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"Erlebnis Bauernhof" Mit der Kuh auf Du und Du

Lernen auf dem Bauernhof statt auf der Schulbank ist künftig angesagt. Zumindest einen Tag lang sollen Grundschüler so mehr über Lebensmittel erfahren. Schüler aus Pliening hatten bereits das Vergnügen. Ihr Rektor Peter Bachmeier über den Ausflug, Kühemelken und Lebensmittelverschwendung.

Von: Markus Deutschenbaur Stand: 15.10.2012
Kind mit zwei Kühen im Stall (Archiv) | Bild: picture-alliance/dpa

BR.de: Herr Bachmeier, zum Auftakt der Aktion waren Sie Ende Juni mit einer vierten Klasse aus Pliening (Landkreis Ebersberg) auf einem Erlebnisbauernhof zu Gast. War es das im Aktionsnamen angekündigte „Erlebnis“ für die Schüler?

Peter Bachmeier: Unsere Schüler waren mit voller Begeisterung dabei. Das Ganze ist aber sicher auch immer abhängig vom jeweiligen Bauernhof. Bei uns war gleich die ganze Familie eingespannt, und das an verschiedenen Stationen.

BR.de: Aus erster Hand sollen die Kinder bei der Aktion erleben, wo und wie unsere Lebensmittel erzeugt werden. Wird das Verständnis dafür, wie zum Beispiel ihr Schnitzel auf den Teller kommt, durch einen solchen, eintägigen Ausflug wirklich gestärkt?

Peter Bachmeier: Die Kinder haben die Lebensmittelerzeugung hautnah miterleben können. Und zum Beispiel gelernt, wie früher Getreide gewonnen wurde: per Hand, mit Dreschflegel und Mühlen. Wie viel Aufwand, Eifer und Energie notwendig ist, bis aus Getreide Brot wird, hat viele überrascht. Und wenn man das selbstgemachte Müsli dann noch mit nach Hause nehmen kann, dann bleibt bei dem einen oder anderen sicher was hängen.

Ein Tag auf dem Bauernhof

Mindestens einen Tag ihrer Schullaufbahn sollen bayerische Grundschüler künftig auf dem Bauernhof verbringen, um mehr über Herstellung und Entstehung unserer Lebensmittel zu erfahren. So sieht es ein Aktionsprogramm von Landwirtschafts- und Kultusministerium vor. „Erlebnis Bauernhof“ heißt die Gemeinschaftsaktion für Dritt- und Viertklässler von Grund- und Förderschulen.

BR.de: Sind die Wissenslücken der Acht-, Neunjährigen bei den Themen Lebensmittelherstellung, Landwirtschaft, Umwelt wirklich so gravierend, wie oft befürchtet? Zum Beispiel, dass Kühe lila sind - eben genau so wie in der Werbung eines Schokoladen-Herstellers. Oder auch in der Art: „Meine Pommes sind doch nicht aus Kartoffeln, oder?“

Peter Bachmeier: Da gibt es sicher ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land. In der Stadt mag das der Fall sein, bei uns auf dem Land nicht. Die Eltern hier haben auf jeden Fall die dazu nötige Bodenhaftung.

BR.de: Wie schaut der erlebnisorientierte Ansatz von „Erlebnis Bauernhof“ denn genau aus: Getreide mahlen, Eier sammeln, Kühe melken, etc.: Kann man die Kids für derlei Sachen heutzutage noch begeistern?

Peter Bachmeier: Praktisches Erleben ist einfach immer intensiver. Und wer zum ersten Mal eine Kuh melkt, merkt schnell, wie schwierig es eigentlich einmal war, an die tägliche Ration Milch zu gelangen.

BR.de: Merken Sie, dass die Schüler seit dem Besuch sensibler mit den Themen Landwirtschaft, Nahrung, Umwelt umgehen? Oder ist das Ganze nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Peter Bachmeier: Wenn es von den Eltern nicht weiter unterstützt wird, ist es eher der von ihnen genannte Tropfen auf den heißen Stein. Das ist wie mit einem Nichtschwimmer, dem man einmal das Wasser zeigt - und dann soll er losschwimmen. Der Knackpunkt für mich ist einfach, dass die Kinder mitbekommen, wie viel Energie nötig ist, um Lebensmittel, Mittel zum Leben zu erzeugen. Damit der Berg der Lebensmittel, die täglich weggeworfen werden, ein bissl kleiner wird.

BR.de: Hat die Aktion auch Schwachstellen?

Peter Bachmeier: Ich glaube, dass die vom Ministerium angedachte Frequentierung - jeder Grundschüler aus Bayern einmal auf einen Bauernhof - nicht durchzusetzen ist. Wie wollen S' das machen, zum Beispiel mit den ganzen Schülern aus München?

BR.de: Werden Sie nochmals teilnehmen an der Aktion?

Peter Bachmeier: Bei uns werden sicher weitere Klassen zu dem Bauernhof hinfahren. Kurzer Anruf - und dann düsen wir los.


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