Internetkriminalität Bayerische "Cybercops" am Start
Im Kampf gegen die wuchernde Internetkriminalität wird Bayerns Polizei künftig von sogenannten Cybercops unterstützt. Nach einer einjährigen Ausbildung gehen die Spezialisten ab Juli auf die Jagd nach Netz-Verbrechern.
Beim Landeskriminalamt (LKA) werden künftig neun Internet- und vier Wirtschaftsspezialisten arbeiten. Die zwei Frauen und sieben Männer wechselten aus ihren bisherigen Berufen als Banker, Informatiker oder Techniker zur Polizei und absolvierten dort eine verkürzte Ausbildung, wie der Präsident des Landeskriminalamts, Peter Dathe, in München mitteilte. Insgesamt wurden in Bayern aus rund 400 Bewerbern 52 solcher Experten geschult, die nun landesweit in Polizeidienststellen eingesetzt werden.
Es gebe mittlerweile kaum mehr ein Verbrechen, das keine Komponente im Internet habe, betonte Dathe die Notwendigkeit der personellen Aufrüstung. Die Straftaten im Bereich der Internetkriminalität hätten 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zugenommen, allein die Delikte aus dem Wirtschaftsbereich summierten sich im Freistaat auf über 540 Millionen Euro. Wie aus der bundesweiten Kriminalitätsstatistik hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr in Deutschland fast 85.000 einschlägige Straftaten angezeigt.
Einjährige Polizeischulung
Für ihre Arbeit durchliefen die Cybercops und Wirtschaftskriminalisten statt der üblichen zweieinhalbjährigen Polizeiausbildung eine nur einjährige Schulung. Dabei sei zwar die gesamte Bandbreite samt Schießen und Selbstverteidigung vermittelt worden, aber teilweise eben nur verkürzt, erklärte LKA-Pressesprecher Detlef Puchelt. Dies sei möglich gewesen, da von vorneherein klar war, dass die Internet-Fahnder nur in diesem speziellen Bereich eingesetzt würden.
Netzwerkfahndung und Vermögensabschöpfung
Beim LKA sind die Spezialisten nach Angaben von Puchelt in drei Sachgebieten aktiv. Die eigentlichen Cybercops arbeiten bei der Netzwerkfahndung. Bei ihren Recherchen im Internet suchen sie nach kriminellen Inhalten wie Kinderpornografie, Gewaltverherrlichung oder extremistischen Umtrieben. Der zweite Bereich beschäftigte sich mit Wirtschaftskriminalität wie Betrug oder Korruption, der dritte Sektor mit Geldwäsche und "Vermögensabschöpfung". Davon seien dann die ertappten Kriminellen betroffen, denen "das Geld wieder weggenommen wird".
Grenzübergreifender Kampf gegen Cybercrime
Die Schäden durch Internet-Kriminalität haben mittlerweile gigantische Ausmaße angenommen. Interpol schätzt die Summe allein für Europa auf jährlich 750 Milliarden Euro. Angesichts der grenzübergreifenden Aktivitäten der Täter wollen deshalb auch die Behörden verstärkt zusammenarbeiten. Die EU-Kommissarin Cäcilia Malmström kündigte im März Pläne für ein europäisches Cybercrime-Zentrum an. Ab 2013 sollen unter dem Dach von Europol im holländischen Den Haag zunächst 30, später bis zu 55 Experten arbeiten. Sie sollen aus dem Bereichen Wirtschaft, Polizei und Wissenschaft Informationen sammeln und die Ermittler und Justizbehörden in den EU-Ländern unterstützen. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) kündigte zudem eine verstärkte Zusammenarbeit mit den USA an. Bei einem Treffen mit ihrem US-Kollegen Eric Holder im Mai in München wurde unter anderem ein engerer Austausch bei Fortbildungen von Richtern und Staatsanwälten vereinbart.

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