Holocaust-Leugner Piusbrüder werfen Bischof Williamson raus
Die erzkonservative Piusbruderschaft will mit Bischof Williamson nichts mehr zu tun haben: Sie hat den Holocaust-Leugner rausgeschmissen. Die Regensburger Justiz bereitet sich unterdessen auf einen neuen Prozess gegen Williamson vor.
Der Brite Williamson habe sich "seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt", teilte das Generalhaus der Traditionalisten im schweizerischen Menzingen mit. Der Jüdische Weltkongress begrüßte diese Entscheidung. Dessen Präsident, Ronald S. Lauder, vermisst in der Begründung für den Rausschmiss allerdings einen Verweis auf den Schaden, den der Geistliche durch seine Beschimpfung von Juden und anderen angerichtet habe.
Das hat Williamson gesagt
Die strittige Aussage Williamsons, übersetzt aus dem Englischen: "Ich glaube, dass die historischen Beweise gewaltig dagegen sprechen, dass sechs Millionen Juden vorsätzlich in Gaskammern vergast wurden als vorsätzliche Strategie Adolf Hitlers. (...) Ich glaube, es gab keine Gaskammern."
Der heute 72-jährige Williamson hatte im November 2008 im Interview mit einem schwedischen Fernsehteam die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit bestritten. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 von den Nazis ermordet worden. Dieses Interview beschäftigt seit fast zwei Jahren die Regensburger Justiz, die für diese antisemitischen Äußerungen juristisch zuständig ist, weil das Interview im Piuskloster im oberpfälzischen Zaitzkofen geführt wurde.
Gerichtsmarathon um Williamson geht weiter
Im kommenden Jahr wird es zu einer Neuauflage des Prozesses kommen. Der Grund: Williamson habe gegen den jüngsten vom Amtsgericht Regensburg erlassenen Strafbefehl Einspruch eingelegt, so ein Gerichtssprecher vor wenigen Tagen.
Eine erste Verurteilung des Erzkonservativen hatte das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg im Februar wegen Verfahrensmängeln kassiert. Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft den Strafbefehl überarbeitet. Dabei geht es um einen Betrag von maximal 6.500 Euro (100 Tagessätze zu je 65 Euro). Nach Einschätzung von Beobachtern der Causa Williamson wird sich das Verfahren weiter durch die Instanzen ziehen und könnte möglicherweise sogar vor dem Bundesverfassungsgericht landen.
Schwere Krise der katholischen Kirche
Das in Schweden ausgestrahlte Interview mit Williamson war auch im Internet veröffentlicht worden. Es hatte die katholische Kirche in eine schwere Krise gestürzt, zumal es in einer Zeit erstausgestrahlt wurde, als der Vatikan die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson und dreier weiterer Bischöfe der umstrittenen Piusbruderschaft bekanntgegeben hatte.
Die Piusbruderschaft - katholisch wie im Mittelalter
Die Piusbruderschaft wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und wendet sich strikt gegen die Modernisierung der katholischen Kirche. Die Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils werden abgelehnt. So kämpft die Piusbruderschaft für Gottesdienste nach tridentinischem Ritus in lateinischer Sprache. Auch die Ökumene und der interreligiöse Dialog werden insgesamt abgelehnt. Kritiker sprechen von einem antidemokratischen, mittelalterlichen Denken.
Nach eigenen Angaben zählt die Bruderschaft rund 570 Priester und vertritt 600 000 Gläubige. In Deutschland betreiben die Pius-Brüder mehrere Schulen, ein Altenheim und ein Priesterseminar in der Nähe von Regensburg.
Einer, der sogar den Piusbrüdern zu reaktionär wurde
- Richard Williamson wurde am 8. März 1940 in London geboren.
- Er studierte an der Universität Cambridge und arbeitete anschließend als Lehrer.
- Der Anglikaner konvertierte zum Katholizismus und trat 1972 ins Priesterseminar von Econe ein. 1976 wurde er zum Priester geweiht.
- Am 30. Juni 1988 weihte Erzbischof Marcel Lefebvre gegen den Widerstand des Vatikan Williamson und drei weitere Priester der erzkonservativen Piusbruderschaft zu Weihbischöfen. Alle fünf Kirchenmänner wurden vom Vatikan exkommuniziert.
- Im Januar 2009 nahm Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation zurück.
- Auf Druck der argentinischen Regierung musste Williamson im Februar 2009 das Land verlassen, in dem er ein Priesterseminar der Piusbruderschaft geleitet hatte. Die Bruderschaft enthob ihn seiner Ämter. Er lebt seither in London.
- Am 24. Oktober 2012 teilt die Piusbruderschaft mit, dass Williamson aus der Bruderschaft ausgeschlossen wird.

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