglich hygienische Bedingungen, abgelaufenes Essen, kaum Platz - das seien die Probleme, über die sich die Jugendlichen beklagten, so der Flüchtlingsrat. Sie sind ohne Eltern oder Verwandte aus Ländern wie Somalia oder Afghanistan nach Bayern gekommen. Viele von ihnen litten unter psychischen Problemen, sagt Monika Steinhauser vom Münchner Flüchtlingsrat.

Regierung von Oberbayern wehrt sich

Die Bezirksregierung Oberbayern stritt die Vorwürfe des Flüchtlingsrats ab: "Eine Unverschämtheit, dass wiederholt Vorwürfe erhoben werden von Leuten, die Herstellungs- und Ablaufdatum von Lebensmitteln verwechseln", sagte Sprecher Schuster gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die Asylbewerber seien zu viert in Zimmern untergebracht, die bei der Bundeswehr mit acht Soldaten belegt gewesen seien. Sie könnten nach islamischen Speisegesetzen hergestellte Lebensmittel bekommen. Küche, Bäder, Flure und Gemeinschaftsräume würden regelmäßig von Putzdiensten gereinigt. Ein Arzt hätte sei Beginn des Hungerstreiks täglich nach den Jugendlichen geschaut, ausreichend Getränke gebe es ebenfalls.

Tausend minderjährige Flüchtlinge

Die Stadt München hatte geäußert, dass es in der Landeshauptstadt einen sehr großen Andrang von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gege. München sei nur eine von zwei Erstaufnahmestellen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in ganz Bayern, monierte Maria Kurz-Adam, Leiterin des Stadtjugendamtes München. "Wir sind jetzt im Moment bei ungefähr 1.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen", sagte Kurz-Adam. Diese müssten entweder in Obhut oder in entsprechenden Jugendhilfemaßnahmen eingegliedert werden. Ein Kraftakt, den die Landeshauptstadt nicht mehr alleine schultern könne.

Ein Mitarbeiter für 90 Flüchtlinge

Das Münchner Jugendamt hatte deshalb die Regierung von Oberbayern und den Freistaat aufgefordert, die Flüchtlinge auch in anderen bayerischen Städten unterzubringen. Derzeit kämen im Münchner Jugendamt auf jeden zuständigen Mitarbeiter 90 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.