Karl-Theodor zu Guttenberg Retourkutsche für den Ex-Doktor
Seit gestern liegt das viel diskutierte Buch von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den Läden. Nun wehrt sich die Uni Bayreuth gegen die darin erhobenen Vorwürfe und sagt: "Alles unbegründet."
In dem Buch "Vorerst gescheitert" behauptet Guttenberg, die Hochschule sei in dem Plagiatsfall "leider nicht unabhängig" gewesen. Sie habe offenbar aus Angst vor dem Verlust von Forschungsgeldern vorschnell ge- und verurteilt. Die Uni sei "immer Partei" gewesen. Gegen diese Anschuldigungen hat sich die Uni Bayreuth jetzt verwahrt. In einer Erklärung heißt es, alle Vorwürfe seien unbegründet. Insbesondere habe zu keinem Zeitpunkt der Verlust von Forschungsgeldern gedroht.
Die Universität machte auch darauf aufmerksam, dass in der siebenköpfigen Kommission, die die Doktorarbeit des Ex-Ministers geprüft habe, drei Juristen gesessen hätten. In seinem Buch schreibt Guttenberg: "Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen." Auch Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hatte die Angriffe Guttenbergs zuvor als "nicht akzeptabel" bezeichnet. Die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft an der Universität habe sorgfältig und unabhängig geprüft und sei zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.
Weiter Diskussion innerhalb der CSU
Das Buch sorgt auch innerhalb der CSU weiter für Wirbel. Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte, er könne die jetzige Strategie Guttenbergs nicht nachvollziehen. Sie helfe nicht weiter, in die Politik zurückzukehren. Andere Töne kommen aus der CSU-Landesgruppe in Berlin. Deren Parlamentarischer Geschäftsführer Stefan Müller riet seiner Partei, sich mit der Kritik des Ex-Ministers auseinanderzusetzen: "Er spricht aus, was manche in der Partei denken." Es könne nicht Schaden, sich mit Guttenbergs Thesen auseinanderzusetzen, so Müller weiter, auch wenn er nicht alles teile. Guttenberg hatte die CSU in einem Zeit-Interview scharf attackiert:
"Sich als Volkspartei zu bezeichnen, wenn man etwa 40 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von unter 60 Prozent bekommt, wirkt nur noch wie die Verhöhnung früherer Träume."
Guttenberg über die CSU
Es reiche "für die CSU nicht aus, in romantischer Rückschau die gute alte Zeit zu beschwören. Da haben sich doch schon viele Spinnweben gebildet", sagte Guttenberg. Zudem ließ er Sympathien für die Gründung einer neuen Partei erkennen: "Ich glaube, dass eine solche Gruppierung am ehesten in der Mitte Erfolg haben könnte, nicht an den Rändern des politischen Spektrums."
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zeigte sich verärgert über diese Äußerungen. Es sei kein guter Stil, wenn alles und jeder herabgesetzt werde, um sich selbst zu erhöhen:
"Ich bitte den Karl-Theodor, diese bekannten Wortgirlanden zu beenden und einfach Rücksicht zu nehmen auf die vielen Tausenden, die in deutschen Parteien sich täglich, und manche davon rund um die Uhr, engagieren für die Zukunft unseres Landes."
Seehofer über Guttenberg
Doktorarbeit war "größte Dummheit"
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Guttenberg war im März als Verteidigungsminister zurückgetreten, nachdem festgestellt worden war, dass er seine Dissertation in weiten Teilen abgeschrieben hatte. Die Universität Bayreuth erkannte ihm deshalb den Doktortitel ab.
Erneut versicherte Guttenberg, er habe bei seiner Dissertation "selbstverständlich" keinen Ghostwriter gehabt:
"Wenn ich die Absicht gehabt hätte zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist."
Guttenberg in seinem Buch
Die unter großem persönlichen Druck entstandene Doktorarbeit, die über weite Strecken nachweislich ohne Quellenangabe abgeschrieben war, bezeichnete er als "größte Dummheit" seines Lebens. Zu Jahresbeginn von den Vorwürfen überrascht, habe er teilweise "völlig falsch reagiert". Doch sei er kein Blender, wie Kritiker oft behaupten.
"Wir stehen hier vor einer politischen Inhaltsleere gepaart mit einem großen Populismus."
Oliver Lepsius, Professor für Staatsrecht an der Universität Bayreuth, über Guttenbergs Äußerungen
Geteilte Meinungen im Tagesgespräch
Im Tagesgespräch auf Bayern2 waren die Hörer des Bayerischen Rundfunks und ihre Meinung über zu Guttenberg gefragt. Befürworter und Gegner eines möglichen Comebacks hielten sich dabei relativ die Waage und wurden zum Teil sehr deutlich in ihren Äußerungen. Der CSU-Politiker wurde von einem Anrufer als "Lügner, Betrüger und Dieb" gescholten. Ein Anderer nannte das Verhalten zu Guttenbergs "unverschämt, dummdreist und charakterlos." Ein weiteres Fazit lautete schlicht: "Wir brauchen ihn nicht." Zu Guttenberg fand aber auch Befürworter: "Die CSU braucht einen Mann wie ihn. Jeder sollte eine zweite Chance erhalten, trotz Plagiatsaffäre". Auch eine weitere Anruferin zeigte sich gnädig gestimmt und sagte: "Er hätte vielleicht anders mit dem Skandal umgehen sollen, aber seine Rückkehr würde der Politik gut tun."
Rekordfußballnationalspieler Lothar Matthäus sagte - nicht im Tagesgespräch, sondern in einem Interview mit der Illustrierten Bunte - er wünsche sich ein Comeback Guttenbergs: "Nicht nur, weil er so gut aussieht wie ich. Sondern weil ich glaube, dass er in der Politik sehr viel bewegt hat in den letzten Jahren." Mehrere Medien hatten nach Guttenbegrs öffentlichem Auftritt in Kanada angemerkt, dass der CSU-Politiker aufgrund seiner veränderten Frisur jetzt wie Lothar Matthäus aussehe.
Warten auf den politischen Frühling
Bereits am Wochenende war bekannt geworden, dass sich Guttenberg bis zum Frühjahr entscheiden wolle, ob er für den Bundestag kandidieren möchte. Der Kreisvorsitzende Christian Meißner vom CSU-Kreisverband Lichtenfels in Oberfranken sagte dem Nachrichtenmagazin Focus, "Guttenberg würde uns im Wahlkampf extrem helfen". Er wirke "wie Penicillin gegen die Politikverdrossenheit" und könne politische Vorgänge vernünftig erklären.
Den Angaben zufolge forciert Guttenberg sein Comeback mehr als bislang bekannt. Gegenüber CSU-Kollegen habe er die alten Kontakte erheblich intensiviert und durchblicken lassen, dass er zeitnah in die Politik zurückkehren wolle. Neben öffentlichen Auftritten und dem Buch sei auch ein Auftritt im deutschen Fernsehen geplant.

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grafvarkonyi@email.de, Freitag, 02.Dezember, 10:07 Uhr
28. Retourkutsche für den Ex-Doktor
tatsache ist doch, daß seine abwehrhaltung bzgl. der gerügten besetzung der kommission zutrifft und die gegenwehr der uni redundanten unfug darstellt, rechthaberische gerede um des kaisers bart (wie dem aufmerksamen leser selbst in ihrem artikel zugänglich gemacht: gratulation zu ihrer selten gewordenen objektiven darstelungsweise von informationen und nachrichten). sehr empfehlenswert ist übigens auch ein blick in die damalige promotionsordnung, aus der sich ergab, daß mit der "ablegung der münlichen doktor-Prüfung" mängel der dissertation automatisch als geheilt gelten, soweit nicht vorsätzliches neagtivverhalten dem widerspricht (und eben diesen nachweis ist man bis heute schuldig geblieben).
"wer nichts zu sagen hat , der sollte lieber schweigen" (wittgenstein) gilt übrigens auch für die dortige uni !
Werner, Donnerstag, 01.Dezember, 16:46 Uhr
27. KTG
Für was werden die Professoren der Uni Beyreuth bezahlt ?
Dies sind die Versager ! In der Wirtschaft wären sie alle geflogen !
Es ist schlimm wie man auf KTG einschlägt ! Bevor ein Urteil ! Wo ist demokratie?
Neid ist halt Dummheit.
Gert Niedermeier, Donnerstag, 01.Dezember, 12:53 Uhr
26. Die Uni Bayreuth
Meiner Meinung nach, hat Herr Guttenberg zwar die Arbeit gefälscht, aber angefangen von der Universitätsleitung bis hin zum Ausschuss für die Doktorarbeit, haben alle größeres Versagen gezeigt. Weshalb sind diese Mitglieder und Führungskräfte noch im Amt, und haben nicht selbst die Konsequenz aus Ihrem Handeln gezogen? Wer ist nun zuträglicher für unser Land?
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